+
Bernardino Leon, UN-Sonderbeauftragter für Libyen, berichtete von den Verhandlungen in Genf.

UN hofft auf Einheitsregierung

Neue Friedensgespräche für Libyen in Genf 

Genf - In der Schweiz haben sich Vertreter des libyschen Bürgerkrieges zu Friedensverhandlungen getroffen. Die UN-Vermittler hoffen auf ein baldiges Ende des Chaos - doch wichtige Akteure fehlten am Tisch.

Erstmals seit mehr als drei Monaten haben sich Vertreter mehrerer Konfliktparteien im libyschen Bürgerkrieg wieder zu Gesprächen getroffen. Das von den Vereinten Nationen (UN) vermittelte Treffen fand am Mittwoch in Genf statt. Ziel der UN ist die Gründung einer neuen Einheitsregierung. Zuletzt hatte es Ende September Gespräche gegeben.

Derzeit stehen sich in Libyen eine islamistisch geführte Regierung in der Hauptstadt Tripolis und eine international anerkannte gemäßigte Regierung im östlich gelegenen Tobruk gegenüber. Beide buhlen um die wertvollen Ölhäfen entlang der Küste des Landes; Milizen beider Regierungen prallen immer wieder in blutigen Gefechten aufeinander.

Bei den Gesprächen in Genf fehlten zunächst die Vertreter aus Tripolis. Die Delegierten hatten am Wochenende verkündet, nicht mit allen von den UN verhandelten Teilnehmern einverstanden zu sein. Bis Sonntag hätten sie sich Bedenkzeit erbeten, meldete die libysche Nachrichtenseite „Libya Herald“. „Unsere Tür steht offen“, sagte Bernardino Leon, der UN-Sonderbeauftragte für Libyen, mit Blick auf die möglichen Nachzügler.

Statt der Tripolis-Delegation zeigten indes kurzfristig Vertreter der Stadt Misrata Interesse an den Gesprächen. Misrata ist lose mit den Islamisten in Tripolis verbündet. Leon bestätigte die Teilnahme des Misrata-Gesandten. Beide Seiten seien somit bei den Gesprächen vertreten. Als dringlichstes Ziel nannte Leon die Durchsetzung einer Waffenruhe zwischen Tripolis und Tobruk. Erst dann könne eine neue Regierung geformt werden: „Man kann keine Wahlen im Chaos organisieren.“

Die Verhandlungen sollen bis Freitag geführt werden. Sollte Tripolis sich bis zum Wochenende ebenfalls zu Gesprächen bereiterklären, soll es nach UN-Angaben in der kommenden Woche ein neues Treffen geben.

dpa

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fragen im Fall Amri: Grüne werfen Regierung Spiel auf Zeit vor
Berlin - Im Fall des Berliner Attentäters Anis Amri werfen die Grünen der Bundesregierung vor, Rechte des Parlaments zu missachten: Man werde im Gegensatz zu den Medien …
Fragen im Fall Amri: Grüne werfen Regierung Spiel auf Zeit vor
Britische Medien: May kündigt harten Brexit an
Seit Monaten wächst der Druck auf die britische Regierungschefin, ihre Pläne für die Brexit-Verhandlungen vorzustellen. Jetzt ist es so weit. Sie scheint auf …
Britische Medien: May kündigt harten Brexit an
Erika Steinbach bekommt Rückendeckung von CDU-Politiker
Berlin - Erika Steinbachs Austritt aus der CDU hat für Furore gesorgt. Die CDU wehrt sich gegen die Vorwürfe der Abgeordnete, doch ein CDU-Politiker gibt ihr …
Erika Steinbach bekommt Rückendeckung von CDU-Politiker
Kommentar: Trumps Welt - Einblicke in die amerikanische Seele
München - Am 20. Januar wird Donald Trump der 45. Präsident der USA. Ab da können die Beobachter endlich von Fakten berichten und sie bewerten, so tz-Chefredakteur …
Kommentar: Trumps Welt - Einblicke in die amerikanische Seele

Kommentare