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Muss Theresa May bald gehen? Momentan sieht es für die britische Premierministerin nicht gut aus.

Wahl in Großbritannien

Nach Niederlage der Konservativen: Theresa May wie „eine lebende Tote“

Das Wahlergebnis in Großbritannien stellte eine herbe Niederlage für Premierministerin Theresa May dar. Die Konsequenzen sind enorm. Wie lange wird sich May noch im Amt halten können?

London – Vergangene Woche wählten die Briten das House of Commons. Bei der Wahl ging es unter anderem um den Brexit. Die amtierende konservative Premierministerin Theresa May wollte sich in ihrem Kurs bestätigen lassen – und wurde enttäuscht. Doch abgesehen von der Niederlage der Tories geschah in den Tagen nach der Wahl noch mehr, das die Frage aufkommen lässt: Steht Mays Sturz bald bevor? 

Großbritannien hat sich entschieden: Die Conservative Party verlor am Donnerstag ihre absolute Mehrheit im Unterhaus. Herausforderer Jeremy Corbyn von der Labour Party forderte daraufhin Mays Rücktritt. Das tat sie bislang nicht, wohl aber ihre engsten Vertrauten: Sowohl Stabschef Nick Timothy als auch Co-Chefin Fiona Hill legten ihre Ämter nieder. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, könnte dies als Zeichen für die Schwäche der Premierministerin zu deuten sein, da sicher sei, dass die beiden nicht freiwillig zurückgetreten sind. Es heißt, der Druck aus der Partei auf Timothy und Hill sei zu groß gewesen. 

Der Einfluss dieser beiden ist laut SZ nicht zu unterschätzen. In Westminster hieß es, Timothy habe eigentlich die Regierungsgeschäfte inne gehabt. Laut Berichten von früheren May-Mitarbeitern hätten die beiden ein „arrogantes Regime“ geführt und Kabinettsmitarbeiter abschätzig behandelt. Das Kabinett habe auch verlangt, Timothy und Hill zu entlassen. 

Die an sie gerichteten Rücktrittsforderungen wies May am Sonntag in einem Fernsehinterview mit dem Sender Sky News zurück. Sie sei nach ihrer Wahlschlappe nicht „zutiefst erschüttert“, sondern machte deutlich: „Was ich fühle ist, dass es einen Job zu erledigen gilt.“ Die 60-Jährige will die Regierung stellen, obwohl die Tories die absolute Mehrheit nicht länger innehaben. Am Sonntag gab sie ihr Kabinett bekannt und ernannte ihre Minister. Die Premierministerin hofft, mit Unterstützung der ultrakonservativen nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) regieren zu können. Gespräche gab es bereits, am Montag sollen sie fortgesetzt werden. Am Wochenende protestierten Hunderte gegen die Duldung der Partei. „Rassistisch, sexistisch, homophob – die DUP muss weg“, riefen die Demonstranten vor dem Londoner Parlament. Eine Einigung der Parteien ist bislang nicht in Sicht, deshalb ist auch die Bildung einer von der DUP unterstützten Minderheitsregierung noch nicht sicher. 

Der Druck auf Theresa May nimmt jedenfalls weiter massiv zu: George Osborne, der ehemalige Finanzminister der Tories, nannte May eine „lebende Tote“. Er sagte der BBC am Sonntag, dass ihre Tage als Premierministerin gezählt seien. Die einzige Frage sei, „wie lange sie noch im Todestrakt“ sitze. May hatte Osborne einen Tag nach ihrem Amtsantritt im Juli 2016 aus dem Kabinett gefeuert. Heute ist er Chefredakteur der Tageszeitung London Evening Standard.

mhö

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