Große Sorgen im Nahost-Konflikt

Hamas gegen Israel: Warum es jetzt so heftig zwischen Gaza und Jerusalem eskaliert - „Sind mitten im Kampf“

  • Patrick Mayer
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Der Nahost-Konflikt zwischen Palästinensern und Israel erfährt rund um den Gazastreifen und Jerusalem die größte Eskalation seit Jahren. Was dahintersteckt.

München/Jerusalem/Tel Aviv - Anfang Mai 2021 entfacht der Nahost-Konflikt in Israel und der Hamas aus dem Gazastreifen in unerwarteter Härte von Neuem. Die militante palästinensische Terrororganisation Hamas feuert hunderte Kurzstrecken Raketen auf Israel, die israelische Luftwaffe antwortet darauf mit schweren Luftschlägen gegen die Palästinensergebiete.

Was hinter der neuesten Eskalation zwischen Gaza, Jerusalem und Tel Aviv steckt. Und welche Seite wem was vorwirft. Ein Erklärungsansatz in Kürze:

Nahost-Konflikt zwischen Hamas und Israel: Jerusalem, Tempelberg, Scheich Jarrah - was dahintersteckt

  • Stadtteil Scheich Jarrah in Jerusalem: Das Stadtviertel Scheich Jarrah, wahlweise auch Scheich Dscharrah geschrieben, in Jerusalem gilt als ein Streitpunkt im schwelenden Nahost-Konflikt. Übereinstimmenden Medienberichten von Bild und F.A.Z. zufolge wurden dort zuletzt mehrere Wohnungen von Palästinensern unter Zwang geräumt. Palästinensische Familien mussten ihre Häuser verlassen, jüdische Siedler bezogen statt ihrer die Wohnungen, bewacht von schwer bewaffneten Sicherheitskräften. Beide Seiten beanspruchen das Stadtviertel für sich. Klagen palästinensischer Bewohner wurden vor Gericht zuletzt zurückgewiesen.
  • Die Rolle von Jerusalem: Zu Beginn der aktuellen Eskalation standen Ausschreitungen in Jerusalem. Laut F.A.Z. leben im sogenannten Becken um die geschichtsträchtige Altstadt rund 3000 israelische Siedler zwischen 100.000 Palästinensern. Immer wieder soll es zu gegenseitigen Provokationen kommen. Die Altstadt ist in armenisches Viertel, ein christliches Viertel, ein muslimisches Viertel und ein jüdisches Viertel unterteilt. Sowohl Palästinenser als auch Israel beanspruchen die Metropole mit ihren rund 900.000 Einwohnern als eigentliche Hauptstadt für sich.
  • Tempelberg, Klagemauer und Al-Aqsa-Moschee: Der Tempelberg stand am Anfang der Auseinandersetzungen im Zentrum. Hier stießen palästinensische Protestanten und israelische Sicherheitskräfte aufeinander. Dieser gilt wegen des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee (auch Al-Aksa-Moschee) als drittheiligste Stätte im Islam. Gleichzeitig befindet sich dort die für das Judentum sehr bedeutende Klagemauer. Anfang und Mitte Mai überschnitten sich laut ARD-Tagesschau zeitlich der Fastenmonat Ramadan der Muslime und der Jerusalem-Tag rechter Israeli rund um den Tempelberg, weswegen es zu gegenseitigen Provokationen kam.
  • Rolle der radikalislamischen Palästinenser-Organisation Hamas: Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, strebe die militante Hamas nach einer Führungsrolle unter den Palästinensern und fordere zu diesem Zweck Israel mit dem Raketenbeschuss heraus. Die Hamas gilt als isoliert, wird etwa auch vom südlichen Nachbarn Ägypten mit einer Blockade belegt. Der Gazastreifen mit seinen rund zwei Millionen Einwohnern litt zuletzt stark unter der Coronavirus-Pandemie, was die Lage zusätzlich angeheizt haben soll.
  • Politische Krise im Westjordanland: Schon länger tobt ein innerpalästinensischen Machtkampf. Laut SZ war die Fatah im Westjordanland, zuletzt politisch angeschlagen, weil der dortige Präsident Mahmud Abbas versprochene Parlaments- und Präsidentenwahlen aus Angst vor einer Niederlage abgesagt hatte. Die Hamas gehen auch wegen dieser politischen Krise des Rivalen in die Offensive, schreibt die Süddeutsche Zeitung weiter.
  • Politische Krise in Israel: Kritiker werfen dem israelischen Premier Benjamin Netanyahu laut Tagesschau vor, angeblich an einer Eskalation interessiert zu sein, weil er im Land seine Macht verliere. Netanyahu kündigte zumindest demonstrativ an, in Jerusalem für Recht und Ordnung sorgen zu wollen. In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Regierungskrisen und Neuwahlen unter Netanyahu in Israel gegeben. Seine Machtposition gilt als fragil, wenngleich er für sich beansprucht, den Frieden in der Region zu sichern. Nach der Eskalation erklärte der 71-Jährige jedoch: „Wir sind mitten im Kampf.“ Parallel schlägt er sich mit einer hochkomplizierten Regierungsbildung herum.

Anmerkung: Dieser Artikel wurde auf dem Stand vom 11. Mai 2021 verfasst. Der Nahost-Konflikt zwischen Hamas und Israel unterliegt aktuell einer großen Dynamik, immer wieder kommen neue Entwicklungen hinzu. (pm)

Rubriklistenbild: © JACK GUEZ / AFP

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