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Flutmanager, jetzt Krisenhelfer der von der Affäre Kreidl gebeutelten Landkreise: Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter (li.) bei der Flutkatastrophe im vergangenen Jahr, neben ihm Innenminister Joachim Herrmann.

Bayerischer Landkreistag

Nach Kreidl-Affäre: Landkreise wollen Neustart

München - Nach der Affäre Kreidl soll beim Bayerischen Landkreistag ein Niederbayer den Neustart wagen: Deggendorfs Landrat Bernreiter (CSU) kandidiert für das Amt des Präsidenten, der Fürstenfeldbrucker Kollege Karmasin (CSU) rückt in der Hierarchie auf.

Wenn man so will, ist Bernreiter indirekt das Hochwasser 2013 zu Hilfe gekommen. Bei der Flut, die Deggendorf am schlimmsten traf, bewährte sich der Landrat als Krisenmanager, sorgte dafür, dass Dämme erhöht, Bürger evakuiert und schnelle Hilfen organisiert wurden. Jetzt steigt er auf.

Seit 2002 ist der gebürtige Straubinger Landrat. Bereits vor vier Jahren kandidierte er für den Posten des Präsidenten beim Landkreistag. Er unterlag damals etwas überraschend dem Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU). Doch Kreidl ist über die Affäre um seine knapp 120.000 Euro teure Geburtstagsfeier gestolpert. Jetzt, im zweiten Anlauf, sollte es für Bernreiter klappen. Am Mittwoch erklärte er offiziell seine Kandidatur, gewählt wird am 4. Juni in Bad Tölz.

Bernreiter zur Seite stehen wird künftig als erster Vizepräsident der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin (CSU), der wie Bernreiter in seinem Landkreis gerade mit einem eindrucksvollen Ergebnis wiedergewählt worden ist. Karmasin ist seit 1996 Landrat. Der Job des Vizepräsidenten ist durchaus zeitaufwändig. Da Bernreiter (anders als früher Kreidl) doch gut zwei Autostunden von München entfernt ist, wird auf Karmasin wohl die Aufgabe zukommen, den Präsidenten bei manchem Termin in München zu vertreten. Dafür wird Karmasin – was nichts ehrenrühriges ist – mit einer Aufwandsentschädigung entlohnt, über deren Höhe der Verband keine Auskunft gibt (wie er auch über das Salär für den Präsidenten Stillschweigen bewahrt).

Als weitere Vizepräsidenten sind Landrat Herbert Eckstein (SPD) aus Roth in Franken sowie für die Freien Wähler Tamara Bischof (Landkreis Kitzingen) im Gespräch. Auch der Tölzer Landrat Josef Niedermaier (FW) hat im Landkreistag eine wichtige Aufgabe erhalten: Er führt künftig den „Innovationsring“ und soll vorschlagen, wie die Landkreise gegenüber den Bürgern moderner auftreten.

Das Interims-Präsidium unterstützt Bernreiters Kandidatur „einmütig“, wie der kommissarische Präsident, der Miltenberger Landrat Roland Schwing, gestern Nachmittag erklärte. Bernreiter habe „Manager-Qualitäten“ bewiesen, er verfüge über „beste Kontakte“ und traue sich, seine Meinung zu sagen, „auch wenn es mal gegen die Staatsregierung geht“. Nach der Kreidl-Affäre brauche der Verband einen „Neustart“, um für die schwierigen Verhandlungen über den Finanzausgleich gewappnet zu sein – dabei geht es jedes Jahr aufs Neue um die Summe, die der Freistaat an die Landkreise überweist. Ziel müsse es sein, „schnell wieder auf Augenhöhe“ mit den anderen Verbänden zu kommen.

Bernreiter versprach gleich vollen Einsatz. Obwohl er vor vier Jahren bei der Kampfkandidatur Kreidl unterlegen war, habe er „damals nicht den Beleidigten gespielt“, sondern konstruktiv mitgearbeitet. Er stellte auch gleich mal klar, dass er weder mit einem Posten in der Staatsregierung liebäugele, „noch möchte ich irgendwann mal Sparkassen-Präsident werden“. Mit der Affäre Kreidl werde sich der Verband „eingehend“ beschäftigen, versprach Bernreiter. Doch seien wohl keine neuen Verhaltensregeln notwendig. „Jeder ist für sich selbst verantwortlich.“

Erst am Montag feierte Bernreiter seinen 50. Geburtstag. Die Feier mit 300 geladenen Gästen fiel mit 2500 Euro Kosten bescheiden aus.

Dirk Walter

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