Min Aung Hlaing, Oberbefehlshaber der Streitkräfte von Myanmar, leitet eine Armeeparade am Tag der Streitkräfte.
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Min Aung Hlaing verteidigt den Militärputsch in Myanmar.

Nach dem Putsch

Myanmars Junta lässt auf Kinder schießen - Joe Biden kündigt Reaktion an: „Abscheulich“

  • vonDana Popp
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Die Gewalt in Myanmar hat ein neues Ausmaß erreicht. Bei Protesten am Samstag wurden auch Kinder getötet. US-Präsident Joe Biden kündigt Sanktionen an.

Update vom 29. März, 17.00 Uhr: Auch Regierungssprecher Steffen Seibert hat sich zu der Situation in Myanmar geäußert. Er nannte es am Montag erschütternd, dass es fast täglich Todesopfer gebe, darunter auch Kinder. Die Bundesregierung fordert von den Militärmachthabern einen sofortigen Verzicht auf Gewaltanwendung, die Freilassung von Gefangenen und eine Rückkehr zur Arbeit demokratischer Institutionen. 

Die USA reagieren mit Sanktionen. Das Büro der Handelsbeauftragten Katherine Tai teilte am Montag mit, die USA setzten ein 2013 mit Myanmar geschlossenes Rahmenabkommen über Handel und Investitionen ab sofort und so lange aus, bis es in dem Land wieder eine demokratisch gewählte Regierung gebe.

Wie am Montag aus Kreisen des UN-Sicherheitsrats verlautete, hat Großbritannien für Mittwoch eine Sitzung des Gremiums hinter verschlossenen Türen angefragt. Nach einem früheren Treffen hatte der Rat die Gewalt in dem asiatischen Land bereits verurteilt - Einfluss auf das brutale Vorgehen des Militärs schien das aber nicht zu haben.

Etliche Politiker:innen wie etwa Grünen-Chefin Annalena Baerbock, der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter oder der außenpolitische Spreche der FDP-Bundestagsfraktion Bijan Djir-Sarai forderten, dass auch Deutschland aktiv wird.

Die Vereinten Nationen bezeichneten den Samstag als den „blutigsten Tag“ seit dem Militärputsch vom 1. Februar.

Myanmar-Situation eskaliert - Kinder und Jugendliche unter den Toten

Erstmeldung vom 29. März:

Naypyidaw - Knapp acht Wochen nach dem Putsch in Myanmar* hat die Gewalt ein neues Ausmaß angenommen. Bei landesweiten Protesten sind am Samstag mehr als 114 Menschen in verschiedenen Städten und Regionen getötet worden, wie das Nachrichtenportal Myanmar Now unter Berufung auf Zahlen aus 44 Städten berichtete. Auch The Irrawaddy schrieb von mehr als 100 Toten. Unter den Opfern seien auch mehrere Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 15 Jahren. Am Samstag hatten Aktivist:innen anlässlich des „Tages der Streitkräfte“ zu neuen Massendemonstrationen gegen das Militärregime aufgerufen.  

Mit einer Parade erinnert Myanmars Armee jedes Jahr am 27. März an den Beginn des Aufstands gegen die japanischen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs. Medienberichten zufolge schickten acht Länder zu diesem Anlass Repräsentanten in die Hauptstadt Naypyidaw, darunter Russland, China, Indien und Thailand. In einer Fernsehansprache verteidigte Juntachef Min Aung Hlaing den Putsch mit der Begründung, die Demokratie schützen zu wollen. Auch solle es in absehbarer Zukunft Wahlen geben. Einen Zeitpunkt nannte er jedoch nicht. Zuvor hatte das Militärregime der Bevölkerung aufs Neue damit gedroht, dass Demonstranten in Kopf und Rücken geschossen werden könne, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Joe Biden nennt Militärgewalt in Myanmar „schrecklich“ und „abscheulich“

Der US-Präsident Joe Biden* hat die Militärgewalt in Myanmar* scharf verurteilt. „Es ist schrecklich. Es ist absolut abscheulich“, sagte Biden am Sonntag (Ortszeit) bei der Abreise aus seinem Heimat-Bundesstaat Delaware. Biden hatte dort das Wochenende verbracht und machte sich am Sonntag auf den Rückweg in die US-Hauptstadt Washington. Auf die Frage nach möglichen Sanktionen und einer Reaktion der US-Regierung auf die Gewalt in Myanmar sagte Biden demnach nur knapp: „Wir arbeiten gerade daran.“ Auch US-Außenminister Antony Blinken hatte sich schockiert gezeigt und gesagt, die US-Regierung sei „entsetzt über das Blutvergießen“, das von Sicherheitskräften in Myanmar verübt werde, berichtet die dpa.

Sanktionen gegen Myanmar: „Die Gewalt ist völlig inakzeptabel und muss sofort aufhören“

In einer UN-Erklärung heißt es: „Die Gewalt ist völlig inakzeptabel und muss sofort aufhören.“ Zudem müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Eine ähnliche Kritik wurde von der EU geäußert: „Die Tötung unbewaffneter Zivilisten, einschließlich Kinder, sei nicht zu rechtfertigen. Die Gewalt müsse sofort beendet und die Demokratie wiederhergestellt werden.“ Die EU, die USA sowie Großbritannien haben bereits neue Sanktionen gegen Verantwortliche in Myanmar verhängt.

Menschenrechtler äußerten sich entsetzt. „Dies ist ein Tag des Leidens und der Trauer für das Volk, das für die Arroganz und Gier der Militärs wiederholt mit dem Leben bezahlen muss“, kritisierte der Vize-Asienchef von „Human Rights Watch“, Phil Robertson. Für die Tragödie der modernen Geschichte Myanmars sei die Herrschaft aufeinanderfolgender Militärmachthaber verantwortlich. Diese hätten die Menschenrechte verletzt, die Wirtschaft geplündert und das Land in einem ewigen Bürgerkrieg gespalten. Die „Vereinigung zur Unterstützung politischer Gefangener“ (AAPP) hatte, vor den erneuten Protesten bis einschließlich Freitagabend, bereits 328 Tote bei Demonstrationen seit dem Militärputsch vom 1. Februar gemeldet. Mehr als 3.000 Menschen wurden demnach verhaftet. (dp/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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