Myanmar: Mann rennt über Straße, im Hintergrund brennt eine Barrikade
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Myanmarische Sicherheitskräfte schlagen die Proteste gewaltsam nieder

Erschreckende Berichte

Kriegsrecht in Myanmar: Blutigster Tag seit dem Putsch - Militärgewalt eskaliert

  • Josef Forster
    vonJosef Forster
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Die Sicherheitskräfte in Myanmar gehen brutal gegen Demonstranten vor. Diese fordern die Wiedereinsetzung Aung San Suu Kyis. Die gewählte Regierungschefin sitzt im Hausarrest.

Yangon - Seit Anfang Februar gehen in Myanmar immer wieder tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Militärregierung zu demonstrieren. Die Junta hatte sich am 1. Februar an die Macht geputscht, die gewählte Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi mit Hausarrest belegt und ein Gerichtsverfahren gegen sie eröffnet. Die Protestierenden fordern die Rückkehr zu demokratischen Reformen und die Wiedereinsetzung der Regierung Suu Kyis, doch das Militär schlägt die Proteste brutal nieder.

Das vergangene Wochenende markiert einen traurigen Tiefpunkt der Gewaltexzesse: Nach Angaben der UN kamen bei den Protesten am vergangenen Samstag 18 und am Sonntag 38 Demonstranten ums Leben.

Myanmar: Militär putschte sich an die Macht, UN verurteilt Vorgehen der Sicherheitskräfte

Trotz des brutalen Durchgreifens der Militär-Regierung protestieren die Menschen weiter. Um die Demonstrationen einzuschränken, verhängte das Militär das Kriegsrecht in Teilen der Millionenstadt Yangon. Protestierende können so vor ein Militärgericht gestellt werden, das jahrelange Haftstrafen oder sogar die Todesstrafe verhängen kann.

Vorausgegangen waren Brandanschläge auf mehrere chinesische Textilfabriken in Yangon. Zahlreiche chinesische Arbeiter seien dabei am Sonntag verletzt worden, teilte die chinesische Botschaft auf Facebook mit. „Das Militär hat Angst vor der chinesischen Regierung, deshalb will es Eigentum Chinas beschützen, nicht aber die Leben von uns Zivilisten“, sagte Nay Min Khant, ein Bürger aus Yangon, der Deutschen Presse-Agentur.

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte am vergangenen Wochenende scharf. Zudem appellierte er an die internationale Gemeinschaft, die Menschen in Myanmar und ihr Streben nach Demokratie zu unterstützen. Die UN-Sondergesandte Christine Schraner Burgener schildert erschütternde Szenen, die sich in Myanmar abspielten. Sie habe persönlich von Kontakten in Myanmar „herzzerreißende Berichte über Morde, Misshandlungen von Demonstranten und Folterungen von Gefangenen“ gehört, hieß es in einer Mitteilung.

Aung San Suu Kyi sitzt im Hausarrest - Demonstranten fordern ihre Freilassung

Vor sechs Wochen putschte das Militär gegen die Regierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Seitdem sitzt die 75-Jährige im Hausarrest. Ihr werden mehrere Vergehen zur Last gelegt, darunter vor allem Anstiftung zum Aufruhr sowie Verstöße gegen die Außenhandelsgesetze und das Katastrophenschutzgesetz des Landes. Bei den ersten beiden Justizterminen durfte sie sich nicht von einem Anwalt vertreten lassen.

Ein für Montag geplanter Gerichtstermin musste verschoben werden, da das Militär das Internet abschaltete. Die Verhandlung muss auf den 24. März verschoben werden, wie die dpa das Portal Eleven Myanmar zitiert. Suu Kyi wird bei ihren Anhörungen jeweils per Video dem Gericht zugeschaltet. Die Demonstranten fordern die sofortige Freilassung der Politikerin. (jjf/dpa)

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