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Neonazis in Hessen: Aufmarsch in Fulda geplant

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Das Bild stammt vom Tag der Verteidiger der Ukraine in Kiew: Der III. Weg nahm an der rechten Demo im Ausland teil. In der Mitte ist Matthias Fischer, stellvertretender Parteivorsitzender von "Der III. Weg" zu sehen. Er wurde 1977 in Brandenburg geboren und hat eine Malerlehre gemacht.
Das Bild stammt vom Tag der Verteidiger der Ukraine in Kiew: Der III. Weg nahm an der rechten Demo im Ausland teil. In der Mitte ist Matthias Fischer, stellvertretender Parteivorsitzender von "Der III. Weg" zu sehen. Er wurde 1977 in Brandenburg geboren und hat eine Malerlehre gemacht. © Serg Glovny/ZUMA Wire/dpa

Die rechtsextremistische Partei „Der III. Weg“ wehrt sich gegen Auflagen der Stadt Fulda für einen Fackelzug durch die Straßen am 16. Februar 2019. Doch wer steckt hinter der Partei?

Fulda - „Der III. Weg“ ist eine Kleinpartei, die vermutlich nur wenige kennen. In Fulda wird mit einer großen Gegendemo gerechnet. Die HNA* zeigt, was sich hinter "Der III. Weg" verbirgt und wo die Ursprünge liegen.

Der III. Weg: Aktivitäten

Das hessische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) beobachtet die Aktivitäten der Parteimitglieder schon seit einigen Jahren. Ihre Aktionen sind im Jahresbericht des LfV nachgezeichnet. In Beiträgen in sozialen Netzwerken hetzt die Partei gegen Flüchtlinge. Mitglieder und Sympathisanten verteilen zudem regelmäßig Flugblätter mit rassistischen Parolen. 2017 zogen Parteimitglieder mehrfach als „Nationale Streife“ durch Fulda. Bürger wurden von ihnen vor „fremdländischen Straftätern“ gewarnt. Ende August 2017 folgte eine Demonstration der Partei in Fulda, an der etwa 100 Personen teilnahmen. Auch in Bad Hersfeld und Alsfeld gingen Parteimitglieder auf die Straße. Ein Jahr zuvor versuchte die Partei erfolglos gegen die Auflösung eines rechtsextremistischen Fußballturniers in Ebersburg zu agitieren.

Der III. Weg: Geschichte

„Der III. Weg“ wurde im September 2003 in Heidelberg gegründet. Es folgten länderübergreifende Stützpunkte, auch in Hessen. „Der III. Weg“ hat bundesweit 500 Mitglieder, in Hessen lediglich 15 (Stand: Mitte Februar 2019) – dafür laut Verfassungsschutz aber einen größeren Sympathisantenkreis.

Welche Ziele hat "Der III. Weg"? 

In ihrer Broschüre formuliert die Partei als Ziel eine Revolution, die „zwar nicht mit Waffengewalt zu erzwingen ist, wenngleich es nötig sein kann, dass einige Scheiben zerbrechen“. In ihrem „10-Punkte-Programm“ nennt die Partei als ihr Ziel, „die Schaffung eines deutschen Sozialismus, fernab von ausbeuterischem Kapitalismus wie gleichmacherischem Kommunismus“. Daraus leitet sich auch der Name „Der III. Weg“ ab.

Wer sind die Mitglieder von "Der III. Weg"?

Unter den Parteimitgliedern, die überwiegend dem neonazistischen Spektrum entstammen, finden sich Personen aus dem Umfeld der verbotenen Gruppierung Freies Netz Süd (FNS), der völkisch geprägten Neonazi-Szene sowie frühere Mitglieder der NPD. In Hessen tritt besonders der stellvertretende Bundesvorsitzende Matthias Herrmann in Erscheinung. Herrmann zählt zum früheren Kader des Aktionsbüro Rhein-Neckar, einem losen Bündnis, in dem sich Neonazi-Gruppen aus der Pfalz, Südhessen und Baden ab 2003 etwa zehn Jahre lang abstimmten.

Herrmann ist in Jena aufgewachsen, kam mit elf Jahren nach Mannheim, lebte später auch in Ludwigshafen und Bad Dürkheim. Damalige Wegbegleiter werfen ihm vor, 30.000 Euro aus der NPD-Kasse gestohlen zu haben, um die Partei „Der III. Weg“ zu gründen. Auch im Zusammenhang mit der Verteilung von Schulhof-CDs war Hermann aktiv, wie aus dem wissenschaftlichen Sammelband „Strategien der extremen Rechten“ hervorgeht. Mit rechtsextremistischen Liedern sollten junge Leute an Schulen, Jugendtreffs und Bushaltestellen geködert werden. Demnach ließ die Anwältin Gisa Pahl 2004 Herrmann ein juristisches Gutachten zukommen und bewegte ihn zum Austausch einzelner Titel auf der CD.

Lesen Sie auch: Mutmaßlicher Nazi-Skandal bei Polizei - Offenbar erneut Drohschreiben für Anwältin

Der III. Weg mit NSU-Verbindung?

Herrmann wurde im Zuge der Aufarbeitung der Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) als Zeuge im Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags vernommen, wie die „Die Rheinpfalz“ berichtete. Als Funktionär des Aktionsbüro Rhein-Neckar hatte Hermann demnach Kontakt zum NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben, wie er vor dem Ausschuss selbst einräumte. Wohlleben betreute damals den Internetauftritt des Aktionsbüros. Ebenso bestätigte Herrmann Kontakte zu mehreren Personen, die dem NSU-Unterstützerkreis zugerechnet werden.

Der III. Weg beim Verfassungsschutz: Völkisches Menschenbild

Der hessische Verfassungsschutz stuft die Partei „Der III. Weg“ als rechtsextremistische Gruppierung ein, die „ein völkisch-antipluralistisches Menschen- und Gesellschaftsbild“ propagiert. Nach außen hin sei die Partei bestrebt, die rechtlichen Anforderungen zur Aufrechterhaltung des Parteienstatus zu erfüllen, heißt es von den Verfassungsschützern. Ihre Agitation sei mehr auf Aktionen ausgerichtet als auf Wahlen. Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele schließe die Partei nicht aus. Dies zeige die Kontaktpflege zu nationalistischen Gruppen im Ausland, etwa der Besuch des ukrainischen Azow-Bataillon, einer paramilitärischen Einheit, sowie eigens inszenierte Selbstverteidigungskurse.

Von Daniel Göbel

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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