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Links: Bayerns Finanzminister Markus Söder. Rechts steht Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU).

Seehofers beißende Kritik an Söder

Nach Aussprache: Gefahr eines Krachs bleibt

München - Ministerpräsident Seehofer spricht „intensiv“ mit seinem gedemütigten Finanzminister, um die explosive Stimmung zu entschärfen. Die Gefahr eines Krachs ist aber nicht gebannt.

Der Chef und sein Ehrgeizling haben sich zur Aussprache getroffen. Auf heftigen Druck von Abgeordneten hat Ministerpräsident Horst Seehofer seinem Finanzminister Markus Söder die scharfe Kritik der vergangenen Tage persönlich erläutert. In einem „intensiven Gespräch“ habe man „alle aufgeworfenen Fragen ausgeräumt“, teilte die Staatskanzlei mit. Beide wollten weiter „eng zusammenarbeiten“.

Das war in den vergangenen Tagen nicht mehr so sicher. Söder war von der öffentlichen Kritik seines Chefs, er sei „von Ehrgeiz zerfressen“ und habe charakterliche Schwächen, schwer getroffen. Sogar über einen Rückzug aus dem Kabinett und einen Wechsel an die Fraktionsspitze wurde spekuliert.

Die Landtagsfraktion solidarisierte sich demonstrativ mit Söder – bei explosiver Stimmung. Ihr Chef Georg Schmid und Landtagspräsidentin Barbara Stamm redeten hinter den Kulissen offenbar in etlichen Telefonaten auf Seehofer ein, die Situation zu entschärfen. Der habe das Ausmaß des Unmuts lange nicht verstanden, berichten Beteiligte. Seehofer erwartete zunächst, der Ärger würde von allein verrauchen, weil ja eh keine Fraktonssitzung mehr im laufenden Jahr ansteht.

Wohl aber begegnen sich Seehofer und Söder bei der Kabinettssitzung am Dienstag in Nürnberg – die Gefahr, dass dort zwischenmenschlich Eiseskälte zelebriert wird zwischen dem Ingolstädter und dem Franken, scheint nun gebannt. Gestern Mittag kehrte Seehofer nach der Sitzung des Bundesrats aus Berlin nach München zurück und traf (unter strenger Geheimhaltung) Söder. Er sei nach dem langen Gespräch „erleichtert“, heißt es im Umfeld des Finanzministers. Seehofers Kritik werde sich „nicht wiederholen“. Schmid informierte am Abend auch die Abgeordneten per kurzer Rund-Mail über das Treffen.

Ganz gebannt ist die Gefahr eines Krachs nicht. Mitte Januar stehen die beiden Kreuther Klausuren an. Die CSU-Bundesminister, die auch von Seehofer gerupft wurden, sind noch immer wütend.

Auch der Koalitionspartner FDP murrt. Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geht auf Distanz zum Umgangston des CSU-Chefs. „Der Tonfall, den die CSU in ihren internen Beratungen wählt, ist ihre Sache“, sagte sie unserer Zeitung. Die Erfolge der Koalition, so erinnerte sie, „sprechen ihre eigene Sprache – eine sachliche, die maßgeblich von der FDP Bayern geprägt wurde“. Seehofer hatte der FDP vorgeworfen, ihr Einsatz zum Aus der Praxisgebühr blase „zwei Milliarden Euro zum Kamin raus“. Der FDP-Wirtschaftspolitiker Dietrich von Gumppenberg spottete, derartige Dinge „schaden der Partei, in der sie stattfinden“. Aus Seehofer spreche nur der „pure Neid auf den Erfolg“

Von Christian Deutschländer

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