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Nato-Geheimbericht zeigt Russlands schwache Lage

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Von: Bettina Menzel

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Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg inspiziert am 26. August eine Ehrengarde auf einem kanadischen Luftwaffenstützpunkt. © IMAGO/Jason Franson

Ein Nato-Geheimbericht sieht Russland nicht in der Lage, taktische Erfolge auszunutzen. Die Fronten im Ukraine-Krieg seien verhärtet, es drohe ein Stellungskrieg.

Brüssel - Als Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine überfiel, glaubte Wladimir Putin offenbar, die Hauptstadt Kiew in wenigen Tagen einnehmen zu können. Doch der Ukraine-Krieg dauert bereits sechs Monate an - Kiew ist nicht gefallen und auch die Fronten im Süden und Osten scheinen festgefahren. Der Konflikt könnte sich nun in einen Stellungskrieg verwandeln, wie aus einem Geheimbericht der Nato vom vergangenen Montag (22. August) hervorgeht, der Business Insider vorliegt.

So sieht der Nato-Geheimbericht den weiteren Kriegsverlauf im Osten und Süden

Die fehlgeschlagene Einnahme der ukrainischen Hauptstadt Kiew war der erste Rückschlag in Russlands Plan, die Ukraine zügig einzunehmen. Seither konzentrieren sich die russischen Truppen auf den Osten und Süden des Landes. Doch offenbar dürfte auch das nicht viel Erfolg verheißen, wie nun ein Nato-Geheimbericht nahelegt. „Russland wird vermutlich in der Lage bleiben, kleinere Gebietsgewinne zu erzielen, aber ist nicht fähig, taktische Erfolge auszunutzen“, hieß es in einer Analyse des Nato-Nachrichtendienstzentrums Joint 2 vom 22. August, über die Business Insider mehrfach berichtete.

Demnach gebe es im Osten der Ukraine eine „erbitterte Artillerieschlacht“, in der allerdings keine der beiden Kriegsparteien signifikante Gebietsgewinne erzielt habe, „auch wenn Russland in den kommenden zwei Wochen womöglich kleine Gebiete im Donbass durch Artilleriefeuer, Luftattacken und den Einsatz von Infanteriekompanien einnehmen wird.“ Vom Schwarzen Meer aus könnte Russland demnach mit Lenkwaffen des Typs „Kalibr“ vereinzelte Angriffe auf Kiew starten. Im Süden der Ukraine könnten die Streitkräfte Putins dem Nato-Bericht zufolge keine „signifikanten offensiven Operationen“ durchführen.

Schon aus vorherigen Nato-Berichten ging hervor, dass in der Ukraine ein Abnutzungskrieg mit statischen Frontverläufen drohen könnte. Der Militärexperte Carlo Masala hatte bereits im Mai gewarnt, dass ein solcher Stellungskrieg eine Gefahr darstelle. Denn der Ukraine-Krieg drohe dann zum „vergessenen Krieg“ zu werden - mit schwerwiegenden Konsequenzen für das Land.

Nato-Geheimbericht: Russland zieht offenbar alle Kampfflieger von der Krim ab

Russland hat dem Nato-Geheimbericht zufolge nicht genügend Kräfte, „um einen erfolgreichen Durchbruch auf irgendeiner Achse zu erzielen.“ Die russischen Truppen würden im weiteren Kriegsverlauf deshalb vermutlich vor allem versuchen, die eigenen Kommunikationswege, Munitionslager und Luftwaffenstützpunkte zu sichern. Demnach wolle Russland etwa alle seine Kampfflugzeuge von der Krim abziehen. Bereits zehn Kampfflieger seien von der Halbinsel zurück auf russisches Staatsgebiet gebracht worden, etwa 32 weitere seien noch dort stationiert, so der Bericht weiter.

Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim hatte es auf russischen Militärstützpunkten vor Kurzem Explosionen gegeben. Die ukrainische Regierung hatte sich nicht offiziell dazu bekannt, aber angedeutet, dass weitere Angriffe bevorstünden. Die New York Times berichtete indes unter Berufung auf eine hochrangige Militärquelle, dass ukrainische Streitkräfte hinter dem Angriff stecken würden. Der Nato-Geheimbericht geht offenbar ebenfalls davon aus, dass die Ukraine für die Explosionen verantwortlich ist.

Dieser russische Krieg gegen die Ukraine, gegen das ganze freie Europa, hat mit der Krim begonnen und muss mit der Krim enden, mit ihrer Befreiung.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, am 9. August nach den Explosionen auf der Halbinsel Krim

Ukrainische Attacken auf Krim effektiv, doch jetzt muss „Offensive folgen“

Die ukrainischen Attacken auf der Krim hätten bereits ihren Effekt gehabt, hieß es demnach in dem Nato-Bericht weiter, aus dem Business Insider zitiert. Russland habe bereits die Zahl seiner taktischen Flugabwehrraketen auf der Krim erhöht, um sich gegen Drohnen-Angriffe zu verteidigen. Ukrainische Drohnen seien für die russischen Luftverteidigungssysteme aber schwer als Ziele zu erkennen, so die Nato Geheimdienstler. „Ein Problem, das sich durch die kompletten Streitkräfte zieht, die Russland in der Ukraine einsetzt.“

Die Ukraine müsse diesen Attacken nun „eine Offensive folgen lassen, um eine signifikante operationelle Wirkung zu erzielen“, raten die Nato-Experten. Möglicherweise versucht die Ukraine nun genau das. Denn gerade hat die ukrainische Armee eine Großoffensive zur Rückeroberung der besetzten Region Cherson im Süden des Landes gestartet.

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