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Nach dem blutigen NATO-Luftangriff in Afghanistan wachsen die Spannungen zwischen den Bündnispartnern Deutschland und USA.

NATO-Luftangriff: Bundeswehr schließt Konsequenzen nicht aus

Berlin - Zunächst hieß es, der von der Bundeswehr angeordnete Angriff auf zwei Tanklaster in Afghanistan sei „millitärisch angemessen“ gewesen. Trotzdem schließt die Bundeswehr Konsequenzen nicht aus.

Die Bundeswehr behält sich vor, aus dem geheimen NATO-Bericht über die verheerende Bombardierung zweier Tanklastzüge in Afghanistan doch noch Konsequenzen zu ziehen. Wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Christian Dienst, am Freitag sagte, war der Kommentar von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan zu dem Bericht nur eine “Erstbewertung“.

Schneiderhan hatte sich am Donnerstag hinter den deutschen Befehlshaber Georg Klein gestellt, der die Luftangriffe angefordert hatte. Dabei waren laut NATO-Bericht zwischen 17 und 142 Menschen getötet oder verletzt worden. Der Bericht werde noch übersetzt und dann den Fraktionsvorsitzenden im Bundestag zugeleitet, sagte Dienst.

Der blutige Angriff in Kundus

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“Wenn es Konsequenzen zu ziehen gibt, werden die auch gezogen werden“, beteuerte er unter Berufung auf den neuen Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstütze “voll und ganz“ die Haltung Guttenbergs, dass eventuell erforderliche Schlussfolgerungen gezogen werden müssten. Dienst sagte, die detaillierte Auswertung des 75-seitigen Berichts mit 500 Seiten Anlagen “nimmt naturgemäß Zeit in Anspruch“.

Schneiderhan, der die Bombardierung als angemessen gewertet hatte, habe eine Erstbewertung vorgenommen. Es wäre vorschnell, jetzt schon Konsequenzen aus den Luftangriffen vom 4. September zu ziehen. Es geht dabei unter anderem um die Frage, ob nur Aufständische oder auch Zivilisten zu den Opfern der Luftangriffe am Fluss Kundus zählten.

Die enorme Bandbreite möglicher Toter und Verletzter ist auf die verschiedenen Quellen zurückzuführen, die die NATO ausgewertet hat. Die Opposition fordert, den geheimen Bericht öffentlich zugänglich zu machen. “Die Wegduck-Politik der Bundesregierung zum Bombenangriff von Kundus ist eine gravierende Missachtung parlamentarischer Kontrollrechte“, kritisierte der verteidigungspolitischer Sprecher der Linksfraktion, Paul Schäfer, am Freitag erneut.

AP

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