+
Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa

Aktivistinnen wieder vereint

Nach Freilassung: Pussy Riot kämpfen weiter

Krasnojarsk - Nach monatelanger Haft in tausende Kilometer voneinander entfernten Straflagern haben sich die beiden freigelassenen Pussy-Riot-Aktivistinnen in Ostsibirien wiedergetroffen.

Die 25-jährige Maria Alechina wurde am Dienstag von ihrer ein Jahr jüngeren Mitstreiterin Nadeschda Tolokonnikowa in Krasnojarsk empfangen, wie Fernsehbilder zeigten. Auf Twitter veröffentlichten Fotos war zu entnehmen, dass auch der im November freigelassene Fotograf Denis Siniakow dabei war, der nach einer Protestaktion mit dem Greenpeace-Schiff "Artic Sunrise" in der Barentssee vorübergehend inhaftiert worden war.

Alechina saß bis Montag in einer Haftanstalt in Nischni Nowgorod rund 450 Kilometer östlich von Moskau ein, Tolokonnikowa fristete in einem Straflager im 4400 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Krasnojarsk ihr Dasein. Beide Punk-Musikerinnen nutzen ihre Freilassung infolge einer Amnestie-Regelung zur Kampfansage an Russlands Präsident Wladimir Putin und den "totalitären" Strafvollzug. Tolokonnikowa kritisierte, das ganze Land sei ein "einziges Straflager". Alechina warf dem Kreml-Chef einen "PR-Trick" vor den Olympischen Winterspielen 2014 vor.

Beide waren im Februar 2012 nach einem Putin-kritischen "Punkgebet" in einer Moskauer Kirche wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Ihre Mitstreiterin Jekaterina Samuzewitsch kam später auf Bewährung frei. Die Urteile hatten eine weltweite Protestwelle losgetreten. Drei Tage vor der Freilassung der beiden Pussy-Riot-Aktivistinnen war schon der Kreml-Kritiker und frühere Ölmagnat Michail Chodorkowski nach mehr als zehnjähriger Lagerhaft wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Alechina und Tolokonnikowa wollen sich künftig für die Rechte von Häftlingen einsetzen. Dabei würden sie "viel mit Medien zusammenarbeiten" und "unsere bunten und frechen Methoden einsetzen, die schon erprobt sind", sagte Alechina der Zeitung "Die Welt" (Dienstagsausgabe). Verständnis äußerte Alechina für Chodorkowskis Gnadengesuch an Putin: "Ich habe nur zwei Jahre Haft bekommen, deshalb habe ich kein Gnadengesuch geschrieben, aber ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn mir die Perspektive einer langen, vielleicht lebenslangen Haft gedroht hätte. Ihm drohte sie."

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hariri will Libanon-Krise beruhigen
Ob es wirklich bei seinem Rücktritt bleibt, lässt der libanesische Ministerpräsident Hariri in Paris offen. Die Rückkehr in seine Heimat könnte die Krise beruhigen. …
Hariri will Libanon-Krise beruhigen
Machtkampf in der CSU eskaliert
Mitten in der Schlussphase der Jamaika-Sondierungen erreicht der Machtkampf um Horst Seehofers Erbe in Bayern einen neuen Höhepunkt. Die Spaltung der Partei wird von Tag …
Machtkampf in der CSU eskaliert
Falls Jamaika heute scheitert: Was passiert dann?
Was passiert, wenn die Jamaika-Verhandlungen heute scheitern? Was passiert dann? Gibt es Neuwahlen? Alle Infos finden Sie hier.
Falls Jamaika heute scheitert: Was passiert dann?
Mehr Fälle von sexuellen Übergriffen bei Bundeswehr gemeldet
Gibt es immer mehr sexuelle Belästigung in der Bundeswehr, oder werden solche Fälle nur öfter angezeigt als früher? Das Bundesverteidigungsministerium geht von Letzterem …
Mehr Fälle von sexuellen Übergriffen bei Bundeswehr gemeldet

Kommentare