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Der von Kugeln durchsiebte LKW des Nizza-Attentäters. Ein Rollerfahrer wollte die Todesfahrt beenden und den Laster stoppen.

Er versuchte, den LKW aufzuhalten

Jetzt spricht der Roller-Held von Nizza

Nizza - Bevor bei der Terror-Attacke von Nizza die Polizei einschreitet, nimmt ein Rollerfahrer die Verfolgung des Lastwagens auf. Er will den Attentäter stoppen. Wer ist der „Roller-Held“?

Es ist nur eine kurze Sequenz am Anfang eines Videos von der Terrornacht in Nizza. Der weiße Lastwagen rast in die Menschenmenge auf der Strandpromenade. Direkt neben ihm fährt ein Roller. Man sieht, wie der Fahrer plötzlich an dem Lastwagen hängt.

Das Video verbreitet sich im Internet, aber der Rollerfahrer bleibt zunächst anonym. Am Donnerstag veröffentlicht die französische Tageszeitung „Nice Matin“ als erste ein Interview mit „Franck“ - der 49-Jährige sei der Mann, den man auf dem Video sehe. Es folgt ein Fernsehinterview des Senders „France 2“.

Auf den Aufnahmen wirkt der Mann eine Woche nach der Todesfahrt des Tunesiers Mohamed Lahouaiej Bouhlel ruhig und gefasst. Eis essen gehen - das sei der Plan von ihm und seiner Frau gewesen. Für das Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag seien sie schon zu spät gewesen. Auch das mit dem Eis sollte nichts werden.

„Ich habe sehr schnell verstanden, dass das ein Blutbad ist"

Als sich das Ehepaar auf dem Roller der Promenade nähert, kommen ihnen Menschen entgegen. Sie hören Schreie, Autos stehen quer, erzählt Franck der Zeitung. „Ich habe sehr schnell verstanden, dass das ein Blutbad ist“, sagt er in dem Fernsehinterview.

Er beschleunigt, will den Lkw einholen. „Ich wusste, mein Sohn ist auf dem Platz am Ende der Promenade, und dann habe ich die Verfolgung aufgenommen. Mit meiner Frau hinter mir.“ Er hält noch einmal an, setzt sie ab und fährt weiter - dem Lkw hinterher. „Um ihn einzuholen, musste ich Slalom fahren. Zwischen den Menschen, lebendigen und toten.“

„Ich war bereit zu sterben"

Auf dem Video des deutschen Journalisten Richard Gutjahr sieht man, wie sich ein Rollerfahrer dem Lastwagen nähert, neben ihm fährt und schließlich an ihm dranhängt. „Ich wollte ihn um jeden Preis stoppen“, sagt Franck der Zeitung. „Ich war bereit zu sterben.“

Franck erzählt, wie er seinen Roller gegen den Lkw wirft, bis zur Fahrerkabine läuft und sich schließlich dem Attentäter direkt gegenüber sieht. „Er hatte seine Waffe in der Hand. Aber die Pistole funktionierte nicht.“ Er habe dann auf den Attentäter eingeschlagen, immer wieder, ins Gesicht. „Mit meiner ganzen Kraft mit meiner linken Hand, obwohl ich Rechtshänder bin.“ Die Hand schmerze Franck noch immer, berichtet „Nice Matin“. Auch eine gebrochene Rippe und Prellungen auf dem Rücken habe der Flughafenmitarbeiter davongetragen.

„Werde die Bilder mein ganzes Leben lang im Kopf haben"

Den Attentäter hätten die Schläge nicht gerührt: „Er hat nichts gesagt.“ Die Polizei schreitet schließlich ein. Erschießt den Terroristen. Zurück bleiben 84 Tote, zahlreiche Verletzte, davon noch einige in Lebensgefahr - und ihre Familien, sagt Franck im Fernsehen. Sowie die Erinnerung.

„Ich werde diese Bilder mein ganzes Leben lang im Kopf haben.“ In der kollektiven Erinnerung bleibt auch er zurück - als der „Roller-Held von Nizza“. Den Titel weist Franck zurück: „Ich bin keineswegs ein Held. Ich bin nur ein normaler Bürger, der etwas Unnormales getan hat.“

dpa

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