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Wütende Protestler liefern sich Schlachten mit der Polizei.

USA besorgt

Zornige Ägypter liefern sich Schlachten

Kairo - Der Griff des ägyptischen Präsident nach fast unbegrenzter Macht spaltet das Land. Doch Mursi verteidigt seine Befugnisse. Auf den Straßen toben Schlachten.

Die USA haben die massive Machtausweitung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi und die Krawalle im Land mit Besorgnis aufgenommen. Mursis Dekrete, mit denen er sich der Kontrolle der Justiz entzogen hat, würden vielen Ägyptern und der internationalen Gemeinschaft Anlass zur Sorge geben, sagte die Sprecherin des US-Außennministeriums, Victoria Nuland, am Freitag. Gleichzeitig rief sie die Ägypter auf „ihre Differenzen bei diesen wichtigen Themen friedlich und durch einen demokratischen Dialog beizulegen“.

Nachdem sich der ägyptische Präsident Mohammed Mursi selbst mit fast unbegrenzter Macht ausgestattet hat, regiert auf den Straßen des Landes die Gewalt: Tausende Gegner des islamistischen Staatschefs lieferten sich Straßenschlachten mit dessen Anhängern, Büros von Mursis Muslimbruderschaft wurden in Brand gesteckt. Die Polizei in Kairo ging mit Tränengas gegen Demonstranten vor. Auf dem Tahrir-Platz versammelten sich Zehntausende Menschen und protestierten gegen die Dekrete Mursis, die ihn ihrer Ansicht nach zu einem neuen Autokraten machten.

Der Islamist Mursi hatte sich am Vortag im Alleingang überraschend weitreichende Machtbefugnisse gesichert. Mit einer Reihe von Verfassungszusätzen entzog er sich faktisch jeder Kontrolle durch die Justiz und machte seine Entscheidungen als Staatschef für Gerichte unantastbar. Die Vollmachten sollen zeitlich begrenzt sein, bis eine neue Verfassung steht und Neuwahlen stattfinden.

Mursi verteidigte sein Vorgehen damit, dass die alte Garde des gestürzten Staatschefs Husni Mubarak im Justizapparat nicht länger Reformen blockieren dürfe. „Das sind Rüsselkäfer, die an der ägyptischen Nation nagen“, sagte er vor tausenden Anhängern. Die Opposition fürchtet dagegen eine neue Diktatur diesmal vonseiten der Islamisten und kritisiert Mursi als „neuen Pharao“.

Mursi mit Mubarak verglichen

Auf dem Tahrir-Platz, dem Zentrum des Aufstands gegen Mubarak voriges Jahr, setzten Demonstranten Mursi mit Mubarak gleich und verlangten in Sprechchören seinen Rücktritt. Vor dem Präsidentenpalast versammelten sich dagegen Muslimbrüder und andere Islamisten zu einer Solidaritätskundgebung.

Vor einer Moschee in Alexandria bewarfen nach den Freitagsgebeten tausende Demonstranten beider Lager einander mit Steinen. Gegner des Präsidenten warfen außerdem Feuerwerkskörper auf Anhänger der Muslimbruderschaft. Diese schützten sich mit Gebetsteppichen vor den Wurfgeschossen. Die Mursi-Gegner stürmten ein Büro der Muslimbruderschaft vor der Moschee. Mindestens 15 Menschen wurden verletzt.

Zu ähnlichen Auseinandersetzungen kam es in den Städten Assiut und Gizeh. Büros der Partei der Muslimbruderschaft in Suez, Port Said und Ismailia wurden nach einer Meldung des staatlichen Fernsehens in Brand gesteckt.

Die Gewalt - die schlimmste seit dem Amtsantritt Muris - zeigt die Gespaltenheit darüber, welchen Kurs das Land fast zwei Jahre nach dem Sturz Mubaraks einschlagen soll. Die Staatsmedien beschrieben die Dekrete des Präsidenten vom Donnerstag als eine Korrektur der Revolution und das Staatsradio sendete Anrufe von Hörern, die den Schritt Mursis lobten. Viele Gegner sahen das anders und warfen Mursi autokratische Tendenzen vor. „Das ist ein Verbrechen gegen Ägypten und eine Beendigung der Januar-Revolution im Dienste der Interessen der Diktatur des Muslimbruderschaft“, schrieb der Chefredakteur der Zeitung „Al Tahrir“, Ibrahim Eissa. „Die Revolution ist vorbei und der neue Diktator hat sie getötet.“

dapd

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