Mitglieder der Nationalgarde marschieren zum Einsatz in New Orleans.
+
Mitglieder der Nationalgarde marschieren zum Einsatz in New Orleans.

Soldat, Polizist, Katastrophenhelfer

Nationalgarde in den USA: Was ist das - und wer befehligt die Paramilitärs?

  • Robert Märländer
    vonRobert Märländer
    schließen

Die Nationalgarde ist in den USA eine Unterstützung für die Streitkräfte - aber nicht nur. Die Aufgaben erinnern teils an das deutsche THW.

Arlington - An einer Schnittstelle zwischen Militär, Polizei und Katastrophenhilfe agiert in den USA die Nationalgarde als eigenständige Institution. Ihre Aufgaben haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 1903 verändert. Auf der einen Seite ist die Nationalgarde eine Hilfstruppe für Notfälle aller Art im eigenen Land. Andererseits leisteten die Gardisten auch schon langfristigen Dienst bei den Kriegseinsätzen im Irak und in Afghanistan.

Verhältnis von Nationalgarde und Streitkräften in den USA

Die Nationalgarde ist eine paramilitärische Organisation. Sie gehört also trotz ihres militärischen Charakters nicht den regulären Streitkräften der Vereinigten Staaten an. Zu den Streitkräften (United States Armed Forces) gehören heute US Army, US Air Force, US Navy, US Marine Corps, US Coast Guard und US Space Force. Wer in der US-Nationalgarde seinen Dienst leistet, gehört zu den Reservisten, wobei es diesen Status nicht nur dort gibt. Sowohl auf Bundesebene als auch in den einzelnen Bundesstaaten gibt es weitere Reservisten-Organisationen.

In den USA gibt es eine lange Tradition, in den einzelnen Bundesstaaten Milizen aufzustellen. Mit der Gesetzgebung im „Militia Act 1903“ wurde die Grundlage geschaffen, die Milizen in einer Nationalgarde über die Grenzen der Bundesstaaten hinweg zu organisieren. Der Bund hat seinen Einfluss auch dadurch gesichert, dass der sich an der Finanzierung der Garde beteiligt. Heute teilt sich die Nationalgarde in die Army National Guard (Heer) und die Air National Guard (Luftwaffe), die in der übergreifenden Struktur des National Guard Bureau in Arlington zusammengefasst werden. Es besteht jeweils eine enge Verzahnung mit der US Army und der US Air Force. Die Ausbildung der Gardisten erfolgt gemeinsam mit den Soldaten der Streitkräfte.

Befehlsgewalt über Nationalgarde durch Gouverneure und US-Präsident

Grundsätzlich ist die Nationalgarde eine Einrichtung der Bundesstaaten, auch wenn es eine bundesstaatliche Koordination gibt. Den Befehl über die Einheiten hat deshalb der Gouverneur des Bundesstaates. Ein Zweck der einheitlichen Organisation war es aber auch, die Truppen im Falle eines nationalen Notstands für den Oberbefehl des US-Präsidenten verfügbar zu halten.

Die wenigsten Mitglieder der Nationalgarde in den USA können als hauptberufliche Soldaten bezeichnet werden. Sie gehen als Reservisten eine Dienstverpflichtung ein, deren Inhalt zu einem feststehenden Ausdruck geworden ist: „Ein Wochenende pro Monat und zwei Wochen pro Jahr“ heißt der Spruch, der in den USA beschreibt, wie viel Zeit der Dienst in der Nationalgarde für die aktiven Mitglieder beansprucht. Es sind aber auch andere Laufbahnen möglich, die denen eines Soldaten der Streitkräfte entsprechen.

Einsatzgebiete der Nationalgarde: Unruhen, Kriege, Naturkatastrophen

Es lassen sich drei Aufgabengebiete grob unterscheiden: Eingreifen bei gewalttätigen Ausschreitungen, Hilfe bei Katastrophenfällen und der Einsatz in Kriegsgebieten. Die Kompetenzen und die Handlungen der Nationalgarde waren dabei teils bejubelt und teils umstritten.

Als Eingreiftruppe mit schwerem Gerät, hat sich die Nationalgarde bei zahlreichen Katastrophenfällen bewährt. So zum Beispiel nach dem Hurrikan Katrina, als über 50.000 Mann im Einsatz waren, um Aufräumarbeiten zu leisten und die örtliche Polizei zu unterstützen. Eine kritische Betrachtung entstand vor allem durch bewaffnete Einsätze in ganz anderem Kontext. Ein Tiefpunkt war ein Einsatz im Bundesstaat Ohio, bei dem 1970 vier Studenten von Mitgliedern der Nationalgarde erschossen wurden. Die Studenten hatten gegen den Vietnamkrieg demonstriert und waren unbewaffnet. Auch Einsätze ohne Todesopfer bleiben negativ in Erinnerung. So wurde 1957 die bewaffnete Nationalgarde eingesetzt, um schwarze Schüler am betreten einer „weißen“ Schule zu hindern.

Mit dem militärischen Eingreifen im Irak und in Afghanistan änderten sich die Anforderungen an die Nationalgarde noch einmal drastisch. Einsätze im Kriegsgebiet waren zwar zuvor bereits möglich, aber nur für wenige Monate. Die maximale Dienstzeit wurde im „Krieg gegen den Terror“ auf bis zu 24 Monate erhöht. Zur Unterstützung der Streitkräfte griff die Regierung unter US-Präsident George W. Buch auch tatsächlich verstärkt auf die Gardisten zurück. Mehr als 700.000 von ihnen waren für unterschiedliche Zeiträume in den beiden Ländern stationiert. (rm)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare