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Der Landesverband Sachsen-Anhalt des FDP-Nachwuchses Junge Liberale will das Schlachtverbot für Hunde und Katzen aufheben.(Archivbild).

Landesverband Sachsen-Anhalt

Jung-FDP will Hunde und Katzen schlachten lassen

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München - Der FDP-Nachwuchs will das Schlachtverbot für Hunde und Katzen aufheben - zumindest fordert das ein Landesverband der Jungen Liberalen. Denn: In anderen Kulturen werden die Tiere auch gegessen.

Nein, unter Tierfreunden wird der FDP-Nachwuchs mit diesem Vorstoß sicher keine verlorengegangenen Wähler für die Partei zurückgewinnen. Der Landesverband der JuLis aus Sachsen-Anhalt hat allen Ernstes gefordert, dass auch Hunde und Katzen in Deutschland in den Kochtopf kommen dürfen.

Auf der Webseite der Partei findet sich die unmissverständliche Forderung: "Schlachtverbote aufheben – Auch Hunde kann man essen: Die Jungen Liberalen fordern die Aufhebung des Schlachtverbots für Hunde und Katzen".

Diesen Antrag hatte der FDP-Nachwuchs auf seinem Bundesdelegiertenkongress im Juni zu behandeln. Monatelang ist dieser Vorstoß keinem aufgefallen. Nun hat der "Kölner Express" diese Forderung entdeckt.

Die Begründung des FDP-Nachwuchses: Das Schlachtverbot für Hunde und Katzen in Deutschland sei "lediglich durch merkwürdige Moralvorstellungen zu erklären. [...] Vielmehr stellt dieses Verbot eine Diskriminierung anderer Kulturen dar, in denen Fleisch der genannten Tiere als Delikatesse gilt."

Sie waren die Chefs der FDP

Sie waren die Chefs der FDP

Nach dem Express-Bericht erlebte die Facebook-Seite der Jungen Liberalen in Sachsen-Anhalt erwartungsgemäß einen Shitstorm sondergleichen.

"Sagt mal geht's noch?", fragt Petra Birnbacher. "... da macht sich bei mir Fassungslosigkeit breit. Vielleicht bezieht ihr dazu mal Stellung! Wer kommt denn wohl auf solche hirnrissigen Ideen. Schämt euch!!!"

Ruppi V Earthling wettert: "Das ALLERLETZTE IST DAS!!!! Wir kämpfen ständig für die Schließung aller Schlachthöfe und ihr macht tatsächlich den Vorschlag, dass das Schlachtverbot für Hunde und Katzen aufgehoben werden soll???"

Anke KaPunkt schreibt: "Ihr habt ja wohl den Schuss nicht gehört. Bei solchen 'Forderungen' hoffe ich, dass diese Partei nie wieder irgendeine Stimme bekommt."

Kaludia de Mür fragt provokant: "es gibt auch noch kulturkreise in den kannibalismus praktiziert wird... ich meine, warum werfen wir diese moralvorstellung nicht auch über bord?? .... TICKT IHR NOCH SAUBER??"

Landesverband verteidigt Forderung

Am Donnerstagnachmittag hat der Landesverband via Facebook die umstrittene Forderung nochmals verteidigt: "Wir setzen uns gegen Ernährungsvorschriften wie den Veggie-Day ein. Das heißt nicht, dass wir gerne Hund und Katze essen oder andere Menschen dazu veranlassen oder gar zwingen wollen. Das heißt nur, dass wir niemandem vorschreiben wollen, welches Tier legal geschlachtet werden soll. Denn die zurzeit geltende gesetzliche Regelung unterscheidet willkürlich und ohne konkrete Gründe zu nennen zwischen schlachtbaren und nicht schlachtbaren Tieren."

Damit nicht genug: Der Landesverband will den umstrittenen Antrag nach eigenen Angaben beim nächsten Bundeskongress des FDP-Nachwuchses wieder einbringen. Auf Facebook kündigen die JuLis an: "Der Antrag bleibt [...] Beschlusslage in Sachsen-Anhalt und wird daher zum nächsten Bundeskongress wieder eingereicht. Er ist daher noch nicht vom Tisch."

JuLi-Bundesverband gegen Vorstoß

Mittlerweile hat auch der Bundesverband der Jungen Liberalen auf den Shitstorm reagiert. In einer Pressemitteilung mit dem Titel "Haustiere besser schützen, nicht essen!" betont JuLi-Bundesvorsitzender Alexander Hahn: “Wir Junge Liberale mögen Haustiere, allerdings nicht auf dem Teller. Ganz im Gegenteil: Wir wollen sie – insbesondere Hunde und Katzen – gesetzlich noch besser schützen."

Allerdings geht aus der Pressemitteilung auch hervor, dass das Thema für den FDP-Nachwuchs noch nicht erledigt ist. Denn der umstrittene Antrag "wurde an den Arbeitskreis 'Innen und Recht' verwiesen und wird - wie jeder andere verwiesene Antrag auch - anschließend im erweiterten Bundesvorstand diskutiert und angenommen oder abgelehnt."

Ob die FDP mit solchen Themen wieder über die Fünf-Prozent-Hürde kommt? Gegenüber Spiegel Online will die Presseabteilung der Mutterpartei FDP der Forderung jedenfalls keine klare Absage erteilen: "Dazu äußern wir uns nicht. Das spricht für sich, das ist eine Sache der Julis." 

fro

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