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Auf dem Weg zum Gericht klagte Pervez Musharraf plötzlich über Herzbeschwerden.

Prozessauftakt verzögert

Herzprobleme verzögern Prozess gegen Musharraf

Islamabad - Der frühere pakistanische Machthaber Pervez Musharraf ist in ein Krankenhaus eingeliefert worden: Auf dem Weg zum Gericht klagte der wegen Hochverrats Angeklagte über Herzprobleme.

Der 70-Jährige habe am Donnerstag auf dem Weg zum Gericht, wo er wegen Hochverrats angeklagt ist, plötzlich ein "Herzproblem" gehabt und sei in eine Militärklinik gebracht worden, sagte ein Polizeivertreter vor Gericht in Islamabad. Aus Musharrafs Umgebung hieß es, es gebe Bemühungen, ihn außer Landes zu bringen.

Seit langem kursieren Gerüchte über eine Abmachung, Musharraf ausreisen zu lassen, um einen weiteren Kampf zwischen Regierung und Armee zu vermeiden. Der Ex-Präsident ist der erste frühere Militärchef, der vor Gericht angeklagt ist. Öffentlich hat sich die Armee bislang nicht dazu geäußert. Beobachtern zufolge wird ein Zivilprozess jedoch als demütigend empfunden.

Musharraf sollte vor Gericht erscheinen, nachdem er wegen Sicherheitsbedenken bereits zweimal nicht gekommen war. Am Donnerstag wurde er im Kardiologischen Institut der Armee in Rawalpindi untersucht, einer Garnisonsstadt bei Islamabad.

Untersuchung durch Militärärzte

Ein Vertrauter Musharrafs sagte der Nachrichtenagentur AFP, der 70-Jährige sei "in schlechter Verfassung". Sein Sprecher Raza Bokhari erklärte in einer E-Mail, Musharraf sei bei Bewusstsein, sein Zeit- und Raumgefühl funktioniere. Derzeit werde er von Militärärzten untersucht.

Die Anhörung wurde zunächst auf Montag verschoben. Musharrafs Verteidigung kündigte an, zunächst die ärztlichen Untersuchungen abwarten zu wollen, um über eine Teilnahme an der Sitzung zu entscheiden. Die Anwälte beschwerten sich zudem über anhaltende Drohungen. Anwar Mansoor Khan gab an, er habe in der Nacht nicht schlafen können, weil stundenlang "jemand an meine Tür hämmerte und klingelte". Auf die Frage nach den Tätern sagte er: "diese Regierung". Auch sein Kollege Sharifuddin Pirzada sagte, er werde bedroht.

Musharraf muss sich vor dem Sondergericht verantworten, weil er als Präsident vor sechs Jahren den Ausnahmezustand verhängt hatte. Im Fall einer Verurteilung wegen Hochverrats drohen ihm lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe. Seine Anwälte sprechen von einem politisch motivierten Prozess.

Hintergrund: Einstiger Machthaber in Pakistan

Musharraf hatte im Oktober 1999 den damaligen Premierminister Nawaz Sharif mit einem unblutigen Militärputsch abgesetzt und selbst die Macht übernommen. Mit den Jahren mehrten sich jedoch die Konflikte mit Justiz und Opposition. Um der Krise Herr zu werden, setzte er im November 2007 die Verfassung außer Kraft, löste das Parlament auf und entließ die obersten Richter. Letztlich lösten diese Schritte aber eine Protestwelle aus, die ihn im August 2008 zum Rücktritt zwang.

Nach seiner Absetzung ging Musharraf mehrere Jahre ins Exil, kehrte im März aber zurück, um bei der Parlamentswahl im Mai anzutreten. Ihm wurde jedoch eine Kandidatur untersagt. Die Wahl gewann letztlich sein langjähriger Widersacher Sharif. Gegen Musharraf sind mehrere Gerichtsverfahren anhängig, unter anderem wird gegen ihn wegen der Ermordung der früheren Premierministerin Benazir Bhutto ermittelt.

afp

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