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Der Geiselnehmer von Sydney war gefährlicher als gedacht. Aber er lebte trotz Anklagen und trotz extremistischer Ansichten ziemlich unbehelligt. Australiens Premier Tony Abbott will Klarheit. Foto: Lukas Coch

Nach Pannen vor Geiselnahme: Abbott ordnet Untersuchung an

Sydney (dpa) - Australiens Regierungschef Tony Abbott hat nach dem Geiseldrama von Sydney Sicherheitspannen angeprangert und eine umfassende Untersuchung angeordnet. Der Täter Man Haron Monis (50) war durch Gewalt und extremistische Ansichten mehrfach aufgefallen.

"Der Geheimdienst hat ihn auf dem Radar, und ich habe wirklich keine Ahnung, wie er da rausfallen konnte", sagte Abbott am Mittwoch. Er erwarte Ergebnisse bis Ende Januar.

Die zentralen Punkte der Untersuchung: Wieso besaß der als Gewalttäter angeklagte Täter mit offen geäußerten radikal-islamischen Ansichten eine Waffe? Wieso ließ der Geheimdienst ASIO ihn nach der Verurteilung wegen Hassbriefen an Soldatenfamilien aus den Augen? Wieso war er trotz schwerwiegender Anklage auf freiem Fuß? Wieso bekam er Asyl, obwohl er in seiner Heimat Iran als Finanzbetrüger gesucht wurde? Wie konnte er jahrelang offenbar ohne Not von Sozialhilfe leben?

Monis hatte am Montag in Sydney ein Café überfallen und 17 Geiseln stundenlang in seiner Gewalt. Er stellte den Anschlag als Akt der im Irak und in Syrien kämpfenden Terrormiliz Islamischer Staat dar. Die Polizei stürmte das Café nach 16 Stunden, als Schüsse fielen. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass Monis den Manager des Cafés erschoss, als der ihm die Waffe entreißen wollte. Eine weitere Geisel und der Täter kamen bei der Stürmung ums Leben.

"Das System ist mit diesem Mann nicht richtig umgegangen", räumte Abbott ein. "Die Tragödie dieser Gräueltat ist, dass zwei Menschen tot sind, dass Leute verletzt sind, dass andere traumatisiert sind, weil dieser Verrückte frei auf unseren Straßen rumlaufen konnte."

Ein 83-jähriger Mann berichtete am Mittwoch über seine Flucht aus dem Lindt-Café in Sydney. Er habe sechs Stunden nach dem Überfall eine Unaufmerksamkeit des Geiselnehmers genutzt, die Eingangstür per Knopfdruck geöffnet und sei gerannt, berichtete John O'Brien. Ein anderer Mann folgte ihm. Ein dritter nutzte den Tumult an der Tür, um durch den Hinterausgang zu flüchten.

Die Untersuchung

Gesichter und Geschichten der Geiseln

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