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Georg Anastasiadis.

Merkur-Kommentar

Neuer Machtkampf in der AfD: Alternative für Petry

München - Vom Intrigantenstadel AfD können selbst die vielgeschmähten Altparteien noch viel lernen, findet unser Autor Georg Anastasiadis.

So schnell, wie Frauke Petry im letzten Sommer den Parteigründer Bernd Lucke von der Spitze weggeputscht hat, droht nun auch sie selbst zum Opfer noch radikalerer Kräfte in der „Alternative für Deutschland“ zu werden. Das „Monster“, über das Lucke zuletzt selbst erschrak, frisst seine Kinder.

Die Begründung ist immer dieselbe: „Eigenmächtigkeit“ werfen die Parteirechten, die Höckes, von Storchs und Gaulands, der Parteichefin vor. Das klingt nach deja vu: Mit exakt dieser Rechtfertigung war letztes Jahr auch der gemäßigte Lucke gestürzt worden. Und ganz aus der Luft gegriffen ist der Vorwurf ja nicht. Doch so wie damals stehen hinter der Stilkritik auch jetzt wieder unterschiedliche Vorstellungen, was der Gemischtwarenladen AfD eigentlich sein soll. Liberal-konservativ, darüber ist man sich einig, will die Alternative nach dem Exodus der Professoren nicht mehr sein. Stattdessen also eine in vielen Schattierungen schillernde, zur Mitte hin prinzipiell aber immer noch anschlussfähige konservative Partei – was Petry will? Oder ein Sammelbecken rechter Strömungen und Protestbewegungen mit Berührungspunkten zur NPD, in dem jeder tun und sagen kann, was er will – was offenkundig Höcke und dem im Osten dominierende Flügel vorschwebt, der nach den Maßregelungen durch Petry den Tag der Abrechnung gekommen sieht? Luckes Erbin erfährt nun am eigenen Leib, wie schwer es ist, eine Verführerpartei vor der eigenen Verführung zu bewahren.

Eine Partei kann sich auch zu Tode siegen. So widerfuhr es einst der FDP, als sie sich mit Möllemann auf einen Flirt mit den Antisemiten einließ. Eine Höcke-AfD, die in ihrem Streben nach Wahlergebnissen jenseits der 20 Prozent mit Pegida-Geschrei und kruden völkischen Parolen die Rechtsextremen umgarnt, könnte gewiss die parlamentarische Nachfolge der – einem Verbot durch Karlsruhe entgegentaumelnden – NPD antreten. Als ernstzunehmende Kraft mit politischem Gestaltungsanspruch aber wäre sie erledigt. Die AfD steht, schon wieder, am Scheideweg.

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