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Jubel und Zorn: Die Junge Union tagt, ein Teil der Delegierten feiert Markus Söder.

Seehofer soll sich zurückziehen

Nach JU-Forderung: Führungsdebatte eskaliert innerhalb weniger Stunden

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Die Junge Union fordert Seehofers Abgang. Binnen weniger Stunden eskaliert die Führungsdebatte in der CSU. Die zwei aussichtsreichsten Nachfolger liefern sich ein erstes Rede-Duell.

Erlangen – Der BMW mit belgischem Diplomatenkennzeichen rollt schwungvoll vor die Erlanger Messehalle. Aber er kommt zu spät. Minuten zu spät, das kann in der Politik entscheidend sein. Manfred Weber entsteigt der Limousine, geht in den Saal und kann nichts mehr verhindern. Soeben haben die Delegierten der Jungen Union offen und mit breiter Mehrheit den Rückzug von Horst Seehofer verlangt, ein riesiges Misstrauensvotum. Weber, von Seehofer eilig nach Erlangen geschickt, steht vor einem politischen Scherbenhaufen.

Er geht ans Rednerpult, nicht polternd, klagend, aber mahnend. „Ich möchte euch sagen dürfen“, so setzt er an und verlangt „Respekt und Mannschaftsgeist. Ja, die CSU braucht über kurz oder lang Erneuerungen. Aber die Form der Auseinandersetzung ist wichtig.“ Er verstehe ja, „dass ihr enttäuscht seid“.

Enttäuscht? Auch das. Die JU gibt Seehofer zum politischen Abschuss frei. Aufgewühlt von der kurzfristigen Absage seines Auftritts verabschieden die Delegierten am Samstagmorgen eine erheblich verschärfte Erklärung, die den Generationswechsel in der CSU fordert. Handschriftlich, auf einem Schmierzettel, bringt ein Delegierter den Änderungsantrag ein, der ohne Debatte durchgeht. „Bei allen Verdiensten“ müsse Seehofer „jetzt den Weg bahnen für einen geordneten Übergang an der Spitze der Staatsregierung“. Bitter: Auch Oberbayerns JU stimmt teilweise dafür. Man habe Respekt vor Seehofers Lebensleistung, sagt der Bezirksvorsitzende Daniel Artmann. Aber es sei „nicht tragbar“, dass ein Parteivorsitzender nach diesem Ergebnis die Aussprache mit der JU verweigere. Auch Teile Niederbayerns, bisher braves Weber-Land, votieren dafür.

Andere Parteichefs können eine Rücktrittsforderung des Nachwuchses milde weglächeln. In der CSU ist die JU zu wichtig – kein Wahlkampf funktioniert ohne ihre Helfer, kaum Mehrheiten sind gegen die Jungen zu organisieren. Halblaut sagen viele CSU-Politiker, Freund wie Feind, dass dieser Beschluss den angeschlagenen Seehofer akut destabilisiere. Sein Fernbleiben sei Riesenfehler. Die Nachfolge-Debatte ist nicht mehr zu stoppen, alle Stillhalte-Bitten hin oder her.

Die Debatte tobt ja bereits in Erlangen. CSU-Vize Weber, kurzfristig als Seehofer-Ersatz entsandt, und Finanzminister Markus Söder als Hauptredner am Sonntag liefern sich ein zeitversetztes Duell. Beide stehen für unterschiedliche Lager in der CSU: Europapolitiker Weber für die moderate, leise Linie; Landespolitiker Söder für den harten, lauten Kurs. Beide gelten als potenzielle Seehofer-Erben. Beide haben viele Unterstützer in der JU.

Nein, das ist kein reiner Söder-Fanclub. Die Delegierten empfangen Weber trotz dessen mahnender Worte ebenso wie Söder sehr herzlich. Der Niederbayer teilt aus. Er grenzt sich, ohne den Namen zu nennen, klar von Söder ab. „Die CSU darf nicht die populistischen Antworten vertreten wie die AfD“, warnt Weber. Man habe mehr Wähler an die FDP als an die AfD verloren. Er hebt hervor, dass Bayern auch das Vorbild in der Willkommenskultur sei. „Wir brauchen von niemandem Nachhilfe in Sachen Hilfsbereitschaft.“ Weber setzt gezielte Spitzen gegen Söder. Er klagt über Parteifreunde, die die Fragen von Migration und islamistischem Terror vermengten. Schimpft über die Staatsregierung, die hunderte Wohnungen an einen privaten Investor verkauft habe. Über Kehrtwenden beim Donau-Ausbau.

Söder hat seine Helfer früh in den Saal gesandt, sie übermitteln ihm per SMS jede Spitze. Am Sonntag reagiert er knapp mit dem Hinweis, man müsse „nicht mahnen, sondern machen“. Er umreißt in klaren, aber nicht übermütigen Worten seinen Führungsanspruch. Die Lage in der CSU sei „mehr als ernst“ nach zwei hoch verlorenen Wahlen (Europa/Bund) in Folge. „Wir müssen dem Wähler zeigen: Wir haben verstanden und wir wollen es wieder ändern.“ Die CSU müsse verlässlicher werden, glaubwürdiger. „Es muss ein Ruck durch die CSU gehen.“ In Richtung Seehofer sagt Söder: „Mein Wunsch und meine Hoffnung ist, dass wir gemeinsame Lösungen finden. Für jede vernünftige Lösung reiche ich die Hand.“

In der JU raunen manche nachher von einer Ämterteilung, Weber Parteichef, Söder Ministerpräsident. Das klingt harmonischer, als es ist. Eher zeigt Erlangen, dass der Graben in der CSU sich auch bei den Jungen fortsetzt. Und dass Söders Fans dort wenig dem Zufall überlassen wollen. Nach seiner Rede posieren sie mit „MP Söder“-Schildern. Söder macht eine erstaunte Miene. Erfahrene Wahlkämpfer wissen allerdings, dass solche Schilder schon Tage vorher gedruckt worden sein müssen. Als auch Seehofer noch nicht abgesagt hatte.

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