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Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (CSU).

Mindestens 783.000 Euro

Nebentätigkeit im Bundestag: Verdiente er am meisten?

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München - Geht es nach der Statistik, dann ist er der Abgeordnete mit dem dicksten Konto: Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (CSU) nahm nach offiziellen Bundestagsdaten vergangenes Jahr mindestens 783.000 Euro ein – neben den Diäten. Die Statistik allerdings hakt aber.

Der Oberpfälzer ist Landwirt, herangezogen werden nur seine unsaldierten Einnahmen. Wir haben mit dem 63-Jährigen aus Regensburg darüber gesprochen.

Graf Lerchenfeld, Sie stehen gerade groß in einigen Schlagzeilen. Sind Sie der größte Abgreifer des Bundestags?

Naja – Abgreifer ist ein bisschen übertrieben. Ich habe einen landwirtschaftlichen Betrieb vom meinem Vater geerbt, den führe ich weiter. Er garantiert mir einen Teil meiner Unabhängigkeit.

Die Einnahmen sind sehr hoch. Stecken Sie das nebenher fröhlich ein?

Schön wär’s. Die Kosten, die damit verbunden sind, werden leider Gottes nicht dargestellt: Personal, Material, Saatgut, Düngemittel, Reparaturen, Abschreibungen. Der Gewinn aus der Landwirtschaft ist in Wahrheit deutlich niedriger, auch stark abhängig von den Saisonzeiten. Wenn da zehn bis 15 Prozent am Ende übrig bleiben, ist es schon gut. Und daraus werden dann noch die Investitionen für den Betrieb bestritten. Wenn ich mir anschaue, was heute landwirtschaftliche Maschinen kosten, ist das schon ein erheblicher Betrag.

Woher stammen die Einnahmen?

Das sind im Wesentlichen Verkäufe unserer Produkte: Zuckerrüben, Kartoffeln, Weizen. Wir haben etwa 300 Hektar in der Bewirtschaftung und machen nur Ackerbau, da sind die Erträge in unserer Gegend relativ gut.

"Der Vergleich hinkt natürlich"

Ist es aus Ihrer Sicht ein bisschen unfair, wie die Landwirte im Bundestag bei der Offenlegung der Nebeneinkünfte behandelt werden?

Naja, ich denke mir, es sollte zumindest eine Erläuterung gegeben werden. Unsere Einnahmen sind nicht gleichzusetzen mit Einnahmen aus schriftstellerischer Tätigkeit oder durch Vorträge. Der Vergleich hinkt natürlich. Ein Redner erhält sogar vielleicht noch die Fahrtkosten erstattet.

Würden Sie sich eine Neuregelung des Abgeordnetenrechts in der Frage wünschen, oder haben Sie einfach ein dickes Fell?

Eine Neuregelung würde nicht viel bringen. Es soll ja dargestellt werden, welche Geschäftsbeziehungen ein Abgeordneter unterhält. Dafür sind die Einnahmen schon das Richtige. Nur müsste dabei eben deutlich gemacht werden, dass das nicht die Gewinne sind.

Werden Sie selbst oft darauf angesprochen?

Ja, immer wieder. Meistens im Sommerloch, wenn diese Veröffentlichungen kommen. Es ist halt auch ein dankbares Thema für die Journalisten.

Grundsätzlich gefragt: Ist es gut oder schlecht, wenn ein Abgeordneter einen Nebenjob hat?

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass es vernünftig ist, eine andere Tätigkeit zu haben. Man ist dann nicht ausschließlich von seinem Mandat abhängig. Das gibt einem dann auch eine gewisse Unabhängigkeit, die ich begrüßenswert finde. Wenn jemand Beamter ist, wird er für das Mandat freigestellt und kann später wieder in seinen Beruf zurückkehren. Bei uns Selbstständigen und Landwirten ist das ein bisschen schwieriger.

Interview: Christian Deutschländer

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