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Im Bild: Eine ungarische Kamerafrau stellt Osama Mohsen ein Bein. 

Spanische Behörden machen Probleme

Nach Fußtritt in Ungarn: So geht es Flüchtling Osama heute

Madrid - Der Syrer Osama Mohsen gelangte auf der Flucht durch den Fußtritt einer ungarischen Kamerafrau zu trauriger Berühmtheit. Doch die Aktion half ihm nach Spanien zu kommen. Ein Happy End ist das aber noch lange nicht.

Osama Abdul Mohsen steht auf einem Kunstrasenplatz in Madrid. Er dirigiert, gibt den Spielern Anweisungen. Zu sehen ist das in einem Beitrag des ARD-Europamagazins. Das hatte Mohsen in der spanischen Metropole aufgesucht.

Wie viele Millionen andere flüchtete der Syrer im vergangenen September über die Balkan-Route nach Europa. In Ungarn ging alles drunter und drüber als hunderte wartende Flüchtlinge eine Polizeiabsperrung durchbrachen und los liefen. Mohsen rannte ebenso, hatte seinen Sohn auf dem Arm und wurde von einer ungarischen Kamerafrau des Senders N1TV zu Fall gebracht. Das Video ging um die Welt. Mohsen wurde so für kurze Zeit berühmt.

In Syrien war der Familienvater Fußballtrainer. Bis ihn der Krieg aus seiner Heimat vertrieb und er mit seiner Familie die gefährliche Flucht antreten musste. Als der spanische Fußballlehrerverband von der Geschichte hörte, holte er den Syrer nach Spanien und organisierte ihm eine Wohnung. Er wohnt nun mit zwei Söhnen im Süden Madrids. "Diese Aktion hat mein Leben geändert", sagt er dem Europamagazin. "Vielleicht war es der Wille Gottes. Für mich ist ein Traum Wirklichkeit geworden, ich bin in Spanien, das macht mich glücklich."

Augenscheinlich hätte Mohsen tatsächlich allen Grund glücklich zu sein. In Spanien ist er in Sicherheit. Fernab der Bomben in seiner Heimat. Doch zum Happy End fehlt etwas Wichtiges: Ehefrau und Töchter hängen noch immer in der Türkei fest. Laut dem ARD-Bericht verlangt die spanische Botschaft in Ankara von ihnen ein polizeiliches Führungszeugnis aus Syrien. Doch das ist logischerweise nicht möglich. Mohsen schrieb auch einen Brief an Spaniens Regierungspräsidenten Mariano Rajoy. Doch auch das half nichts. "Das ist sehr schlimm für uns", sagt der geflüchtete Syrer. Er muss sich weiter alleine um die beiden Söhne kümmern.

"Ich halte das nicht mehr lange aus"

Doch offenbar ist der Fall der Familie Mohsen keine Ausnahme. Spaniens langsame Aufnahmepolitik verursacht einen langen Rückstau bei den Behörden. Die Südeuropäer hatten sich dem Bericht nach verpflichtet 16.000 Menschen von der Balkanroute zu holen. Gekommen sind bislang etwas mehr als 100. Man will künftig mehr Geld zur Verfügung stellen, lässt das spanische Innenministerium verlauten. "Aber Dokumente müssen geprüft werden. Die Verfahren kann man nicht beschleunigen", sagt Francisco Martínez, der Staatssekretär des Ministeriums, und macht damit wenig Hoffnung auf Besserung.

In diesem Sommer will sich Osama Abdul Mohsen entscheiden. Im Bericht sagt er: "Wenn die Familie bis dahin nicht vereint ist, muss ich uns ein anderes Land suchen. Dann gehen wir dorthin, wo wir alle als Familie zusammen leben dürfen." Er sagt: "Ich kann das alles nicht mehr lange aushalten."

mke

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