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Alice Weidel ist AfD-Spitzenkandidatin. Sie streitet ab, die Verfasserin der viel diskutierten, rechtsradikalen E-Mail vom Februar 2013 zu sein. 

Stammt rechtsradikale E-Mail von ihr?

Dieses Interview heute könnte das nächste sein, vor dem Weidel flüchtet

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Hat Alice Weidel 2013 die jetzt veröffentlichte rassistische E-Mail geschrieben? Das streitet die AfD ab. Genau deshalb liegt die Vermutung nahe, dass Weidel folgendes Interview heute absagt – oder mittendrin abbricht. 

Update vom 11. September 2017: In der Debatte um die angebliche E-Mail aus dem Jahr 2013 meldet sich nun auch die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin und CDU-Politikerin Vera Lengsfeld zu Wort. Sie behauptet, dass AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel mit Stasi-Methoden diskreditiert werden soll.  

München - Seit Samstagabend wird über eine brisante E-Mail gesprochen, die der Welt am Sonntag nach eigenen Angaben vorliegt. Es seien rechtsradikale, die Demokratie verachtende Thesen, die Alice Weidel, heutige AfD-Spitzenkandidatin, am 24. Februar 2013 einem früheren Vertrauten in Frankfurt am Main geschickt haben soll. Dieser habe die E-Mail nie aus seinem Postfach gelöscht. Der Redaktion sollen eine eidesstattliche Versicherung des E-Mail-Empfängers und Aussagen vorliegen, aus denen hervorgehe, dass Weidel den Text geschrieben habe. Die AfD bestreitet jedoch in Weidels Namen, dass sie die Autorin ist. AfD-Sprecher Christian Lüth sagte der Deutschen Presseagentur, Weidel habe ihm versichert, dass diese Mail nicht von ihr stamme. Er bezeichnet das Schreiben als „eine Fälschung“. 

Weidel habe der Zeitung zufolge versucht, die Berichterstattung zu verhindern, habe bestritten, die Verfasserin zu sein und Anwälte eingeschaltet. Diese hätten mitgeteilt, es sei falsch und rechtswidrig, „öffentlich zu behaupten, unsere Mandantin habe diesen Text geschrieben, oder auch nur diesen Verdacht zu äußern“.

Genau deshalb liegt die Vermutung nahe, dass Weidel heute (Sonntag, 10. September) das nächste Interview abbrechen - oder dieses absagen könnte: Für heute steht ein Live-Chat mit derselben Redaktion an, die am Vorabend die brisante E-Mail veröffentlicht hat. Weidel hatte der Welt am Sonntag schon vor der Veröffentlichung der E-Mail den Interviewtermin zugesagt, bei dem die Moderatorin Weidel Fragen der Welt-Leser stellt (das Live-Interview soll um 19 Uhr auf Facebook starten).  Am Samstagabend hatte FDP-Chef Christian Lindner sich den Fragen der Leser gestellt. 

Weidel hatte jüngst bereits die ZDF-Sendung „Wie geht‘s, Deutschland?“ einfach verlassen, weil sie nicht auf die Fragen und Kommentare der anderen Politiker im Studio reagieren wollte. Außerdem verließ sie ein Interview, das sie der „Oberhessischen Presse“ gab – weil ihr die Fragen nicht passten.

Zeitung zitiert aus rechtsradikaler E-Mail, die Alice Weidel 2013 geschrieben haben soll

Die Welt am Sonntag zitiert aus der E-Mail (in Originalschreibweise): „Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden.“ Außerdem verunglimpfe Weidel die Bundesregierung: „Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen.“ Araber, Sinti und Roma soll Weidel als „kulturfremde Völker“ bezeichnet haben, von denen „wir“ "überschwemmt" würden. 

Der Empfänger der Mail begründete gegenüber der Zeitung Weidels Urheberschaft damit, dass sich die Betreffzeile der Mail auf ein Gespräch mit ihm beziehe. Außerdem habe Weidel ihren Spitznamen „Lille“ geschrieben. Auch nach dpa-Informationen war „Lille“ früher ein Spitzname Weidels.

Zu der Zeit, aus der die Mail angeblich stammt, soll Weidel laut der Welt am Sonntag noch nicht Parteimitglied gewesen sein. Sie habe damals aber begonnen, sich im AfD-Vorläufer „Wahlalternative 2013“ zu engagieren, schreibt die Zeitung. 

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat den Bericht der „Welt am Sonntag“ über eine angeblich von Alice Weidel 2013 geschriebene E-Mail mit rechtsradikalen und Demokratie verachtenden Thesen empört zurückgewiesen. „Diese E-Mail ist nicht ihre Sprache, passt gar nicht zu ihr“, sagte Gauland der „Bild“-Zeitung. „Es ist der üble Versuch, die AfD um jeden Preis aus dem Bundestag zu halten.“ Gauland unterstellte „eine erbärmliche Kampagne, an der sich auch die Medien beteiligen“.

So reagieren Politiker anderer Parteien auf die E-Mail-Veröffentlichung

Linksparteichef Bernd Riexinger hat getwittert: „Wir müssen verhindern, dass diese Nazis und Rassisten in den nächsten Bundestag einziehen. Diese Mail ist eine Offenbarung.“ Und Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer fragte, ebenfalls auf Twitter: „Biederfrau als Brandstifter? Wie rassistisch und völkisch denken @Alice_Weidel und Teile der AfD wirklich?“ 

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer kritisierte Weidel scharf. „Hinter der pseudo-bürgerlichen Fassade von Frau Weidel verbirgt sich die erschreckende Ideologie einer Reichsbürgerin“, sagte Scheuer der „Welt“. „Die AfD von Gauland, Höcke, Meuthen und Weidel ist in Wahrheit eine Lügenpartei, die die deutsche Staatsordnung ablehnt und bekämpft.“

Zur Information: Die E-Mail können Sie in der aktuellen Ausgabe der „Welt am Sonntag“ (10. September) oder online nachlesen – allerdings benötigen Sie ein „Weltplus“-Konto. 

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sah

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