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Ministerpräsident Seehofer hat seinen Finanzminister Söder attackiert.

Nach Seehofer-Attacke

CSU solidarisiert sich mit Söder

München - CSU-Chef Seehofer gerät nach seinen Lästereien gegen Parteifreunde in die Defensive. Sogar Söders Rivalen in der CSU zeigen Unterstützung für den Finanzminister.

Die CSU solidarisiert sich mit dem von Ministerpräsident Horst Seehofer scharf angegriffenen Finanzminister Markus Söder. Der Finanzpolitiker Philipp Lerchenfeld lobte Söder am Donnerstag in der Plenardebatte im Landtag und sagte: „Ich bin ganz sicher, dass er auch weiß, dass in ihm die Zukunft liegt.“ Sozialministerin Christine Haderthauer und Innenminister Joachim Herrmann - Rivalen Söders in der Schar der CSU-Thronfolger - machten ihre Unterstützung deutlich, indem sie sich auf der Regierungsbank demonstrativ neben Söder setzten. Als dieser sprach, füllten sich die Reihen der CSU-Fraktion bis auf den letzten Platz. Mehrere CSU-Abgeordnete spendeten anschließend im Stehen Applaus - was im Landtag nicht üblich ist.

Alexander König, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU, sagte anschließend: „Das war ein demonstratives Zeichen der Verbundenheit, der Anerkennung und der Solidarität.“ Seehofer war - wie schon am Vortag - nicht anwesend. Der CSU-Chef hatte dem Finanzminister bescheinigt, er betreibe „zu viele Schmutzeleien“ und sei „von Ehrgeiz zerfressen“. Das löste in der CSU-Fraktion Reaktionen von Fassungslosigkeit bis Empörung aus. „In der Tat: Ich habe einen großen Ehrgeiz“, sagte Söder in seiner Rede. „Und wissen Sie welchen? Dass es noch besser wird, meine sehr verehrten Damen und Herren.“

Die SPD legte Söder einen Rücktritt aus Selbstachtung nahe. „Man muss sich fragen, wie der Finanzminister seine Aufgaben noch erfüllen kann, wenn er das Vertrauen und den Respekt des Ministerpräsidenten nicht mehr hat“, sagte der SPD-Haushaltsexperte Volkmar Halbleib. Ein Rücktritt sei „die richtige Reaktion“.

Seehofer ist offensichtlich gesprächsbereit, will die Angelegenheit aber mit Söder persönlich regeln. „Vier-Augen-Gespräche kündigt man nicht an, genauso wenig, wie man bestätigt, wann sie stattfinden und welchen Inhalts sie sind“, hieß es in der CSU-Landesleitung. Ein Friedensangebot Seehofers gab es bislang jedoch noch nicht. „Wenn es etwas zu sagen gibt, muss man das auch offen tun. Ich muss auch viel hinnehmen“, sagte Seehofer der „Bild“-Zeitung (Donnerstag).

In der CSU-Fraktion sind viele Abgeordnete der Ansicht, dass Seehofer das Gespräch mit Söder suchen muss. CSU-Fraktionschef Georg Schmid betätigt sich derzeit als Vermittler. Schmid führte am Donnerstag ein längeres Telefonat mit Seehofer, der sich derzeit in Berlin aufhält. Einzelheiten wollte der Fraktionschef auf Anfrage zwar nicht nennen. Er betonte aber: „Es war ein gutes Gespräch.“ Am Mittwoch hatte Schmid bereits Kontakt mit Söder aufgenommen. „Je schneller sich Wolken verziehen, desto schneller kann die Sonne wieder scheinen“, formulierte Schmid diplomatisch.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm wollte die Solidaritätsbekundung der CSU-Fraktion für Söder nicht kommentieren, merkte aber an: „Der Finanzminister hat eine sehr starke Rede gehalten. Die Rede ist dementsprechend gewürdigt worden.“

dpa / dapd

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