Proteste in Ägypten

Tausende Mursi-Anhänger auf der Straße

Kairo - Die Proteste auf den Straßen Kairos reißen nicht ab. Obwohl Anhänger und Gegner des gestürzten Präsidenten Mursi Kilometer voneiander entfernt demonstrieren, könnte es brenzlig werden.

Auch zweieinhalb Wochen nach dem Sturz des Präsidenten Mohammed Mursi reißen die Proteste in Ägypten nicht ab. Tausende von Mursis Anhängern demonstrierten am Freitag erneut für seine Wiedereinsetzung, und auch seine Gegner kündigten neue Aktionen an. Im Westen weckt das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte in den vergangenen Tagen offenbar zunehmend Sorge: Großbritannien stoppte seine Exporte von Waffen und Ausrüstung für Polizei und Militär in Ägypten.

Beobachter fürchten neue Gewalt

Das Militär hatte Mursi am 3. Juli des Amtes enthoben und eine Übergangsregierung installiert, die Wahlen vorbereiten soll. Mursis Muslimbruderschaft erkennt dies nicht an und organisiert seit Tagen Massenproteste. Bei Zusammenstößen wurden seit Mursis Sturz etwa 60 Menschen getötet. Beobachter befürchten neue Gewalt, da auch jugendliche Gegner Mursis weitere Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in Kairo angekündigt haben.

Mursis Anhänger zogen am Freitag einige Kilometer entfernt vom Tahrir-Platz vor eine Moschee im Osten Kairos. Dort harren Tausende in einem Sitzstreik aus. Zudem protestierten mindestens 400 Menschen in der Stadt Al-Arisch im Norden der Sinai-Halbinsel, wo es seit etwa zwei Jahren Angriffe militanter Islamisten auf Sicherheitskräfte gibt. Auch in Alexandria und anderen Städten des Nil-Deltas gingen Mursis Anhänger auf die Straße. Die Kundgebungen fielen auf den 10. Tag des muslimischen Fastenmonats Ramadan, an dem die Ägypter einer Militäraktion im Suez-Krieg von 1973 gedenken. Über Kairo flogen Kampfjets der Luftwaffe, um an den Tag zu erinnern.

Kampf gegen die, die das Land ins Chaos stürzen wollen

Der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur hatte am späten Donnerstagabend in seiner ersten Rede an die Nation einen entschlossenen Kampf gegen jene angekündigt, die nach der Absetzung von Mursi das Land in Chaos und Gewalt stürzen wollten. Ägypten mache eine „entscheidende Phase“ in seiner Geschichte durch. Seine Übergangsregierung sei Sicherheit und Stabilität verpflichtet. Sie werde keine Nachsicht gegen jene üben, „die Unschuldige töten“, sagte Mansur in der achtminütigen Ansprache.

In London erklärte Wirtschaftsminister Vince Cable, Großbritannien ziehe Konsequenzen aus dem jüngsten Vorgehen der ägyptischen Sicherheitskräfte gegen Menschenansammlungen. Die Regierung nahm fünf Lizenzen für den Export von Ausrüstung zurück, darunter gepanzerte Fahrzeuge und Maschinenpistolen sowie Kommunikationsausrüstung für Panzer, Antennen und Funkgeräte. Zwar habe die Regierung keine Informationen, dass britische Güter während der ägyptischen Unruhen eingesetzt wurden, sagte Cable. Doch habe man auf Rat des Außenministeriums hin die Rücknahme der Lizenzen beschlossen.

ap

Rubriklistenbild: © dpa

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