Nach der Wahl beginnt der Kampf um die Posten im bayerischen Landtag.
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Nach der Wahl beginnt der Kampf um die Posten im bayerischen Landtag.

Nach der Wahl: Jetzt beginnt der Poker um die Posten

Poker um die Posten: CSU verliert nach der Wahl bis zu fünf Minister - wer wird jetzt was?

  • Johannes Welte
    vonJohannes Welte
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Nach der Landtagswahl in Bayern verschieben sich die Machtverhältnisse im Maximilianeum, jetzt beginnt der Poker um die Posten. Wer wird jetzt was?

München - Die Landtagswahl hat die Arithmetik im Maximilianeum völlig verschoben. Auch wenn die CSU-Fraktion am Dienstag weiterhin einstimmig für Söder als Ministerpräsident stimmte und ihren Fraktionschef Thomas Kreuzer im Amt bestätigte, wird sie in der Regierung bis zu fünf Minister verlieren. So viele Ministerien fordern die Freien Wähler, mit denen ab Mittwoch sondiert wird (Im News-Ticker bekommen Sie alle Informationen zur Wahl). Auch bei der Opposition wird sich vieles ändern - der Überblick:

Georg Eisenreich: Der jetzige CSU-Minister für Digitales, Medien und Europa ist aus München und gilt als einer der Strippenzieher für die Abwahl von Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer zugunsten von Markus Söder. Der 46-Jährige Jurist wurde von Söder im März mit einem Posten als Minister belohnt, Eisenreich war zuvor 2013 von Seehofer zum Staatssekretär ernannt worden. In Hadern holte er mit 29,1 Prozent das Direktmandat und wird wohl im Kabinett verbleiben.

Marion Kiechle: Die Medizinprofessorin (58) holte Markus Söder als parteilose Quereinsteigerin im März 2018 ins Kabinett. Mittlerweile ist die Wissenschaftsministerin CSU-Mitglied, trat erfolglos auf der Liste an und wackelt als Ministerin. Mit Georg Eisenreich sitzt schon ein altgedienter CSUler im Kabinett, in dem die Fraktion angesichts schrumpfender Sitze nur einen Münchner tolerieren wird – zumal die Zahl der CSU-Posten ohnehin schmilzt. Vielleicht hilft die Frauenquote.

Josef Schmid: Der Allacher Metzgersohn und Jurist bestritt erfolglos zwei Wahlkämpfe als OB-Kandidat gegen Dieter Reiter von der SPD, ein dritter Wahlkampf soll ihm erspart bleiben. Im traditionell schwarzen Wahlkreis Pasing holte Schmid mit 31,7 Prozent das Direktmandat. Es gibt Stimmen in der Münchner CSU, den 49-Jährigen zum Wirtschaftsminister zu machen. Doch der Neuling hat aus Proporzgründen kaum Chancen.

Michael Piazolo: Der 58-jährige Jurist, Politologe und Hochschulprofessor ist Vize der Freien Wähler Bayern und wird, falls es zur Koalition mit der CSU kommt, ein Ministeramt bekommen. Als Wissenschaftler wäre das Wissenschaftsministerium die erste Wahl, das wird derzeit von der Münchnerin Marion Kiechle (CSU), ebenfalls Professorin, besetzt. Auch das Bildungsministerium würde passen, das bekleidet noch Bernd Sibler (CSU).

Strahlende Gesichter bei den Grünen: Ludwig Hartmann und Katharina Schulze.

Katharina Schulze: Als Spitzenkandidatin der Grünen die strahlende Gewinnerin des Landtagswahlkampfes. Falls die Freien Wähler es mit ihren Forderungen in den Koalitionsverhandlungen mit der CSU übertreiben, kann es noch möglich sein, dass die CSU ein Bündnis mit den Grünen eingeht. Die 33-jährige Politikwissenschaftlerin und Psychologin hat da schon mit dem Innenministerium geliebäugelt, das die CSU abgeben müsste.

Ludwig Hartmann: Der 40-jährige Kommunikationsdesigner holte in München-Mitte das beste Stimmenergebnis der Grünen und somit das Direktmandat. Derzeit teilt er sich mit Katharina Schulze den Fraktionsvorsitz. Dabei wird es wohl auch bleiben, wenn es die Freien Wähler in den Koalitionsverhandlungen nicht überreizen. Als Experte für Energie und Umweltfragen würde sich Hartmann als Umweltminister empfehlen.

Florian von Brunn: Der 49-jährige Historiker sitzt seit 2013 für die SPD im Landtag. Da Markus Rinderspacher nach der Wahlschlappe vom Sonntag sein Amt als Fraktionsvorsitzender aufgibt, hat sich von Brunn am Dienstag für dieses Amt beworben. Brunn hatte außerhalb Münchens 1242 Zweitstimmen geholt. Es wurde damit gerechnet, dass er in München noch genügend Stimmen über die Liste bekommen hat, um den Sprung in den Landtag zu schaffen.

Helmut Markwort zog direkt hinter Listenführer Martin Hagen ins Parlament ein.

Helmut Markwort: Der Ex- Focus-Chefredakteur geht im Alter noch einmal in die Politik. Sein Ziel im Landtag hat der hat der 81-Jährige schon im Frühjahr formuliert: „Wenn ich reinkomme, werde ich Alterspräsident!“ Mit 20.299 Gesamtstimmen zog Markwort gleich hinter Listenführer Martin Hagen in den Landtag ein. FDP-Chef Christian Lindner teilte ihm das per SMS persönlich mit.

Martin Hagen: Der 37-jährige Politikwissenschaftler lebt in Baldham und war acht Jahre lang Hauptgeschäftsführer der bayerischen FDP. In einer Kampfkandidatur gegen Ex-FDP-Landeschef Albert Duin setzte sich Hagen als Spitzenkandidat der bayerischen FDP durch. Als Listenführer kann ihm keiner den Einzug in den Landtag verwehren. Er holte 51.002 Gesamtstimmen und will jetzt Fraktionschef der Liberalen werden.

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Das vorläufige Endergebnis

Diese Politiker ziehen über die Liste ins Parlament ein

Wer kommt über die Parteilisten in den Landtag? Die Auszählung in München dauerte und dauerte – erst am Abend waren die Würfel gefallen. Danach ziehfen für die SPD Natascha Kohnen (127.483 Gesamtstimmen), Markus Rinderspacher (28.790), Florian Ritter (14.636), Florian von Brunn (14.125), Ruth Waldmann (14.011) und Diana Stachowitz (13.415) aus München ins Maximilianeum ein.

Eine Überraschung gibt’s bei den Grünen: Da schaffte der frühere zweite Münchner Bürgermeister Hep Monatzeder mit 31.269 Gesamtstimmen den Sprung in den Landtag, ebenso Florian Siekmann (24.054) und Susanne Kurz (23.183). Auf Seiten der FDP tragen künftig Wolfgang Heubisch (16.067), Albert Duin (13.008) und Julika Sandt (11.290) den Titel MdL, bei den Freien Wählern schaffte Michael Piazolo (53.656) über die Liste den Sprung in den Landtag.

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Hep Monatzeder ist jetzt Mitglied des Landtags.

Auch die AfD schickt einen Münchner über die Liste ins bayerische Parlament: Uli Henkel konnte 36.617 Gesamtstimmen auf sich vereinen.

Kein Mandat mehr im Maximilianeum werden auf Seiten der SPD Isabell Zacharias und Ruth Waldmann haben. Letztere hatte 2013 noch das einzige SPD-Direktmandat geholt, verlor aber jetzt ihren Stimmkreis in Milbertshofen.

Wer bei den Freien Wählern außer Piazolo für München in den Landtag einzieht, war bis zuletzt offen. Die Moosacher Erzieherin Ute Schiller-Schulze hatte mit 4148 Zweitstimmen die besten Karten, schaffte es aber letztlich nicht. Genauso erging es bei der FDP Stadträtin Gabriele Neff.

Söder verkündet Kabinett: Überraschungen vorprogrammiert

Johannes Welte

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