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Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.

Keine Ausbeutung

Nahles: Schutz für Arbeitnehmer weltweit umsetzen

Frankfurt am Main - Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat sich am Montag für weltweiten Arbeiterschutz ausgesprochen. Deutschland solle nicht von schlechten Arbeitsbedingungen profitieren.

Die Industrieländern müssen sich aus Sicht von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) stärker für den Schutz von Arbeitnehmern weltweit einsetzen. Das gelte auch für die, die durch den Welthandel von schlechten Arbeitsbedingungen in anderen Ländern profitieren, sagte die Ministerin beim Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit am Montag in Frankfurt.

Mit Blick auf das verheerende Unglück in einer Textilfabrik in Bangladesch sieht Nahles die reicheren Staaten und die Unternehmen in der Pflicht, die im Ausland aktiv sind: „Körperliche Unversehrtheit ist keine Frage der Rendite, sondern ein Menschenrecht.“ Allen Verantwortlichen müsse klar gemacht werden, dass Arbeitssicherheit in Wirklichkeit Wettbewerbsvorteile bringe.

Auch den Verbrauchern sprach die Ministerin ins Gewissen: „Es kann uns nicht egal sein, dass in anderen Ländern Menschen sterben, weil die Arbeitsbedingungen so schlecht sind, und wir die Billigprodukte ohne darüber nachzudenken konsumieren.“

Weltweit sterben nach Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) jedes Jahr 2,3 Millionen Menschen durch arbeitsbedingte Krankheiten und Arbeitsunfälle. Hinzu kommen Tag für Tag rund 860 000 Verletzungen durch Arbeitsunfälle. „Viele Menschen haben nur die Wahl zwischen Armut und lebensgefährlicher Arbeit“, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder in Frankfurt.

Die ILO schätzt die direkten und indirekten Kosten auf 2,8 Billionen Dollar (rund 2,12 Billionen Euro) weltweit. „Diese Zahlen sind nicht hinnehmbar, trotzdem nimmt die Welt die Tragödien kaum wahr, die sich jeden Tag am Arbeitsplatz ereignen“, sagte Ryder. Schwere Arbeitsunfälle seien vor allem menschliche Tragödien, aber auch Wirtschaft und Gesellschaft zahlten einen hohen Preis.

In Deutschland sind die Arbeitsbedingungen zwar viel besser als in einigen Schwellen- und Entwicklungsländern. Trotzdem starben im vergangenen Jahr auch hierzulande 455 Menschen durch Arbeitsunfälle - 45 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Unfälle ging um 1,2 Prozent auf 874 514 zurück, wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) mitteilte.

Die Zahl der Beschäftigten, die wegen ihres Berufs erkrankten, stieg nach Zahlen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen dagegen um 2,6 Prozent auf 36 202 Betroffene. Hauptgrund waren Hauterkrankungen. 2343 Versicherte starben infolge einer Berufskrankheit (minus 4,5 Prozent) - wie in den Vorjahren waren asbestbedingte Erkrankungen die Haupttodesursache.

Experten aus aller Welt diskutieren bis Mittwoch (27. August) in Frankfurt auf dem XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, wie sich die Arbeitssicherheit verbessern lässt. Der Kongress findet alle drei Jahre in einem anderen Land statt. Die Veranstalter - die Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Internationalen Vereinigung für soziale Sicherheit (IVSS) und der DGUV erwarten rund 4000 Teilnehmer aus 139 Ländern.

dpa

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