Nur zu Besuch: Thomas Hacker nahe dem Landtag. schlaf

Vor dem Parteitag

Neubeginn für Bayerns FDP

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München - Nach dem Debakel will sich die FDP wieder aufrappeln. Keine liberalen Abgeordneten mehr in Bund und Bayern, der Vorstand abgetreten. Ein halbes Jahrzehnt ehrenamtliche Aufbauarbeit liegt vor der Partei. Thomas Hacker ist bereit.

Die Apo ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Früher trug die außerparlamentarische Opposition Palästinensertuch, warf Flugblätter und brüllte dazwischen. Heute sitzt sie in Anzug und Krawatte auf der Pressetribüne des Landtags und unterdrückt mühsam ein Gähnen. Dienstag vergangener Woche im Parlament: Thomas Hacker, frisch abgewählter FDP-Fraktionschef, will hören, wie sich Horst Seehofer am Rednerpult durch seine Regierungserklärung schleppt. Hacker schüttelt den Kopf und murmelt etwas von „frühkindlicher Bildung“.

Leicht ist es sicher nicht, machtlos den Nachfolgern zuzuschauen. Es gibt gestandene Ex-Minister, Wolfgang Heubisch zum Beispiel, die sich seither vom Parlament fernhalten. Hacker aber wirkt noch nicht mal gequält. Er hat es eh nicht so mit den großen Emotionen. Am siegreichen Wahlabend 2008 fragte ihn der Reporter von Oberfranken-TV verdutzt: „Warum freuen Sie sich nicht?“ Nach den desaströsen Wahlabenden 2013 fragt man sich: Warum will er noch in der Politik bleiben?

Er sagt etwas von „Überzeugungstäter“ auf diese Frage, erzählt, wie er 1995 in die FDP eintrat – kurz nach dem vorletzten Rauswurf der Fraktion aus dem Landtag. Wer eintritt, wenn die Partei darniederliegt, will auch jetzt Verantwortung übernehmen.

Dass Hacker das Ehrenamt bekommt, gilt als sicher. Der 46-Jährige aus Bayreuth ist in der Partei nicht unumstritten. Als er die 16-köpfige Landtagsfraktion führte, krachte es dort regelmäßig. Mehrere Abgeordnete warfen hin. Kritiker klagen, mit dem mantra–mäßig vorgetragenen Wahlziel von 8,4 Prozent in Bayern habe Hacker die Partei geblendet. 3,3 waren es am Ende. „Was hat der für ein politisches Feingefühl?“, fragen sie.

Er aber ist der einzige Kandidat auf dem Landesparteitag am Wochenende. Der erfahrene Heubisch und der unkonventionelle ehemalige Landesgruppenchef Horst Meierhofer, die zunächst Interesse am Landesvorsitz hatten, haben abgewunken. Nun läuft es also auf die Lösung raus, die Amtsinhaberin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schon lange im Kopf hatte. Wenngleich sie lieber in schönerer Lage übergeben hätte.

Hacker will die Partei nun wieder aufrichten. „Die Phase der Rückschau war nach vier, fünf Wochen beendet. Die Basis will die Ärmel hochkrempeln, kämpfen“, sagt er. „Wir brauchen Leute mit Erfahrung, die glaubwürdig den Liberalismus in seiner ganzen Breite vertreten können: wirtschaftspolitische Vernunft, Schwerpunkte in der Bildungs- und auch in der Sozialpolitik. Das traue ich mir zu.“ Als Freiberufler, Mitinhaber einer Steuerberater- und Wirtschaftsprüfer-Kanzlei will er sich die Zeit dafür freischaufeln.

Er streitet für eine Öffnung der FDP für andere Koalitionsoptionen. „Wir müssen in Bayern Sprechfähigkeit zu allen demokratischen Parteien erhalten. Das erwarte ich auch auf Bundesebene.“ Im Fünf-Parteien-System sei es falsch gewesen, „dass wir uns da in die einseitige Abhängigkeit der Union begeben haben“. Das Wahlprogramm im Bund habe „immer den möglichen Kompromiss mit der Union vorweggenommen. Da wurde der Liberalismus verwässert.“ Berührungsängste? Keine. Daheim im Stadtrat Bayreuth hat er eine Ausschussgemeinschaft mit den Grünen.

Sein Team zeichnet sich bereits in Konturen ab. Generalsekretär soll Tobias Thalhammer werden, der frühere Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion. Der 34-Jährige aus dem Landkreis München wäre die regionale Ergänzung zum Oberfranken. „Der Neuaufbau muss die Stärken stärken: In München und dem Landkreis haben wir immer starke Ergebnisse“, sagt Hacker. Mit Thalhammer sei „ein Vertrauensverhältnis gewachsen. Er kann die Klaviatur, die ein Generalsekretär braucht.“

Für die drei Vize-Posten gibt’s acht Bewerber, darunter Meierhofer und Münchens FDP-Chef Daniel Föst. Hacker sieht das positiv: „Eine Partei, die aufgegeben hätte, hätte nicht so ein Personalangebot.“

Christian Deutschländer und Mike Schier

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