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Demonstranten am Wahlabend in Athen.

Merkur-Kommentar

Kommentar: Griechenland ist nicht zu retten, wenn es im Euro bleibt

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"Hellas ist nicht zu retten – jedenfalls nicht, solange es im Euro gefangen bleibt." Das meint Georg Anastasiadis, stellvertretender Chefredakteur des Münchner Merkur in seinem Kommentar zur Wahl in Griechenland.

Georg Anastasiadis, stellvertretender Chefredakteur des Münchner Merkur.

„Griechenland, mein liebes Griechenland“, soll der letzte Seufzer des sterbenden Wittelsbacher-Königs Otto gewesen sein. Kurz davor hatten die Hellenen ihn, der als Retter gekommen war, aus dem Land gejagt. Heute, 150 Jahre und etliche Staatspleiten später, wählt das notorisch rebellische Griechenland wieder das Abenteuer. Wer nichts mehr zu verlieren hat, den schrecken keine Drohungen mehr. Der konservative Premier Samaras hat das nicht verstanden. Den süßen Illusionen des Linkspopulisten Alexis Tsipras hatte er nur die Angst vor dem „Grexit“ entgegenzusetzen. Das und die fehlenden Erfolge im Kampf gegen korrupte Eliten waren den leidgeprüften Griechen nach 5 Jahren Krise zu wenig. Und Athens Schattenkönigin Angela Merkel? Der ergeht es mitsamt ihrem „Spardiktat“ wie einst König Otto.

Europa steht heute vor den Scherben seiner Rettungspolitik. Hellas ist nicht zu retten – jedenfalls nicht, solange es im Euro gefangen bleibt. Den Mut, diese Wahrheit auszusprechen, hat aber keiner: nicht Merkel, nicht Brüssel und auch nicht der großmäulige Sieger dieser „Schicksalswahl“ in Athen. Dieser darf, ganz im Gegenteil, sogar darauf hoffen, in einer Allianz mit EZB-Chef Draghi und EU-Präsident Juncker die Kanzlerin in Europa weiter zu isolieren. Draghis jüngste Ankündigung, die Märkte mit Geld zu fluten, haben Griechenlands Wähler als das verstanden, was es war: das augenzwinkernde Versprechen, niemand werde zurückgelassen. Nicht mal, wenn einer wie Tsipras unverschämte Forderungen stellt. Das nun beginnende zähe Feilschen um Kredit-Nachlässe wird daher eher nicht mit dem Ausscheiden Athens aus der Eurozone enden.

Doch selbst ohne „Grexit“ tritt die Eurokrise in eine neue Phase ein. Die durch sie entfesselten Fliehkräfte destabilisieren immer mehr die politischen Systeme der Nehmer- wie der Geberländer: Im Süden triumphiert eine radikale Linke im Kampf gegen eine „koloniale“ Austeritätspolitik; schon bald könnte es die spanische „Podemos“ der griechischen Syriza gleichtun. Und im Norden erstarkt eine Rechte, die die Etablierten mit dem Vorwurf des Ausverkaufs nationaler Interessen vor sich hertreibt.

Georg Anastasiadis

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