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Münchner Ärzte kämpfen ums Leben eines irakischen Buben

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- München - Nicht vom drohenden Krieg, sondern von der Geschichte eines Kindes aus dem Irak ist hier die Rede - einer Geschichte, an der viele unserer Leser beteiligt sind, weil sie für das Kind gespendet haben: Es geht um den dreijährigen Mohammed aus Bagdad. Seit gestern wird er in München im Schwabinger Kinderkrankenhaus untersucht. Röntgen, Blutuntersuchung, Kernspintomographie - die ganze Palette der modernen Medizin.

Der Bub aus dem Krisengebiet Irak hat Krebs. Eine dicke Geschwulst quillt an seinem Hals hervor. Das Weichteilsarkom bedroht sein Leben. Zweimal wurde er schon operiert, ohne Erfolg. Aber seine Mutter Yassamin glaubt an seine Heilung in München. Ein Wunder hat sich immerhin schon ereignet: das Wunder, dass das Kind, von dessen Schicksal unsere Zeitung vor zweieinhalb Wochen erfuhr, von Bagdad nach München reisen konnte. Dank der Leser, die sich für die Aktion "Der Merkur hilft Kindern" engagieren, und der unbürokratischen Hilfe im Auswärtigen Amt in Berlin. Denn ohne die Beamten der dortigen Visaabteilung hätte das Kind wochenlang auf der Einreise-Warteliste in der Botschaft von Amman in Jordanien gestanden und wäre vielleicht schon gestorben, bevor es München erreicht hätte. So aber hieß es in Berlin: "Wir werden dem kranken Kind helfen, so schnell es geht."

Und nun ist Mohammed mit seiner Mutter da. Nach einer abenteuerlichen 14-Stunden-Fahrt mit dem Jeep von Bagdad nach Amman. Dort in der Botschaft, die auch für den Irak zuständig ist, hatte man die Anweisung aus Berlin schon auf dem Tisch. Drei Stunden nur musste die Mutter noch warten, dann war alles perfekt. Verwandte setzten sie und das kranke Kind in ein Flugzeug nach Wien, und von dort ging es dann nach München. Am Flughafen wartete Mohammeds Onkel Ayad und seine vierjährige Cousine, die unbedingt hatte mitkommen wollen, um den Besuch aus Bagdad zu empfangen. Mit Tränen in den Augen umarmten sich Bruder und Schwester, die sich vor elf Jahren zum letzten Mal gesehen hatten. Mohammeds Onkel hatte damals aus dem Irak fliehen müssen. Jetzt lebt er mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern in München und arbeitet in einem Großmarkt.

Das Geld für die Behandlung seines Neffen, den er bisher nur aus den Briefen seiner Schwester kannte, hätte er nie aufbringen können. "Wir sind den Merkur-Lesern so dankbar", sagt Ayad, und seine Schwester, die vor ihrer Heirat eine Ausbildung als Dolmetscherin gemacht hatte, bittet uns auf Englisch, unsereren Lesern unbedingt zu sagen, wie glücklich sie ist "über diese wunderbare, selbstlose Hilfe von Menschen, die uns doch gar nicht kennen".

Als Mohammed den ersten weißen Kittel in der Tagesklinik sieht, fängt er bitterlich an zu weinen und lässt sich auch von der Mutter nicht trösten. Klinik und Ärzte - in seiner Erinnerung bedeutet das große Schmerzen und Angst.

Ob die Geschichte ein "Happy End" haben wird, wissen wir noch nicht. Denn jetzt muss das Team des Onkologen Professor Stefan Müller-Weihrich im Schwabinger Kinderkrankenhaus um Mohammeds Überleben kämpfen. Aber der Bub hat immerhin eine Chance - es ist seine einzige.

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