+
Holger Münch ist seit einem knappen halben Jahr neuer Präsident des BKA. Foto: Kay Nietfeld

Arbeit verändern

Neuer BKA-Präsident: Lehren aus NSU-Morden ziehen

Berlin - Als die Rechtsterroristen des NSU mordeten, tappten die Sicherheitsbehörden im Dunkeln. Auch das BKA löste den Fall nicht. So blind soll das Amt nicht noch einmal dastehen, sagt der neue Chef.

Als Lehre aus der rechtsterroristischen NSU-Mordserie will das Bundeskriminalamt (BKA) seine Arbeit weiter verändern. Dabei gehe es um Ermittlungstaktiken, um Personalauswahl und interkulturelle Kompetenz in Deutschlands oberster Polizeibehörde.

"Eine der wesentlichen Lehren aus dem Fall NSU ist doch, dass wir nichts für unmöglich halten dürfen. Die zweite ist, dass wir möglichst früh und konsequent gegen solche Strukturen vorgehen müssen", sagte der neue BKA-Präsident Holger Münch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Der 53-jährige Bremer leitet das Amt seit knapp einem halben Jahr.

Auch die Zerschlagung der "Oldschool Society" Anfang Mai - eines neuen rechten, mutmaßlich gewaltbereiten Netzwerks - sieht Münch als Fortschritt nach früheren Fehlern der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Rechtsterroristen.

Die bisherigen Ermittlungen hätten den Verdacht der Gründung weiterer terroristischer Vereinigungen nicht bestätigt. Münch beschrieb den harten Kern der rechten Szene: "Wir haben elf Personen, die als Gefährder eingestuft sind in Deutschland. Und wir haben gute hundert "relevante Personen", also Unterstützer, Organisatoren oder Finanziers." Sorge bereite ihm, dass Rechtsextremisten die steigende Zahl von Asylbewerbern zum Anlass von Angriffen auf Flüchtlingsheime nähmen. "Wir müssen sehr wachsam sein."

Als der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) von 2000 bis 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordete, hatte auch das BKA das ausländerfeindliche Motiv der Serie verkannt. BKA-Ermittlungen zur Tatwaffe, einer Ceska-Pistole, liefen weitgehend ins Leere. "Wir fragen uns, wie wir mit Ermittlungsverfahren umgehen, bei denen wir am Ende nicht mehr weiterkommen", sagte Münch. Deshalb wolle das BKA künftig in solchen Fällen ein erweitertes Ermittlerteam einsetzen, das auch von einer Gegenhypothese ausgehe.

Derzeit werde im Bundeskriminalamt erhoben, wie hoch der Anteil von Beschäftigten mit Migrationshintergrund sei und wie sich dieser Anteil strategisch entwickeln lasse, sagte Münch. Der BKA-Präsident bescheinigte dem Amt eine Offenheit für Veränderungen: "Wichtig ist die Frage der Fehlerkultur. Da stoße ich aber, das ist meine Beobachtung aus dem ersten halben Jahr in der Behörde, auf eine sehr gute Grundkultur."

Webseite Bundeskriminalamt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Finanzminister verteidigt Trumps Äußerungen zu Charlottesville
Mit seinen Äußerungen über die Geschehnisse in Charlottesville hat Donald Trump für Wirbel gesorgt. Nun bekommt er Rückendeckung.
US-Finanzminister verteidigt Trumps Äußerungen zu Charlottesville
Berlin will Auslieferung Akhanlis an Türkei verhindern
Die spanische Polizei nimmt auf Bitten der Türkei einen kritischen Schriftsteller im Urlaub fest. Der Fall ist brisant, die Bundesregierung alarmiert - denn der Mann ist …
Berlin will Auslieferung Akhanlis an Türkei verhindern
Junge seit Anschlag vermisst: Wo ist Julian (7)?
Nach dem Anschlag in Barcelona fahndet die Polizei nach Verdächtigen. Von einem siebenjährigen Jungen fehlt jede Spur. Alle Neuigkeiten finden Sie in unserem News-Ticker:
Junge seit Anschlag vermisst: Wo ist Julian (7)?
Bundestagswahl 2017: AfD kommt laut aktueller Umfrage ins Straucheln
In einer aktuellen Umfrage zur Bundestagswahl 2017 muss die AfD einen Tiefschlag verkraften - in Bayern befinden sich die Alternativen in einem Umfragetief. Hier geht es …
Bundestagswahl 2017: AfD kommt laut aktueller Umfrage ins Straucheln

Kommentare