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Jubel über die Mordanklage gegen einen Polizisten nach dem gewaltsamen Tod des Schwarzen Freddie Gray. Foto: John Taggart

Nach Tod von Freddie Gray: Mordanklage gegen Polizisten  

Wieder einmal ist ein schwarzer Amerikaner in Polizeigewahrsam gestorben. Zwei Wochen braucht die Staatsanwaltschaft, bis sie reagiert. Zeigt die US-Justiz diesmal Härte gegen die Polizisten?

Baltimore/New York (dpa) - Nach dem Tod des Schwarzen Freddie Gray in Polizeigewahrsam in Baltimore klagt die US-Justiz einen Polizisten wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz ("Mord zweiten Grades") an. Drei weiteren Beamten wird Totschlag vorgeworfen, gab die Staatsanwaltschaft bekannt.

Alle sechs beteiligten Beamte müssen sich wegen Körperverletzung verantworten. Präsident Barack Obama forderte: "Es muss Gerechtigkeit walten." Die Menschen in Baltimore wollten vor allem eines: "Die Wahrheit."

Der 25-jährige Gray war am 12. April festgenommen worden und erlitt darauf in Polizeigewahrsam schwere Rückenverletzungen. Er fiel ins Koma und starb am 19. April. Die genauen Umstände sind bis heute ungeklärt. Der Tod löste schwere Unruhen aus - in Baltimore herrscht bis zum kommenden Dienstag ein nächtliches Ausgangsverbot.

Staatsanwältin Marilyn Mosby warf den Polizisten vor, Gray beim Transport in einem Polizeibus misshandelt und ihm medizinische Versorgung verweigert zu haben. Die Beamten hätten Gray ohne anzuschnallen auf den Bauch in das Auto gelegt. Alle sechs Polizisten wurden bereits vom Dienst suspendiert. Nun sei Haftbefehl erlassen worden, sagte Mosby.

Nach US-Recht ist Mord zweiten Grades eine Tötung, die anders als Mord erstes Grades nicht im Voraus geplant war, aber einen Tod billigend in Kauf nimmt oder eine extrem fahrlässige Missachtung menschlichen Lebens widerspiegelt. 

Der Fall Gray ist der bislang letzte bekannt gewordene Fall von Polizeibrutalität gegenüber Schwarzen. Erstmals hatten die Todesschüsse eines weißen Polizisten auf den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown in Ferguson (Missouri) im vergangenen Sommer landesweite Empörung ausgelöst.

Vor diesem Hintergrund berichtete die "New York Times", dass US- Polizisten im Jahr 2013 über 460 Menschen töteten. Dabei handele es sich lediglich um Fälle, die von der Bundespolizei FBI erfasst worden seien und als juristisch gerechtfertigt gelten. Noch zwischen 2009 und 2012 habe die Zahl zwischen 397 und 426 gelegen.  

Experten schätzten dagegen, dass die Zahl der von der Polizei Getöteten in Wirklichkeit weitaus höher liegt. Inoffizielle Statistiken, die von Freiwilligen geführt würden, gingen von etwa 1100 Toten im Jahr aus - das würde etwa drei Opfer am Tag bedeuten. Unklar ist, wie die Menschen ums Leben kamen - auch die ethnische Zugehörigkeit sei nicht berücksichtigt.

"Tödliche Gewalt durch die Polizei ist ein ständiges Problem", schreibt die "New York Times". Dies habe bereits dazu geführt, dass die Polizei im ganzen Land "darüber diskutiert, ob sie ihr Vorgehen und ihr Training ändern muss".

Die "New York Times" schreibt weiter, schlechtes Polizeitraining sowie eine gängige "Polizei-Kultur" führe dazu, dass sich Polizisten in den USA als permanent bedroht fühlten. "Weniger erfahrene Beamte könnten ihr Training als eine Lizenz zum Einsatz von Gewalt sehen".

New York Times

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