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Ist der Euro zu stark? In Frankreich gibt es darüber Klagen. Deutsche Politiker reagieren alarmiert.

Finanzminister Söder strikt dagegen

Frankreich verlangt Schwächung des Euro

München - Frankreich verlangt von der Europäischen Zentralbank (EZB) Maßnahmen zur Schwächung des Euro. Deutsche Politiker reagieren alarmiert. 

Frankreich verlangt von der Europäischen Zentralbank (EZB) Maßnahmen zur Schwächung des Euro. „Auf der europäischen Ebene gibt es Verantwortlichkeiten, und zu diesen Verantwortlichkeiten zählt die Geldpolitik“, sagte Finanzminister Michel Sapin. Diese müsse sicherstellen, dass der Euro „auf ein normaleres Niveau“ sinke. Frankreich kämpft mit einer hartnäckigen wirtschaftlichen Stagnation. Italien steckt sogar in einer Rezession. Die Länder des europäischen Südens hoffen, dass ein billigerer Euro ihre Exportgüter auf den Weltmärkten konkurrenzfähiger macht.

Die EZB hatte ihren Leitzins zuletzt auf ein Rekordtief von nur noch minimal über null Prozent gesenkt und damit versucht, den Euroraum für internationale Geldzuflüsse unattraktiv zu machen, um so eine Abwertung der eigenen Währung herbeizuführen. Allerdings verfehlte die Maßnahme bisher ihre Wirkung auf den Euro. Dieser hält sich gegenüber dem US-Dollar bei Kursen um 1,3380 $ und damit über dem Niveau, das in den Krisenstaaten Europas als geeignet angesehen wird, um die Exporte anzukurbeln. Ihren zuletzt höchsten Stand hatte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar im Mai erreicht. Damals mussten bis zu 1,40 Dollar für einen Euro bezahlt werden. Während der Eurokrise war Europas Einheitswährung auf Notierungen um 1,20 US-Dollar abgesackt.

Söder strikt gegen Aufweichung des Euro

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) lehnte gegenüber dem Münchner Merkur eine Aufweichung des Euro strikt ab: „Der Euro soll so stabil sein wie die D-Mark.“ Frankreichs wirtschaftliche Leistungsfähigkeit kranke nicht am Euro, sondern an der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit des Landes: „Frankreich muss Reformen endlich wirksam umsetzen“, so Söder. Widerspruch gegen das Begehren aus Paris kam auch von Deutschlands Sparkassenpräsidenten Georg Fahrenschon: „Die Geldpolitik der Zentralbank darf nicht nur auf einen billigeren Euro beziehungsweise die Anfeuerung der Inflation im Euroraum ausgerichtet sein. Die EZB sollte die Warnungen vor den negativen Auswirkungen des vielen billigen Geldes ernstnehmen.“ Die EZB sollte eine Zinswende möglichst frühzeitig ankündigen und dann behutsam und schrittweise umsetzen, forderte Fahrenschon. Er verwies auf das Vorbild USA. Dort habe die Notenbank Fed bereits damit begonnen, Punkte zu definieren, an denen sich die Zinswende abzeichnet. "Leider ist die Europäische Zentralbank dazu noch nicht bereit. Die Märkte benötigen aber ein Höchstmaß an Planungssicherheit“, so Fahrenschon.

Eine weitere scharfe Warnung an die Europäische Zentralbank formulierte der Münchner Ökonom Hans-Werner Sinn: „Den Wechselkurs zu manipulieren ist gefährlich. Die EZB müsste in riesigem Umfang Euros drucken, um damit ausländische Devisen zu kaufen. Dabei kann sie hohe Verluste machen.“ Auf jeden Fall schädige diese Politik die Verbraucher, weil sie Importe verteuere. Sinn sagte unserer Zeitung weiter: „Deutschland braucht zur Normalisierung seines riesigen Leistungsbilanzüberschusses eigentlich eine Aufwertung, keine Abwertung. Selbst der Euroraum als Ganzes hat einen Leistungsbilanzüberschuss, der eher für eine Aufwertung als für eine Abwertung spricht. Davon abgesehen gehört die Wechselkurspolitik nicht zum Mandat der EZB.“ Frankreich sollte sich stattdessen bemühen, seine Wettbewerbsfähigkeit auf andere Weise wiederherzustellen, verlangte Sinn.

Georg Anastasiadis

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