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Ägyptens neuer Vizepräsident Omar Suleiman

Mubarak ernennt Vize- und Ministerpräsidenten

Kairo - Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat am Samstag eine neue Führungsmannschaft zusammengestellt.

Nachdem er die bisherige Regierung als Reaktion auf die schweren Unruhen entlassen hatte, ernannte Mubarak zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt vor rund 30 Jahren einen Vizepräsidenten: seinen engen Vertrauten und bisherigen Geheimdienstchef Omar Suleiman. Er war seit längerer Zeit als möglicher Nachfolger des 82-jährigen Staatschefs gehandelt worden. Der General, der in den beiden Nahostkriegen 1967 und 1973 gegen Israel gekämpft hat, war bisher Mubaraks Mann für heikle Aufträge. Zwischen Israel und den Palästinensern hat er schon mehrfach vermittelt. Auch in den USA ist er geschätzt.

Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, bei den Demonstrationen gegen das Regime von Mubarak am Abend sei die Ernennung Suleimans von Protestierern teilweise begrüßt worden.

Ahmad Schafik neuer ägyptischer Ministerpräsident

Ägyptens neuer Ministerpräsident Ahmad Schafik

Ahmad Schafik ist am Samstag zum neuen ägyptischen Ministerpräsidenten ernannt worden. Das berichtete das ägyptische Staatsfernsehen am Abend aus Kairo. Schafik, der von der Luftwaffe kommt, war früher schon einmal als möglicher Regierungschef im Gespräch gewesen.

In der Innenstadt von Kairo haben Polizisten am Samstag auf Demonstranten geschossen. Mindestens ein Mensch wurde getötet, mehrere Menschen erlitten Verletzungen. Tausende Demonstranten versuchten, das Innenministerium zu stürmen.

Wie viele Menschen bei den Protesten in Ägypten in den vergangenen zwei Tagen getötet wurden, ist unklar. Laut ägyptischen Sicherheitsbeamten sind mindestens 62 Todesopfer zu beklagen, nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabija mindestens 73, nach einer Zählung des arabischen Senders Al-Dschasira mehr als 100. Mindestens 2.000 weitere seien verletzt worden.

Blutige Massenproteste in Ägypten

Blutige Massenproteste in Ägypten

Wegen einer dramatischen Verschlechterung der Sicherheitslage haben verzweifelte Einwohner in vielen Vierteln von Kairo am Samstag Bürgerwehren gebildet. Junge Männer und Hausmeister bewaffneten sich am Abend mit Stöcken und Messern, um Angreifer abzuwehren, wie Augenzeugen berichteten. Gleichzeitig gingen beim staatlichen Fernsehen Hilferufe von Bewohnern einiger Viertel ein, die das Militär um Schutz baten. Die Verteidigung der Viertel ist allerdings schwer, weil die Plünderer meist in großen Gruppen von 30 bis 200 Mann auftauchen. Unterdessen rief die ägyptische Armee die Bürger auf, sich selbst zu schützen, wie arabische Nachrichtensender berichteten.

Das ägyptische Fernsehen dementierte unterdessen Berichte, wonach Gamal Mubarak, der Sohn des Präsidenten, nach London geflohen sein soll.

Plünderer zerstören zwei Mumien

Plünderer haben im weltberühmten Ägyptischen Museum in Kairo zwei Mumien zerstört. Das Museum, das neben anderen unwiederbringlichen Artefakten die goldene Maske des Königs Tutenchamun aus dem 14. vorchristlichen Jahrhundert beherbergt, wurde in der Nacht zum Samstag aber nicht nur von Vandalen bedroht, sondern auch vom Feuer in der benachbarten Zentrale der Regierungspartei NDP. Die Parteizentrale war im Lauf der Demonstrationen am Vortag in Brand gesteckt worden; das Feuer war auch am Samstag noch nicht endgültig gelöscht.

dapd/dpa

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