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Seenotrettung im Mittelmeer: Die Evangelische Kirche will sich mit einem eigenen Schiff einbringen.

Hilfe auf Mittelmeer geplant

Wegen Engagement für Flüchtlinge: Bischof erhält Morddrohungen - Maas reagiert

Die Evangelische Kirche will sich mit einem eigenen Schiff in der Seenotrettung von Flüchtlingen einbringen. Deshalb sieht sich der EKD-Vorsitzende Heinrich Bedford-Strohm Morddrohungen ausgesetzt.

  • Die Evangelische Kirche will sich mit einem Flüchtlings-Rettungsschiff in der Seenotrettung engagieren.
  • In diesem Zusammenhang hat der EKD-Vorsitzende Heinrich Bedford-Strohm eigenen Angaben zufolge Morddrohungen erhalten.
  • Außenminister Heiko Maas reagiert auf Twitter.

Augsburg - Wegen der Pläne der Evangelischen Kirche für ein eigenes Flüchtlings-Rettungsschiff hat der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm Morddrohungen erhalten. Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen sprach der 59-Jährige von „recht konkrete(n) Drohungen“ im Zusammenhang mit seinem Engagement für die Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Bei Twitter schrieb Außenminister Heiko Maas (SPD), es sei "einfach unerträglich, wenn Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit zu Morddrohungen führen".

"Wir müssen uns an die Seite aller stellen, die bedroht und verhetzt werden, weil sie sich für unsere Gesellschaft engagieren", forderte Maas. "Sie haben unsere Unterstützung verdient."

Morddrohungen wegen Flüchtlingshilfe: EKD-Vorsitzender setzt auf Verfolgung durch Polizei

Bedford-Strohm sagte weiter, er nehme die Morddrohungen gegen ihn zwar "nicht sehr ernst". Es sei aber dennoch wichtig, dass diese konsequent von der Polizei verfolgt würden. Dies gelte nicht nur für Drohungen gegen ihn persönlich, sondern etwa auch für WDR-Mitarbeiter, die wegen des von einem Kinderchor vorgetragenen satirischen Liedes "Meine Oma ist ne alte Umweltsau" Drohungen erhielten.

Der bayerische Landesbischof kritisierte in diesem Zusammenhang einen Mangel an Ethik im Internet. Auch für die modernen Technologien müssten "Normen und Regeln" gelten. "Soziale Netzwerke sind zum Schutzraum für Hetzer geworden, das kann nicht sein", sagte Bedford-Strohm. "Menschen, die dort hetzen, bekommen das Gefühl, dass ihre menschenfeindlichen Äußerungen salonfähig sind." Rassistische, antisemitische oder andere diskriminierende Äußerungen ließen sich nicht unter Berufung auf die Meinungsfreiheit rechtfertigen. "Hass ist keine Meinung", betonte der Bischof.

Opfer von Morddrohungen: Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm fordert Konsequenzen für Hetze.

Morddrohungen wegen Flüchtlingshilfe: Bedford-Strohm empfiehlt unabhängige Kontrollgremien

Bedford-Strohm schlug eine "Ethik für Programmierer" ähnlich derer für Ärzte vor. "Denkbar wären etwa pluralistisch zusammengesetzte, unabhängige Kontrollgremien für die sozialen Medien - analog den Rundfunkräten, die es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland gibt", fügte er hinzu.

Die Seenotrettungspläne der Evangelischen Kirche verteidigte Bedford-Strohm in der Zeitung. Mit "politischem Aktivismus" hätten die Pläne nichts zu tun. "Wir stehen für die Seenotrettung ein", betonte Bedford-Strohm. Dies gelte auch für andere Hilfsorganisationen: "Wenn das Handeln der Seenotretter kriminalisiert wird, haben sie uns auf ihrer Seite", sagte der EKD-Ratspräsident.

Dem von der Evangelischen Kirche gegründeten Aktionsbündnis United4Rescue haben sich inzwischen mehr als 150 Organisationen angeschlossen. Ende Januar will das Bündnis nach eigenen Angaben das Schiff "Poseidon" aus dem Besitz des Landes Schleswig-Holstein kaufen. Es soll zur Seenotrettung auf dem Mittelmeer eingesetzt werden.

Im Streit um die Flüchtlings-Verteilung innerhalb der EU könnte es Orban und anderen Staatschefs ans Geld gehen. Campino holt wegen der Berichterstattung zu den Themen Asyl und Zuwanderung zu einer Medien-Schelte aus.

Wegen der Asyl-Krise in Griechenland warb Grünen-Chef Robert Habeck um Solidarität in Deutschland und löste damit eine heiße Diskussion aus. Derweil warnt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die EU vor einem neuen Flüchtlingsandrang.

afp

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