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36 000 Keramikstäbe in 23 Farben lassen die Wand des Museums Brandhorst im Münchner Kunstareal spektakulär leuchten. Schön – aber drinnen gibt es Baupannen.

Rechnungshof vs. Staatsregierung

Museum Brandhorst: Ärger mit der "Schatztruhe"

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München - Der Rechnungshof legt sich wieder mit der Staatsregierung an. Der Jahresbericht rügt mehrere bayerische Prestigeprojekte – allen voran das Museum Brandhorst. Hier gab es vermeidbare Millionen-Fehler.

 Der Ministerpräsident gab sich verzückt. Ein „Juwel moderner Architektur und Glücksfall“ sei das neue Museum Brandhorst, las Horst Seehofer staatstragend ab, „die Schatztruhe Bayern ist reicher geworden“. Mit einem Staatsakt eröffnete er im Mai 2009 den Bau. Nun, ein halbes Jahrzehnt später, rumpelt es leider ein bisschen in der Schatztruhe. Der Oberste Rechnungshof (ORH) hat das Projekt geprüft und macht dem Staat schwere Vorwürfe.

Offenbar wurden durch Fehlplanungen und schlechte Aufsicht mehrere Millionen Euro verschwendet. Das geht nach Informationen unserer Zeitung aus dem Jahresbericht des ORH hervor, der heute vorgelegt wird. Vor allem bei Licht und Kühlung wurde geschlampt. Für 5,3 Millionen Euro entstand eine, so finden die Prüfer, nutzlose „Tageslicht-Steuerung“: Die Exponate sollten möglichst in echtem Licht glänzen. Funktioniert nicht, funktioniert auch in sonst keinem großen Münchner Museum, notiert der ORH, das sei auch aus konservatorischen Gründen oft nicht ratsam. Auf so etwas solle man besser verzichten.

Peinlich ist auch die in den Wänden und Böden (übrigens aus dänischer Eiche) eingebaute Kühlung. Von 41 Kreisläufen seien zur Eröffnung nur drei funktionsfähig gewesen. Bis heute laufen mehrere nicht und wurden sogar endgültig stillgelegt. Die Energiekosten, beim Staatsakt noch als sensationell niedrig gerühmt, seien in Wahrheit höher als üblich – vor allem, wenn Heizung und Kühlung gegeneinander arbeiten.

800 Mängel soll es gegeben haben im 46 Millionen Euro teuren Bau, der unter anderem Werke von Pop-Art-Genie Andy Warhol beherbergt. „Mit besserer Planung und besserer Bauüberwachung hätten viele beseitigt werden können“, urteilt der Rechnungshof mitleidslos. Das Ministerium äußert sich dazu lieber nicht, verweist nur darauf, dass „Fachwissenschaftler mit Blick auf die zeitgenössische Kunst aus ästhetischen Gesichtspunkten eine Beleuchtung durch Tageslicht“ favorisierten. Für den Rest sei die staatliche Bauverwaltung zuständig, die untersteht dem Innenministerium.

Die Urteile der unabhängigen, aber Beamten-peniblen Prüfer sind in der Landespolitik gefürchtet. Einmal im Jahr wird ein großer Schwung im Jahresbericht veröffentlicht. Das sorgt stets zu Unstimmigkeiten: Die Staatsregierung, die sich mit Verweis auf die bundesweit einzigartige Schuldentilgung eher ein Lob erhofft, fühlt sich übermäßig angeprangert. CSU-Politiker schäumten in den Vorjahren, die Kritik sei „maßlos“, unangebacht – und überhaupt solle man den Rechnungshof endlich nach Wunsiedel verlagern. Das mit Wunsiedel kam nie, auch äußerte sich Seehofer versöhnlich gegenüber ORH-Präsident Heinz Fischer-Heidlberger. Nadelstiche sind die Prüfungsmitteilungen des ORH dennoch.

Der heutige Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) hat dabei Glück: Das bekanntwerden der Baupannen fällt zwar in die Zeit der gereizten Konzertsaal-Debatte – der Brandhorst-Bau erfolgte aber in der Zeit seiner Vorgänger von FDP und CSU. Spaenle muss allerdings kritische Nachfragen zum Deutschen Herzzentrum über sich ergehen lassen, das zu seinem Ressort zählt, ebenso zur angeblich ineffizienten Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung.

Finanzminister Markus Söder muss sich derweil wegen der Schlösser- und Seenverwaltung rechtfertigen. Ihr wirft der ORH vor, nicht klug genug zu rechnen und Liegenschaften ungenügend aufzuzeichnen. Das Ministerium kontert, ein Schloss sei halt kein Wirtschaftsbetrieb; ohne die hohen Bauausgaben arbeite man fast kostendeckend, nehme aber die Verwaltung an die kürzere Leine.

Insgesamt werfen die Prüfer der Staatsregierung vor, zu wenig Schulden zu tilgen. Es müsse mehr als wie bisher jährlich 500 Millionen Euro dafür verwendet werden.

Zwei Sonderprüfungen mit potenzieller Sprengwirkung laufen noch außerhalb des Jahresberichts. Bayerns Tourismus-Management wurde 2013/14 geprüft. Nach der Pleite des Tourismusverbands Oberbayern war auch beim Dachverband einiges zu vermuten, Insider informierten die Prüfer anonym über Details. Es blieb aber, so ist zu hören, bei kleinen Rügen über nicht abgerufene Finanzmittel von 210 000 Euro. Zudem läuft noch die Prüfung der gescheiterten oberbayerischen Olympia-Bewerbung 2018.

Christian Deutschländer

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