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Gastgeber Horst Seehofer könnte die Amerikaner verschreckt haben. 

Nach Putin-Schmeichelei

Sicherheitskonferenz: Verschmähen US-Gäste Seehofers Dinner?

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München - Die Schmeicheleien für Putin könnten Horst Seehofer bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2016 schwer im Magen liegen: Möglicherweise verschmähen die US-Gäste sein Dinner.

Es gab bayerische Flugentenbrust, marinierten Sellerie und zum Dessert Seehofers süße Rache. Beim großen Sicherheitskonferenz-Dinner im Februar 2011 erhob sich der Ministerpräsident zu einer Ansprache an seine amerikanischen Freunde. „Mal schauen, was über den heutigen Abend bei Wikileaks geschrieben wird – und wo die Quelle liegt“, spottete er.

Es war die Zeit der enthüllten Depeschen – jener internen US-Vermerke, in denen der CSU-Chef als außenpolitisch „schwach“ und schlecht informiert geschmäht wurde. Dass Seehofer die peinliche Affäre nicht dezent verschwieg, sondern beim Dinner groß zum Thema machte, dürfte den amerikanischen Gästen nicht geschmeckt haben. Spätestens seither ist das Verhältnis zwischen Seehofer und den US-Delegationen belastet. Man muss sagen: Besser wird es auch nicht – im Gegenteil. Am Samstag lädt Seehofer wieder (wie jedes Jahr) zum großen Dinner in die Residenz ein. Und zur Münchner Sicherheitskonferenz 2016 muss er zum ersten Mal damit rechnen, dass nur wenige höherrangige US-Gäste überhaupt teilnehmen.

450 Besucher aus aller Welt sind willkommen im Kaisersaal der Residenz, Münchens nobelstem Saal. Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass die Veranstaltung diesmal auf geringeres Interesse der US-Delegation stößt, die sonst auch mal mit dem Vizepräsidenten teilnahm. Nach jüngstem Stand ist US-Außenminister John F. Kerry, der bereits in München weilt, leider terminlich verhindert. Auch Größen aus dem Senat hinterfragen, ob sie für den Abend mit dem Oberbayern wirklich Zeit finden. Zur Erinnerung: Bei früheren Sicherheitskonferenzen fand Kerry sogar mal die Zeit, abends unangemeldet in eine Münchner Kneipe zu gehen.

Lesen Sie hier alle wichtigen Informationen zur Sicherheitskonferenz 2016 in München.

Dinner bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2016: Darum könnten die Amerikaner fernbeiben 

Zwei Gründe gibt es: Parallel laufen weiter Neben-Verhandlungen zu Syrien und anderen Welt-Brandherden. Auch gibt es andere Dinner-Optionen, unter anderem lädt der mit den USA bestens verdrahtete Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz 2016, Begleitdelegationen in den Bayerischen Hof. Vor allem aber sorgt Seehofers jüngste Russland-Visite für Verwunderung auf der US-Seite. Seehofer traf dort Putin, orakelte über dessen „noble“ Politik und ein Ende der Sanktionen. Der CSU-Chef will am Samstagmittag zudem mit russischen Ministerpräsidenten Medwedew essen – insgesamt steht eine bayerisch-russische Achse im Mittelpunkt seiner Außenpolitik, nicht mehr das transatlantische Verhältnis.

Offiziell kommentiert das keiner der Beteiligten. „Wir gehen davon aus, dass alles ist wie immer“, sagt eine Sprecherin der Staatskanzlei. Die definitive Anmeldeliste liege noch nicht vor. Viele Gäste entscheiden erst kurz vorher, welches Dinner sie zur Münchner Sicherheitskonferenz 2016 besuchen.

Dass Seehofer allein vor dem Teller (Kalbskarree und Wurzelgemüse) sitzt, ist indes nicht zu befürchten. Bereits zugesagt haben die Staatspäsidenten aus Polen, Rumänien und Finnland. Auch kommt Frankreichs scheidender Außenminister Laurent Fabius – er erhält gemeinsam mit UN-Klimachefin Christiana Figueres den Ewald-Kleist-Preis der Siko.

Wer das Dinner schwänzt, könnte indes etwas verpassen. Seehofer ahnt inzwischen, so ist zu hören, dass auch mal ein kritisches Wort gegenüber Russland angebracht wäre.

Die Bilanz der Münchner Sicherheitskonferenz 2016

Ist in München ein neuer Kalter Krieg ausgebrochen? tz-Kolumnist James W. Davis (Professor für Internationale Beziehungen und geschäftsführender Direktor des Instituts für Politikwissenschaft an der Universität St. Gallen), zieht seine Bilanz der Sicherheitskonferenz 2016.

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