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Griechenland wählt neues Parlament: Der amtierende Premier Alexis Tsipras nach der Stimmabgabe am Sonntag.

Griechen wählen Premier Tsipras ab

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Mit der Abwahl von Alexis Tsipras und seiner Linksregierung haben sich die Griechen zwar einen Kurswechsel entschieden. Doch die Odyssee geht weiter, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Das Drama ist eine griechische Erfindung. Kein Wunder, dass sich keiner so gut darauf verstand wie Alexis Tsipras. Mehrere EU-Gipfel brachte die Athener Drama-Queen an den Rand des Nervenzusammenbruchs, seine Hellenen schickte er auf eine emotionale Berg- und Talfahrt mit dem unhaltbaren Versprechen, die Sparpolitik zu beenden. Jetzt haben die Griechen das verloren, wovon sie noch weniger haben als Geld: die Geduld. Nach viereinhalb Jahren ist für ihn und seine Linksregierung Schluss.

Die Aufschwung-Prophezeiungen haben sich nicht erfüllt 

Richtig: Dem Land geht es heute besser als bei Tsipras’ Amtsantritt. Die Arbeitslosenquote ist von 27 auf 19 Prozent gesunken, der Staat erwirtschaftet Überschüsse und hat den Rettungsschirm verlassen. Aber die Fortschritte der Griechen sind viel kleiner als die der portugiesischen, spanischen und lettischen Leidensgenossen. Viele Bürger haben zwei Jobs und leben doch am Existenzminimum. Die Aufschwung-Prophezeiungen der Regierung haben sich nicht erfüllt. Die Mittelklasse hat ihre Träume verloren.

Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Jetzt soll’s mit Kyriakos Mitsotakis ausgerechnet wieder ein Spross der alten konservativen Machtelite richten. Er verspricht Bürokratieabbau, Steuersenkungen für Betriebe und ein wirtschaftsfreundlicheres Klima – alles neoliberales Teufelszeug aus Sicht von Tsipras und seinen Sozialisten, die sich lieber dafür feierten, dass sie zuvor entlassene Putzfrauen wieder in den Staatsdienst übernahmen. Die Odyssee geht weiter. Nach Giorgos Papandreou, Antonis Samaras und Alexis Tsipras ist Mitsotakis an der Reihe, das Staatsschiff heim nach Ithaka zu steuern. Ihn begleiten wie einst Odysseus die guten Wünsche der Göttin Kalypso und vieler Europäer: „Nun Glück auf die Reise.“

Sie erreichen den Autor unter georg.anastasiadis@merkur.de

Lesen Sie auch: Kein Kreuz für Populisten: Griechen wählen wohl die Mitte

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