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Zum Verwechseln ähnlich: links das Double, rechts die echte Natascha Kohnen.

Vor dem Parteitag 

Natascha Kohnen ist die Hoffnungsträgerin der Bayern-SPD

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Natascha Kohnen steht kurz vor der Nominierung zur Spitzenkandidatin der SPD. Beim Ausbau ihrer Bekanntheit ist sie gut vorangekommen. Dafür zwingt die GroKo in Berlin sie zu einem Strategiewechsel im Bayern-Wahlkampf.

München – Manchmal kann der Spott gar nicht groß genug sein. Am Nockherberg, die Mama Bavaria derbleckte gerade die SPD, hob Natascha Kohnen im Publikum den rechten Zeigefinger. Sie schüttelte ihn und blickte finster in die Kamera. Du, du, sollte das wohl heißen, komm mir bloß nach Hause! Das Funkeln in ihren Augen sagte aber noch etwas anderes: Mach jetzt bloß noch weiter. Je mehr Spaß, desto besser!

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1,89 Millionen Bayern sahen Kohnens scherzhafte Empörung im Fernsehen, vor allem aber sahen sie, wie ihr Double im Singspiel herumhüpfte und jodelte – und zwar so gut, dass man das Original im Publikum und die Fälschung auf der Bühne beinahe verwechselte. Das wirkt. „Ungemein sympathische“ und vor allem sehr zahlreiche Gespräche ergeben sich seitdem in München, sagt Kohnen. Im Café, in der U-Bahn – überall muss sie Wildfremden erzählen, dass ihre Jodelkünste in Wirklichkeit gar nicht so gut sind. Vorbei sind die Zeiten, als die Chefin der Bayern-SPD, 50, noch unter dem Radar der Öffentlichkeit durch das MVG-Netz schwirrte.

Kohnen will am Samstag Spitzenkandidatin werden

Dieser Sprung auf der Bekanntheitsskala kommt gerade rechtzeitig zum SPD-Parteitag am heutigen Samstag in der Olympiahalle. Kohnen will sich dort zur Spitzenkandidatin wählen lassen und den Landtagswahlkampf einläuten, der zur Schicksalsfrage werden dürfte für die Sozialdemokratie in Bayern. Die SPD muss dringend aus ihrem 16-Prozent-Umfrageloch heraus. Das kann nur mit einer Spitzenkandidatin gelingen, die man kennt.

Kohnen gilt als ehrlich und, ganz wie im Singspiel, manchmal etwas zurückhaltend. In den Wahlkampf will sie deshalb auch ohne Knüppel ziehen, sondern mit Argumenten gegen CSU und AfD kämpfen. Markus Söder habe ihren Stil inzwischen verstanden, sagt sie selbst. So recht weiß die CSU aber noch nicht, was sie mit Kohnen anfangen soll: Sie sei nett, sehr nett sogar, sagt einer von ganz oben. Aber halt ohne Regierungsformat. Typisch CSU.

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Möglicherweise ist diese Interpretation auch etwas blauäugig. Denn Natascha Kohnen kann deftig, wenn sie muss: Ein Wutausbruch bei ihrer Landtagsrede zum Thema Flüchtlinge wurde im Sommer im Internet zum Hit, und vor zwei Wochen überschlug sich ihre Stimme in der Debatte um den Verkauf der GBW-Wohnungen. „Ich habe im Lauf der Rede gemerkt, wie sehr mich das Thema bewegt“, sagt sie. „Das Problem Wohnen kann man lösen. Aber die CSU kriegt es nicht auf die Reihe.“

Die „Kohnen-Plus-Tour“

Emotional und gefühlvoll soll auch der Wahlkampf werden. Wohnen, Kita-Betreuung und den Wandel am Arbeitsmarkt hat sich die SPD als Themen herausgepickt, erstmals vorgestellt werden die Schwerpunkte am Parteitag. Genau wie die Kampagne, die Kajo Wasserhövel entwickelt hat – ein Ex-Stratege von Gerhard Schröder. Ein Clou: Die „Kohnen-Plus-Tour“, sozusagen das Pendant zur Reihe „Söder persönlich“. Nur dass Söder über sich plaudert, während Kohnen über Themen sprechen will. Beim ersten Termin in Nürnberg steht Ex-Bundesfamilienministerin Renate Schmidt an ihrer Seite.

Bei solchen genau geplanten Arrangements zeigt sich, welch gute Netzwerkerin Kohnen ist. Bis in die Tiefen der Bundes-SPD knüpft sie Kontakte und schmiedet in Bayern Bündnisse. Der Preis dafür: Sie vernachlässigt hin und wieder die Öffentlichkeitsarbeit. Florian von Brunn, vor zehn Monaten Konkurrent um den Landesvorsitz, sagt: „Die Partei steht geschlossen hinter ihr.“

Kritik gibt es nur noch vereinzelt, zum Beispiel beim Stichwort GroKo. Kohnen und der traditionell links ausgerichtete Landesverband waren erst dagegen, dann verhandelte sie in Berlin den Koalitionsvertrag mit und warb anschließend für Zustimmung. Einige Jusos nehmen ihr diesen Schwenk übel. Großartigen Widerspruch gibt’s aber auch nicht.

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Dafür verhagelt ihr die GroKo ein wenig die Wahlkampfstrategie. Kohnens rasanter Aufstieg – von der bayerischen Generalsekretärin zur Vizechefin der Bundes-SPD in einem Jahr – sollte dazu dienen, ihr die Türen zu den Talkshows zu öffnen. Dort kann sie nun aber keine harte Oppositionslinie fahren, weil die SPD wieder in der Regierung sitzt. „Kein Dilemma“, sagt Kohnen. „Wir müssen eben regieren und es hinkriegen, die sozialen Themen umzusetzen.“ Beste Werbung sei das – nach dem Nockherbergspektakel natürlich.

Sebastian Dorn

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