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UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Israel schießt Hamas-Drohne ab

Ban Ki Moon fordert Ende der Nahost-Kämpfe

New York/Tel Aviv - Im Gazastreifen starben bereits mehr Menschen als bei der letzten Runde der Gewalt vor knapp zwei Jahren. Dennoch ist keine Waffenruhe in Sicht.

Angesichts der fortwährenden Kampfhandlungen rief UN-Generalsekretär Ban beide Seiten zur Mäßigung auf. Es liege im Interesse von Israelis und Palästinensern, umgehend Maßnahmen zu einem Ende der Kämpfe einzuleiten, statt weitere Schritte zu einer gefährlichen Eskalation zu unternehmen, hieß es in einer am Sonntagabend von den Vereinten Nationen in New York verbreiteten Mitteilung.

Ban verurteilte den fortgesetzten Raketenbeschuss Israels durch militante Palästinenser aus dem Gazastreifen heraus und forderte ein sofortiges Ende dieser „unanständigen Angriffe“. Gleichzeitig äußerte sich der UN-Generalsekretär besorgt über die Auswirkungen der israelischen Militäraktionen.

Mit 172 überstieg die Zahl der Toten im Gazastreifen bereits die Opferzahl der letzten großen Runde der Gewalt im November 2012.

Hamas-Drohne über Küste vor Aschdod abgeschossen

Die israelische Armee schoss nach eigenen Angaben am Montag eine Drohne ab, die aus dem Gazastreifen in Richtung der Küstenstadt Aschdod geflogen kam. Die israelische Armee teilte am Montag mit, das unbemannte Fluggerät sei mit einer Rakete des Typs Patriot abgefangen und in der Luft zerstört worden. Nach Medienberichten war die Drohne aus dem Gazastreifen in den israelischen Luftraum eingedrungen. Die Marine suchte vor der Küste nach Überresten des Fluggeräts.

Der israelische Militärsprecher Arye Shalicar sagte am Montag, es sei unklar, um welches Model es sich bei der abgeschossenen Drohne handele - ein aus dem Iran eingeschmuggeltes Fluggerät oder eine Eigenproduktion der Hamas. „Wir wissen in diesem Fall nicht, wo sie herkommt.“ Shalicar sagte: „Wir sehen aber seit Jahren Bemühungen der Hamas, ihre Terror-Kapazität in der Luft auszubauen.“ Er bestätigte Sorgen, die Hamas könnte Fluggeräte mit Kameras ausrüsten oder mit Sprengstoff bestücken. In den Waffenschmieden im Gazastreifen würden solche Versuche seit geraumer Zeit unternommen. „Die Armee ist auf Überraschungen der (radikal-islamischen) Hamas in der Luft vorbereitet“, sagte die Militärexpertin des israelischen Rundfunks.

Palästinenser im Westjordanland erschossen

Im Westjordanland nahm die israelische Armee in der Nacht zum Montag 23 Palästinenser fest, darunter elf Hamas-Abgeordnete. In der Nähe von Hebron wurde bei dem Festnahmeeinsatz ein 21-jähriger Palästinenser erschossen. Der palästinensische Rundfunk meldete, der junge Mann sei in der Nähe von Hebron bei einem Einsatz der Armee getötet worden.

Raketen auf Tel Aviv - Tote im Gazastreifen

Raketen auf Tel Aviv - Tote im Gazastreifen

Seit Beginn der israelischen Luftoffensive im Gazastreifen am Dienstag haben militante Palästinenser nach Angaben der Armee knapp 1000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. 760 davon seien eingeschlagen, rund 200 habe die Raketenabwehr abgefangen, teilte das Militär am Montag mit. Die israelische Armee habe im ganzen Gazastreifen insgesamt 1470 Ziele angegriffen, davon etwa 210 Tunnel, 770 verborgene Raketenabschussrampen. Zudem seien Waffen- und Trainingslager bombardiert worden.

Steinmeier will in Jordanien vermitteln

Bundesaußenminister Steinmeier wollte seine Vermittlungsgespräche in der Region am Montag in Jordanien beginnen. Am Dienstag wird er auch zu Gesprächen in Israel und den Palästinensergebieten erwartet. Es sind Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas geplant. Die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete, US-Außenminister John Kerry habe mit Netanjahu telefoniert und auch eine Vermittlung der Vereinigten Staaten in dem Konflikt angeboten.

Tausende Palästinenser auf der Flucht

Nach Warnungen der israelischen Armee, unter anderem mit Flugblättern und SMS, waren am Sonntag nach Medienberichten Tausende von Palästinensern aus dem Norden des Gazastreifens geflohen. Israels Luftwaffe griff anschließend Ziele im Umkreis von Beit Lahia an. Nach Militärangaben werden aus dem Norden des Palästinensergebiets die meisten Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert.

Hunderte von ausländischen Staatsbürgern verließen den Gazastreifen am Sonntag über den Grenzübergang Erez mit Israel. Sie wurden danach mit Bussen zu dem Allenby-Grenzübergang mit Jordanien gebracht. Nach Angaben der Armee wurden die meisten von insgesamt 812 Ausreiseanträgen gebilligt.

dpa

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