Nach der Saarland-Wahl

Der Oskar-Effekt gibt Schulz zu denken

Der Warnschuss aus dem Saarland hat die SPD unsanft aus ihrem Schulz-Rausch gerissen. Ist Rot-Rot-Grün nur noch eine Schimäre?

Seinen Humor hat Martin Schulz nicht verloren. Im Willy-Brandt-Haus erklärt er wortreich, warum die Niederlage seiner SPD an der Saar gar nicht so schlimm sein soll. Doch etwas fehlt ihm. Wo ist der Blumenstrauß? „Ich hab' die ganze Zeit weiter geredet, weil er nicht kam. Jetzt ist er da.“ Schulz überreicht der unterlegenen Spitzenkandidatin Anke Rehlinger das Bouquet aus roten und weißen Rosen. Sie wird ihren Job als Vize-Ministerpräsidentin hinter CDU-Wahlsiegerin Annegret Kramp-Karrenbauer behalten. Vize, das ist keine Aussicht, die Schulz reizt.

So gibt er sich am Montag alle Mühe, die negativen Schwingungen für die Sozialdemokratie aus dem Mini-Saarland kleinzureden. Verbunden wird das ungute Gefühl mit einem Namen. Oskar Lafontaine. In Saarbrücken triumphierte die CDU vor allem aus zwei Gründen: Die Bürger wollten ihre sehr beliebte CDU-Regierungschefin und die große Koalition behalten - die rot-roten Signale wurden für die SPD zum Bumerang.

„Rückschlüsse auf die gesamte Republik zu ziehen, wäre falsch.“

Auf „Lafo“ angesprochen, sagt Schulz, „der Kollege“ spiele regionalspezifisch ganz sicher eine besondere Rolle. „Rückschlüsse auf die gesamte Republik zu ziehen, wäre falsch.“ Schulz will sich die rot-rot-grüne Option für die Bundestagswahl offenhalten - wenn auch die SPD auf gar keinen Fall offensiv dafür werben will, wie es die Linke jetzt trotzig verlangt.

Wie hält es Schulz mit Lafontaine? Rot-rot-grüne Option offenhalten?

Ist ein Bündnis mit schwindsüchtigen Grünen und teils krawalligen Linken nicht eine Sackgasse? Im Westen sitzt das Wie hält es Schulz mit Lafontaine? Rot-rot-grüne Option offenhalten?Unbehagen gegenüber der Linkspartei tief. Wollen die Deutschen einen Kanzler Schulz, der im Zweifel nach der Pfeife von Sahra Wagenknecht und ihrem Gatten Lafontaine tanzen muss, um im Amt zu bleiben? Bei der SPD betonen sie, Rot-Rot-Grün sei nur eine von vielen Machtperspektiven für Schulz. Da gebe es eine SPD-geführte große Koalition oder die Ampel mit Grünen und FDP. Die CDU habe nur die GroKo vor Augen. Außerdem stänkere die CSU unverändert gegen die verbraucht wirkende Merkel. Aber was ist, wenn die bundesweiten Umfragen ähnlich schief liegen wie an der Saar, wo die Genossen bis zuletzt an ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU glaubten? Im Mai könnte es für Schulz immerhin wieder Auftrieb geben. Verteidigt die SPD in Kiel und Düsseldorf die Macht, sieht die Lage freundlicher aus.

Nur mit Social-Media-Hype ist Merkel nicht zu bezwingen

Der Warnschuss aus dem Saarland dürfte in der SPD-Wagenburg aber gehört worden sein, die sie um Schulz herum errichtet haben. Wer überholen wolle, müsse erst einmal aufholen, heißt es aus der Partei. Ohne harte Arbeit, ohne starke Inhalte, nur mit Social-Media-Hype sei Merkel nicht zu bezwingen.

Zumal der von der Basis verehrte Kanzlerkandidat nicht fehlerlos agiert. Just am Wahltag skizzierte Schulz in der „Bild am Sonntag“ Ideen, die er in seinen ersten 100 Tagen als Kanzler umsetzen will - da machte der 61-Jährige ein bisschen zu sehr auf „dicke Hose“. Stirnrunzeln löste auch seine parallel verkündete Jobgarantie für Sigmar Gabriel aus. Sechs Monate vor der Wahl vergibt man keine Ministerposten.

An seinem Gerechtigkeitsmotiv für den Wahlkampf will der 100-Prozent-Chef trotz der Rekordzufriedenheit in der Bevölkerung festhalten: „Die überwältigende Mehrheit sagt, mir persönlich geht es gut, aber in der Gesellschaft geht es nicht gerecht zu.“ Interessant ist, wie Merkel darauf mit dem SPD-Kronzeugen und Agenda-Kanzler Gerhard Schröder kontert: Gerechtigkeit und Innovation gehörten zusammen.

Am Mittwochabend ist Schulz bei Merkel

Jetzt will Schulz inhaltlich nachlegen. Nach dem von Andrea Nahles gestrickten Arbeitslosengeld + Weiterqualifizierung stellt Manuela Schwesig ihr Konzept für eine Familienarbeitszeit vor. Am Mittwochabend fährt der Mann aus Würselen zum Koalitionsgipfel bei Merkel vor. Schulz wollte diese Bilder eigentlich vermeiden. Viel reißen wird Schwarz-Rot nicht mehr. Unglücklich ist die SPD darüber nicht. Themen wie Ehe für alle, Managergehälter, Solidarrente oder Job-Rückkehr in Vollzeit wären gute Wahlkampfmunition.

Lesen Sie auch: Merkel: Saarland-Wahl ist "ermutigend" für Bundestagswahl

dpa/Video: snacktv

Rubriklistenbild: © dpa

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