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Die AfD besitze eine vergleichbare Wählerschaft - und ähnlich gute Voraussetzungen wie Trump, ist bei „Maischberger“ zu hören.

“Maischberger“-Gäste sehen ähnliche Wählerschaft

Nach Trump: Bekommt die AfD im Bund jetzt „20 bis 30 Prozent“?

Berlin - Nach der US-Wahl grassiert die Populismus-Angst: Die AfD besitze eine vergleichbare Wählerschaft - und ähnlich gute Voraussetzungen wie Trump, ist bei „Maischberger“ im TV-Talk zu hören.

Die Kür Donald Trumps zum neuen Präsidenten der USA war für viele Beobachter eine Überraschung. Womöglich ist es sogar eine, die in abgewandelter Form auch Deutschland bevorsteht. Indizien dafür sahen in jedem Falle die Diskutanten in Sandra Maischbergers Talkrunde am späten Mittwochabend - allen voran der Autor Eric T. Hansen: Er prophezeite der AfD bei der Bundestagswahl 2017 einen massiven Wahlerfolg.

Die Partei werde „zwischen 20 und 30 Prozent der Wählerstimmen haben“, sagte der gebürtige US-Amerikaner. Hansens These: „Die AfD-Wähler sind die gleichen wie die Trump-Wähler - und die werden hier in Deutschland sofort abgestempelt als Verrückte.“ Hier wie dort fühle sich eine breite Schicht der Bevölkerung von den etablierten Parteien nicht vertreten.

„Wir glauben denen nicht mehr“

Tatsächlich hatte sich Trump als Kandidat außerhalb des „politischen Establishment“ inszeniert. Umfragen am Wahltag zeigten, dass sich viele Trump-Anhänger von dem Geschäftsmann vor allem einen radikalen „Wandel“ erhofften.

Ex-Linken-Chef Oskar Lafontaine attestierte der Gruppe der Trump-Wähler passend dazu „starken Zorn“ auf die politischen Eliten: „Die Grundlage dieser Leute, die sich abgehängt fühlen, war: Uns reicht es, denen glauben wir nicht mehr“, sagte er.

Lafontaine warnte dann auch vor vergleichbaren Erfolgen der AfD. Vor allem die Arbeiterschicht habe in der Politik „keine Ansprechpartner mehr“. Sie sei empfänglich für „soziale Angebote“ von Politikern wie Trump: „Wenn wir die übersehen, werden wir uns irgendwann die Augen reiben, dass in Frankreich Marine Le Pen an die Macht kommt und in Deutschland die AfD immer stärker wird.“

Alice Schwarzer fordert: „AfD nicht dämonisieren“

Abwegig scheint diese These nicht. Zumal auch inhaltliche Überschneidungen zwischen dem Programm Donald Trumps und dem der AfD erkennbar sind: Etwa die explizite Abgrenzung gegenüber Zuwanderern - sei es nun aus Mexiko oder Flüchtlingen im Allgemeinen - die Ablehnung des Islam, oder starke Skepsis gegenüber gesellschaftlich weithin akzeptierter Annahmen und Grundlagen des politischen Handelns; beispielsweise Zweifel an der Existenz des Klimawandels. Dementsprechend kursiert auch das Schlagwort von der Lügenpresse auf beiden Seiten des Atlantiks.

Wie aber sollten die Bundestagsparteien auf die Tendenz zur Protestwahl reagieren? Zumindest die Teilnehmer der Runde bei „Maischberger“ hatten nur einen eher vagen und nicht ganz taufrischen Ratschlag parat: Ernstnehmen und zuhören.

Feministin Alice Schwarzer rügte, man habe „sehr rasch die AfD dämonisiert“. „Berechtigtes Unbehagen“ oder „verständliche Ängste“ dürfe man „nicht den Rechtspopulisten überlassen“, forderte sie. Statt potenzielle AfD-Wähler ins Abseits zu stellen, müsse sich die Politik nach den Sorgen erkundigen, erklärte Schwarzer: „Diese Polarisierung, die wir jetzt auch in Deutschland haben, das ist ein ungeheuer gefährliches Klima.“

Nicht nur im Fernsehen äußerten sich Politiker und Beobachter kritisch auf die Wahl von Donald Trump. Auch in deutschen Tageszeitungen wurde das Ergebnis der US-Wahl mit Sorge aufgenommen. Trump kann sich derweil auf die Übernahme der Amtsgeschäfte vorbereiten und sein Kabinett zusammenstellen. Möglicherweise ist darin sogar Platz für seine Tochter Ivanka.  

fn

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