Kanzlerin wankt, auch SPD im freien Fall

Klatsche für Merkel - Drei Kandidaten kämen für ihre Nachfolge infrage

Spätestens seit der Bundestagswahl ist klar: Der Stern von Angela Merkel sinkt. Aktuelle Umfragewerte sind eine weitere Klatsche für die Kanzlerin. Wer könnte eigentlich in ihre Fußstapfen treten?

Frühestens im März soll eine neue Bundesregierung ihre Arbeit aufnehmen - vorausgesetzt, Union und SPD können sich auf eine gemeinsame Linie einigen. Doch bereits jetzt, drei Monate nach der Bundestagswahl, ist fraglich, ob ein Bündnis unter der Führung Angela Merkels weitere vier Jahre regieren wird. 

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur wünscht sich inzwischen fast jeder Zweite (47 Prozent), dass die CDU-Vorsitzende ihren Posten als Regierungschefin vor Ende der Wahlperiode 2021 räumt. Nur 36 Prozent wollen sie weitere vier Jahre im Amt sehen. Kurz nach der Bundestagswahl Anfang Oktober waren noch 44 Prozent dafür. Unter den Unionswählern ist der Rückhalt einigermaßen stabil: Nur 17 Prozent befürworten einen früheren Abgang der Kanzlerin. Ganz anders sieht es bei den Wählern des möglichen Koalitionspartners SPD aus: 64 Prozent wollen Merkel frühzeitig loswerden. Bei den Grünen sind es 40 Prozent, im FDP-Lager 55 Prozent, bei der Linken 67 Prozent und bei der AfD 82 Prozent.

Regierungsbildung: News-Ticker zu den Koalitionsgesprächen

Die SPD hatte sich nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche dazu durchgerungen, doch noch in Sondierungen mit CDU und CSU einzusteigen. FDP-Vize Wolfgang Kubicki machte Merkel für das Jamaika-Scheitern verantwortlich. „Sie hat daran gebastelt, die Fortsetzung der großen Koalition zu erreichen. Das ist ihr gelungen“, sagte Kubicki den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Chance für eine Neuauflage von Schwarz-Rot liege bei 80 Prozent. Kubicki betonte, ihm wäre „eine Koalition mit einer erneuerten CDU/CSU am liebsten“. 

Hochambitionierter rechter Flügelflitzer der CDU: Jens Spahn.

Am 7. Januar beginnen die Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD über eine Regierungsbildung. Mögliche Ergebnisse sind eine große Koalition (die könnte frühestens im März regieren) oder einer Minderheitsregierung unter Merkel.

Das sind Angela Merkels potenzielle Nachfolger

Jens Spahn: Der rechte Flügelflitzer ist hochambitioniert Er steht für die konservative Rückbesinnung in der CDU. Und ist damit ein Hoffnungsträger für all jene in der Union, die vom liberalen Kurs der Kanzlerin genug haben. Insbesondere in der Flüchtlingspolitik schlägt Jens Spahn (37) rechte Töne an. Dem vergleichsweise jungen Finanzstaatssekretär und CDU-Präsidiumsmitglied wird viel zugetraut - dass Merkel ihn fördert, ist aber unwahrscheinlich. 

Ursula von der Leyen: Kanzleramt oder Nato? Lange galt sie als aussichtsreichste Kandidatin im Rennen um Merkels Nachfolge. Als sie 2013 Verteidigungsministerin wurde, munkelte man, dieser Posten solle sie auf die Kanzlerschaft vorbereiten. Doch nach zahlreichen Skandalen in der Bundeswehr bröckelt der Rückhalt von Ursula von der Leyen (58). Zudem wird sie als neue Nato-Generalsekretärin gehandelt. 

Annegret Kramp-Karrenbauer: Die Saarland-Merkel

Der Stern beschreibt sie als „Merkels Kronprinzessin für Parteivorsitz und Kanzleramt“. Nach der gewonnenen Saarland-Wahl im März kamen Spekulationen auf, dass AKK, wie sie in der CDU genannt wird, die Kanzlerin beerben soll. Wie Merkel agiert Annegret Kramp-Karrenbauer (54) sachorientiert, unideologisch, stellt sich nicht ins Rampenlicht. Ihr Manko: Bundespolitisch ist sie ziemlich unbekannt.

tz/mm/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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