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Da lachte sie noch: Angela Merkel trifft am Freitag beim CSU-Parteitag ein. Der Abgang verlief weit weniger freundlich – durch den Seiteneingang.

Die Saat der Zwietracht

Nach Seehofers Standpauke: Wie wird Merkels Rache aussehen?

München - Der CSU-Parteitag hinterlässt viele Unzufriedene – im Bundeskanzleramt und bis in die CSU-Kreisverbände hinein. Parteichef Horst Seehofer wird Fingerspitzengefühl benötigen, damit die Saat der Zwietracht nicht aufgeht.

Für den Erfolg eines großen CSU-Parteitags gibt es ein klares Kriterium: Fahren die Delegierten mit dem glücklichen Gefühl heim, die CSU sei die großartigste aller Parteien, war das Treffen gelungen. Zum Leidwesen von CSU-Chef Horst Seehofer und vielen seiner Parteifreunde blieb der Parteitag des vergangenen Wochenendes weit hinter dem Ideal zurück. Es gibt so viele Unzufriedene, dass Seehofer Kraft und Geschick brauchen wird, um alle beisammen zu halten.

Die prominenteste Geschädigte des CSU-Parteitags residiert im Bundeskanzleramt. In der CSU fragt man sich nach dem Eklat vom Parteitag schon, wie die Rache von Kanzlerin Angela Merkel aussehen könnte. Ein oft gehörter Satz: „Die Retourkutsche kommt garantiert.“ Die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär belebt die Debatte am Montag mit einem Scherz auf Twitter: „Feind – Todfeind – Parteifreund“.

Gerda Hasselfeldt bemühte sich, die Wogen zu glätten

Die Parteifreunde, die sich also offenbar schlimmer gesinnt sind als Todfeinde, treffen sich derzeit oft. Am frühen Montag Abend zum Beispiel in der Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag. Dort bemühte man sich zunächst um Deeskalation. Die Abgeordneten der CSU klatschten zweimal freudig mit, als die zehnjährigen Dienstjubiläen von Merkel und ihrem Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU) begangen wurden. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt habe sich bemüht, die Wogen zu glätten, heißt es in der Fraktion. Sie wisse, „dass die CSU nicht jeden Tag dazu beiträgt, dass sich die Bundeskanzlerin wohl fühlt“, habe sie an Merkel gerichtet gesagt. Die Landesgruppe werde aber „alles tun“, damit weitere erfolgreiche Jahre „für Dich persönlich, die Union und für Deutschland folgen“. AuchKauder rief die Abgeordneten zur Geschlossenheit auf. Streit innerhalb der Union mache nur die rechtspopulistische AfD stark. Offen angesprochen wurden aber weder der CSU-Parteitag noch die Differenzen in der Flüchtlingskrise.

Die Harmonie dürfte brüchig bleiben – vor allem was die beiden Parteichefs angeht. Seehofer und Merkel werden sich wohl diese Woche wiedersehen. Ein Treffen gestern am Rande des Helmut-Schmidt-Staatsakts kam nicht zustande, weil sich Seehofer für einen Tag krankgemeldet hatte.

Seehofer installierte Gegenpol zu Söder beim Parteitag

Verschnupft sind auch andere – nicht nur die Kanzlerin, sondern auch in der CSU, insbesondere in Oberbayern. Der größte Bezirksverband schnitt bei den Vorstandwahlen weniger gut ab als erhofft (siehe unten). Ein Problem bleibt auch, wie es Seehofer und seinem wahrscheinlichsten Kronprinzen Markus Söder gelingt, sich zu arrangieren. Dass Seehofer Söder verhindern will, gilt als ebenso gesichert wie dessen Ehrgeiz, Seehofer noch vor 2018 abzulösen.

Einen Gegenpol zu Söder hat Seehofer auf dem Parteitag installiert: Der Europapolitiker Manfred Weber ist nun einer seiner Vize-Parteichefs. Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament gilt vielen als personifizierte Antithese zum Showman Söder. Der Niederbayer erzielte mit 90 Prozent das beste Ergebnis bei den CSU-Vorstandswahlen – und war damit einer der wenigen Gewinner. Die Folge: Seither bestürmen viele ihn mit Fragen zu seiner Eignung als Parteivorsitzender.

Carsten Hoefer und Til Huber

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