Münchner Polizei jagt spirituellen Serien-Kinderschänder

- München - Als Ulrich Schulz Wind davon bekam, dass ihm die Fahnder der Polizei schon dicht auf den Fersen waren, tauchte er sofort in die Anonymität ab. Frau und Kind ließ der Musiker mit dem Hang zur Spiritualität in Portugal zurück. Von da an verlor sich für die Münchner Ermittler die Fährte des 150-Kilo-Mannes, der sich mit Künstlernamen auch Oliver Shanti, Oliver Serano oder auch mal Oliver Serano-Alve nennt.

Fastein Jahr ist seit dem Verschwinden des 54-Jährigen vergangen,doch bis heute fehlt von dem mutmaßlichen Kinderschänder jedeSpur.

"Was man ihm vorwirft, ist massiv", sagt Peter Breitner, Leiterdes Münchner Dezernats für Sexualdelikte, das die Ermittlungenübernommen hat. Mindestens zwölf Kinder soll das Schwergewichtsexuell missbraucht haben. Die Ermittler gehen derzeit von mehrals 1000 Einzeltaten des sexuellen Missbrauchs aus. Eines derKinder soll Schulz in einer Wohnung in der Münchner Innenstadtgequält haben, die anderen auf einem Landgut in Portugal, in derNähe der Hauptstadt Lissabon.

Dieses gehört der spirituellen Gemeinschaft "Sattva", die sichvor allem über die Produktion von Entspannungsmusik finanziert.Die Polizei vermutet, dass Schulz Koordinator der 20- bis25-köpfigen Gruppe war, die von Fischbachau im Kreis Miesbach ausden Vertrieb ihrer Musik-Demos betreibt. Auch Schulz soll sichhier des öfteren aufgehalten haben.

"Die Misshandlungen müssen ziemlich brutal gewesen sein", sagtBreitner. Bereits in den 80er Jahren soll Schulz begonnen haben,Kinder zu quälen. Vermutlich wären die Taten im Schutz der Sekteauch nie aufgekommen, hätten nicht Eltern, die aus derGemeinschaft ausgestiegen waren, Schulz im vergangenen Jahr beider Polizei in München angezeigt. Die Ermittler gehen davon aus,dass die Sekte die sexuellen Misshandlungen bis dahin deckte.

Doch der Gemeinschaft den Rücken zu kehren, ist gefährlich. EinVater, der sich wegen des Missbrauchs an die Polizei gewandthatte, wurde auf einem Campingplatz in Portugal in die Mangelgenommen. Gruppenmitglied Horst B. prügelte den "Verräter" miteiner Taschenlampe nieder. Nach einer internationalen Fahndungwurde der Täter im Sommer vergangenen Jahres in München gefasst.Vor der Polizei aussagen konnte er nicht mehr: B. brachte sichkurz nach der Einlieferung in die JVA Stadelheim in seiner Zelleum.

Die Suche nach dem mutmaßlichen Kinderschänder gestaltet sichschwierig. "Schulz verhält sich sehr geschickt. Er ist wie vomErdboden verschwunden", weiß Chef-Ermittler Breitner. Gefahndetwird per internationalem Haftbefehl. Auch mit den Behörden inPortugal stehen die Münchner Ermittler in engem Kontakt."Vermutlich hält sich Schulz im Ausland auf", glaubt Breitner.Ausschließen, dass der 54-Jährige mit dem aufgedunsenen Gesichtnoch in Deutschland ist, kann er aber auch nicht.

Endlich zielführende Hinweise erhoffen sich die Ermittler aus derLandeshauptstadt nun vom Fernsehen. Die Sendung "Aktenzeichen xyungelöst" wird heute Abend im ZDF ab 20.15 Uhr einenFahndungsaufruf nach Schulz ausstrahlen.

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