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Protest auf den Straßen in Kairo.  

Ägypten

Mursi-Anhänger rufen zu "Millionenmarsch" auf

Kairo - Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben zu neuen Großprotesten am Dienstag aufgerufen. Geplant sei ein "Millionenmarsch" in der Hauptstadt Kairo.

Trotz der harten Linie des Militärs lassen sich die Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi nicht einschüchtern: Für Dienstag riefen sie zu einem Protestmarsch mit "einer Million Demonstranten" in der Hauptstadt Kairo auf, obwohl das Militär am Montag mit Konsequenzen drohte. Derweil traf die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Kairo ein, um in Gesprächen mit Regierungs- und Oppositionsvertretern Kompromissspielräume auszuloten.

Bei den geplanten Großdemonstrationen wollen die Unterstützer des inhaftierten Mursi der islamistischen "Märtyrer" gedenken, die seit dem Umsturz am 3. Juli ihr Leben gelassen hätten. "Holt euch eure Freiheit, eure Würde zurück!", hieß es im Protestaufruf der Organisatoren. Schon am Montagabend sollte es demnach Kundgebungen vor Gebäuden der Sicherheitskräfte geben, weshalb Beobachter ein neuerliches Blutvergießen fürchteten.

Ägyptens Nationaler Verteidigungsrat hatte den Anhängern Mursis schon am Sonntag mit "entschiedenen und harten Maßnahmen" gedroht, falls die Demonstranten ihr "Recht auf friedliche und verantwortungsvolle Meinungsäußerung überschreiten" sollten. Dem Gremium sitzt Übergangspräsident Adli Mansur vor, auch Armeechef Abdel Fattah al-Sisi gehört ihm an. In den frühen Morgenstunden am Montag warfen Armee-Hubschrauber über Kairo Flugblätter mit einer klaren Botschaft an die Islamisten ab: "Nähert euch weder Militäreinrichtungen noch Soldaten. Helft uns, eure Sicherheit zu gewährleisten."

Ashton traf am Montagmorgen zunächst den ägyptischen Außenminister Nabil Fahmi, um die Übergangsregierung zu einem demokratischen Übergang aufzurufen, "der alle einbezieht - auch die Muslimbruderschaft". Weitere Gespräche mit Mansur, dessen Stellvertreter Mohammed ElBaradei sowie Vertretern der Muslimbrüder waren geplant. Fahmi betonte nach dem Treffen, wie wichtig ihm "Versöhnung und die Einbeziehung aller politischen Kräfte" in Ägypten seien. Einige Kritiker sprechen den staatlichen Sicherheitskräften aber eben jenen Willen zur Versöhnung ab.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch konstatierte "eine schockierende Bereitschaft aufseiten der Polizei und mancher Politiker, die Gewalt gegen Mursis Anhänger zu verschärfen". Nahe des zentralen Protestlagers der islamistischen Muslimbrüder in Kairos Stadtteil Nasr City hatten sich in der Nacht zum Samstag die blutigsten Zusammenstöße seit Mursis Entmachtung ereignet, bei denen nach Regierungsangaben 72 Menschen getötet wurden. Die Demonstranten warfen der Polizei vor, bei den Protesten mit scharfer Munition geschossen zu haben.

Der Chef der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Daniel Cohn-Bendit, reagierte entsetzt auf die Eskalation. "Ich hätte die Armee nicht für so dumm gehalten, Demonstranten zu attackieren und einen neuen Konflikt zu provozieren", sagte er dem Nachrichtenportal "Spiegel Online". "Das Maß der Eskalation ist erschreckend." Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok (CDU), sprach an gleicher Stelle von einer "Entscheidungsschlacht zwischen zwei Staatsvorstellungen, die nicht zusammenpassen". Der jüngste Gewaltausbruch sei "eine Katastrophe für die ganze Region" und lasse einen Bürgerkrieg befürchten.

AFP

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