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Deutsche Bischöfe im Heiligen Land

Landesbischof in Erklärungsnot

Nachwirkungen einer Israel-Reise

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München  - Nach der Pilgerreise evangelischer und katholischer Bischöfe ins Heilige Land räumt der evangelische Landesbischof ein, dass der Besuch auf dem Tempelberg und an der Klagemauer ein Fehler war.

Mit dem Wissen von heute würden der Münchner Erzbischof Reinhard Marx und der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm mit Sicherheit derzeit nicht wieder in Jerusalem auf den Tempelberg und an die Klagemauer gehen. Sie hatten dort – wie berichtet – wegen der angespannten Lage ihre Amtskreuze abgelegt. Dies hatte nach der Rückkehr nach Deutschland zu heftigen Diskussionen und Angriffen geführt. Kritiker hatten ihnen vorgeworfen, ihren Glauben nicht mutig bekannt zu haben.

Zunächst hatte Kardinal Reinhard Marx eingeräumt, dass der Besuch in diesem Punkt nicht gut vorbereitet gewesen sei. „Man hätte vielleicht darauf verzichten sollen, überhaupt da hinzugehen“, hatte er im Bayerischen Fernsehen gesagt. Den Vorwurf, die ökumenische Pilgergruppe habe sich unterworfen und das Christentum verraten, nannte er jedoch beleidigend.

Jetzt zieht auch sein evangelischer Reisebegleiter nach. In einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst erklärt Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dass es mit heutigem Wissen wohl besser gewesen wäre, auf den Besuch auf dem Tempelberg und an der Klagemauer zu verzichten.

Er bedauere, dass nach der medialen Debatte der Eindruck habe entstehen können, man habe den Glauben im Gespräch mit anderen Religionen versteckt. „Das wäre nun wirklich das Letzte, was wir tun würden, und wir praktizieren ja jeden Tag das Gegenteil“, sagte er. Ausgelöst hatte die Debatte übrigens Ende Oktober die rechtskonservative Zeitschrift „Junge Freiheit“. Sie hatte zunächst im Internet einen regelrechten Sturm der Entrüstung gegen die beiden kirchlichen Amtsträger angefacht. Der eigentliche Sinn der Reise, die ökumenische Annäherung zwischen der evangelischen und katholischen Kirche im Vorfeld des Luther-Gedenkjahres 2017, geriet darüber komplett in den Hintergrund.

Verwirrung gab es nun gestern auch nach der Veröffentlichung des Interviews mit dem Evangelischen Pressedienst über Äußerungen von Bedford-Strohm zur Abschiebung nicht anerkannter Asylbewerber. Befragt nach dem Leitantrag der CDU zur rascheren Abschiebung nicht anerkannter Asylbewerber, sagte er: „Es ist richtig, das Recht zu beachten.“ Wenn ein rechtsstaatliches Verfahren fair beendet wurde, müsse es auch die Möglichkeit der Rückführung geben.

Dass diese Meldung von der Agentur just am Morgen nach der Afghanistan-Abschiebung verbreitet wurde, dürfte als unglücklicher Zufall zu werten sein. Bedford-Strohm ließ auch später eine Stellungnahme nachschieben, in der er ausdrücklich die erste Sammelabschiebung afghanischer Asylbewerber von seiner grundsätzlichen Bewertung ausnahm. Vor dem Hintergrund der schwierigen Sicherheitslage in Afghanistan habe die evangelische Landessynode in Bayern aus gutem Grund eine umgehende Überprüfung der Rückführungspolitik und die Aussetzung der Abschiebungen gefordert. „Solange es erhebliche Zweifel an der dortigen Sicherheit gibt, bleiben Abschiebungen nach Afghanistan problematisch.“ Im Interview hat Bedford-Strohm auch vor einer „postfaktischen Gesellschaft“ gewarnt. „Wenn Fakten durch Emotionen einfach weggefegt werden können, geht die Grundlage für den demokratischen Diskurs verloren.“

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