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Das ist das neuen CSU-Kabinett Markus Söder.

Kein Stein bleibt auf dem anderen

Das neue CSU-Kabinett: So lässt Söder die Muskeln spielen

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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder lässt mit seiner neuen Ministerliste so gut wie keinen Stein auf dem anderen. Wir stellen das neue CSU-Kabinett vor.

München - Geheimkommando Kabinettsbildung: Am Mittwochmittag gab der neue Ministerpräsident Markus Söder die Namen des neuen bayerischen Kabinetts bekannt – kein einziger davon war zuvor nach draußen gedrungen! Söder lässt mit seiner neuen Ministerliste so gut wie keinen Stein auf den anderen. Fünf Minister werden entlassen, fünf bisherige Kabinettsmitglieder machen Karriere, vier sind ganz neu. Auch die Zuständigkeitsbereiche der Minister, die im Amt bleiben, werden beinahe komplett neu zugeschnitten – Söder lässt die Muskeln spielen! Acht Männer und fünf Frauen mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren werden künftig die Geschicke des Freistaates lenken. Was sie gemeinsam haben: Politisch sind sie eher im rechten Flügel der CSU zu Hause – ein klares Zeichen, dass man Positionen besetzen will, die denen von Teilen der AfD-Anhänger entsprechen. Wir stellen vor, wer künftig Bayern regiert, und wer nicht mehr dabei ist:

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Die Neuen

1 - Die Medizin-Professorin Marion Kiechle (57) wird Wissenschaftsministerin. Sie ist die erste Frau, die in Deutschland einen Gynäkologie-Lehrstuhl innehat – an der TU München. Die Ehefrau von Sportkommentator Marcel Reif ist eine der führenden Brustkrebs-Spezialisten in Deutschland. Kiechle ist noch nicht CSU-Mitglied, will das aber ändern.

2 - Kerstin Schreyer (46) wird Sozialministerin. Die Münchnerin ist seit gut einem Jahr Integrationsbeauftragte und hatte in dieser Zeit bereits viel mit dem Ministerium zu tun. Schreyer sitzt seit 2008 im Landtag.

3 - Michaela Kaniber (40) wird Landwirtschaftsministerin. Die in Bad Reichenhall geborene und in Bayerisch Gmain (Kreis Berchtesgadener Land) lebende dreifache Mutter hat kroatische Eltern und ist seit 2013 im Landtag und war dort u. a im Ausschuss für Arbeit und Soziales aktiv. Die mit einem Deutschen verheiratete Steuerfach­angestellte arbeitet im Gasthaus der Eltern mit.

4 - Der Freisinger Florian Herrmann (46) wird Chef der Staatskanzlei. Als Innenexperte genießt der Jurist schon lange großes Ansehen in der Landtagsfraktion. Seine Berufung in die Staatskanzlei ist dennoch eine Überraschung, denn der dortige Chefposten ist eine sehr wichtige Schlüsselposition im Kabinett. Bei der Ernennung der Minister verwechselte Söder gestern seine Urkunde mit der von Joachim Herrmann.

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Die Beförderten

5 - Franz-Josef Pschierer (61) wird Wirtschaftsminister. Mit dem Schwaben hat kaum einer gerechnet. Er gilt gar nicht so sehr als Söder-Freund, aber da Beate Merk gehen musste, brauchte es einen Schwaben im Kabinett.

6 - Georg Eisenreich (47) wird Minister für Digitales, Europa und Medien. Der Münchner Rechtsanwalt und dreifacher Familienvater war nach der für die CSU schlechten Bundestagswahl einer der ersten und lauten Kritiker Seehofers, und wird wohl auch darum mit einem Ministerposten unter Söder belohnt.

7 - Albert Füracker (50), wird neuer Finanzminister und damit auch Chef des Heimatministeriums. Der Landwirt aus der Oberpfalz gehörte bereits in den vergangenen Jahren zu den engsten Vertrauten von Söder, unter dem er Staatssekretär im Finanzministerium war.

8 - Der Niederbayer Bernd Sibler (47) wird neuer Bildungsminister. Von 2007 bis 2008 und seit 2011 ist Sibler als Kultusstaatssekretär Teil des Kabinetts. Den Wechsel auf einen Ministersessel verdankt der zweifache Vater der Aufteilung des Ministeriums in seine beiden ursprünglichen Bereiche Bildung und Wissenschaft.

9 - Marcel Huber (60) kehrt nach ein paar Jahren auf dem Chefposten in der Staatskanzlei in das Umwelt- und Verbraucherschutzministerium zurück. Die bisherige Amtsinhaberin Ulrike Scharf verlässt das Kabinett. Für Huber spricht auch dessen unauffällige, uneitle und unkomplizierte Arbeitsweise.

Die machen weiter

10 - Ilse Aigner (53), bisher Wirtschaftsministerin, wird Super-Ministerin für Wohnen, Bau und Verkehr. Trotz männlicher Konkurrenz bahnte sie sich ihren Weg auf wichtige Posten: 2011 zur Vorsitzenden ihres CSU-Bezirks, von 2008 bis 2013 als Bundesagrarministerin zur bislang letzten CSU-Ministerin in einem Bundeskabinett und anschließend zur bayerischen Wirtschaftsministerin und Vize-Regierungschefin von Horst Seehofer.

11 - Joachim Herrmann (61) bleibt Innenminister und ist künftig auch für die Integration zuständig. Alles andere als seine erneute Berufung wäre eine faustdicke Überraschung gewesen. Seit 2007 hat er die Führung des Hauses bereits inne – damit ist er der dienstälteste Innenminister in Deutschland. 

12 - Melanie Huml (42) musste sich von den Ministerinnen im Kabinett Seehofer die geringsten Sorgen über eine erneute Berufung machen. Erst im Dezember wurde sie zur CSU-Vize gewählt und mischt damit auch in den parteiinternen Gremien ganz oben mit. Darüber hinaus kann Huml auf einen guten Draht zu Söder verweisen.

13 - Winfried Bausback (52) bleibt Justizminister. So unbestritten der Würzburger in seinem Ressort innerhalb der CSU auch ist, über zu große Bekanntheit außerhalb seiner Partei kann er sich wohl nicht beklagen. Der dreifache Vater ist kein Freund lautstarker politischer Auseinandersetzungen, was aber nicht heißt, dass er nicht laut werden kann.

Die Staatssektretäre

14 - Carolina Trautner 

15 - Josef Zellmeier 

16 - Gerhard Eck 

17 - Hans Reichhart

Die Abgehängten

Ministerpräsident Markus Söder verzichtet gleich auf fünf Minister seines Amtsvorgängers Horst Seehofer.

Unter den Entlassenen befindet sich auch der Münchner CSU-Chef Ludwig Spaenle (56), der zehn Jahre als Minister tätig war, zuletzt ein Superministerium für Wissenschaft und Bildung führte – und von Seehofer noch eine Jobgarantie bekommen hatte! Spaenle hatte sich dennoch mitsamt den größten Teilen der Münchner CSU für Söder stark gemacht. Möglich, dass Söder befürchtet, dass die verbreitete Kritik vieler Eltern an Spaenles Schulpolitik die Wahlchancen der CSU schmälern könnte – wobei sich Bildungsminister selten beliebt machen.

Auch die seit 2014 amtierende Umweltministerin Ulrike Scharf (50) fliegt aus dem Kabinett – sie musste zuletzt Kritik wegen ihrer Haltung zum Standort der Luftschadstoffmessstation an der Landshuter Allee einstecken, den sie verteidigte.

Europaministerin Beate Merk (60) wurde offenbar von Söder ebenfalls nicht als Politikerin angesehen, die mit Erfolgen Punkten kann – und entlassen. Ob es für Merk und Spaenle Ersatzposten gibt, war gestern nicht bekannt.

Sozialministerin Emilia Müller (66) sowie Landwirtschaftsminister 5 Helmut Brunner (63) wollten ohnehin ihre Karriere spätestens zum Ende der Legislaturperiode im Herbst beenden.

Alle Infos im News-Ticker.

Johannes Welte/Video: Glomex

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