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Medienrummel um den künftigen Österreichischen Präsidenten Alexander Van der Bellen.

Neuer Präsident für Österreich

Das schreiben Europas große Zeitungen über Van der Bellen

Wien/Berlin - Nach der Wahl in Österreich kommentieren Tageszeitungen in Deutschland, Österreich und anderen Ländern Europas das Ergebnis. Hier lesen Sie eine Auswahl an Pressestimmen.

Lesen Sie hier alles zur Österreich-Wahl, die Van der Bellen gewonnen hat nach. 

Das schreiben Zeitungen in Deutschland über die Österreich-Wahl

"Nürnberger Nachrichten":

"Das Land bleibt nach den Narben des Wahlkampfs gespalten. Und es gibt, wie in Deutschland, zwei absolut konträre Sichten auf jeweils ein und dieselbe Republik: In Österreich beschwört die FPÖ wegen der Flüchtlingskrise den drohenden Bürgerkrieg herauf - während die Etablierten auf die ja gerade von Wien herbeigeführte Wende hin zu einer restriktiveren Zuwanderung verweisen. Und darauf, dass dieses schöne Land wirtschaftlich stabiler dasteht als die meisten anderen EU-Staaten. Das Wiener Ergebnis lässt die Verteidiger der freien, offenen Gesellschaften und eines vereinten Europa erst mal aufatmen - mehr nicht. Mag sein, dass das Trump-Fanal nicht nur dessen politische Freunde geweckt hat, sondern auch die oft zu passiven Liberalen in Europa. Dann wäre Trumps Sieg für sie ein heilsamer Schock gewesen. Aber ausruhen dürfen sich überzeugte Demokraten nie - den Fehler haben sie zu lange gemacht, in zu vielen Staaten."

„Hessische Niedersächsische Allgemeine“ (Kassel):

Norbert Hofer, der selbsternannte Kandidat des Aufbruchs, scheint viele Unentschlossene mit seiner Maximalauslegung präsidentieller Machtinstrumente eher verschreckt zu haben. „Sie werden sich noch wundern“ - diese sibyllinische Äußerung hat Hofer, wenngleich später zurückgenommen, wohl doch geschadet. Denn auch die von der Dauerlähmung der großen Koalition Genervten wollten sich nicht wundern. Kalkulierbare Risiken eingehen, das ja. Aber nicht zuletzt beim Flirt mit dem Öxit hat sich Hofers FPÖ für eine wenn auch knappe Mehrheit der Wahlberechtigten als unkalkulierbares Risiko geoutet.

„Saarbrücker Zeitung“:

Die Österreicher haben Europa überrascht. Nach dem Brexit und dem Erfolg Donald Trumps schien ein erneuter Triumph der sogenannten Rechtspopulisten greifbar nahe. Das Horrorszenario eines sich in Nationalismen auflösenden Europa stand schon am Horizont. (. . .) Das Ergebnis zeigt auch: Die Rechten, die immer wieder beanspruchen, für das einfache Volk zu sprechen, sind schlagbar - und zwar durch das Volk.

„Der neue Tag“ (Weiden in der Oberpfalz):

Der neue Präsident ist dem Grünen-Superstar Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, nicht unähnlich. Keine abgehobenen Typen, sondern Pragmatiker ohne Profilneurosen. Van der Bellen hat dabei sein Biedermann-Image zuletzt mit einigen Tricks abgelegt. Auf einmal war er im Trachtenjanker unterwegs, ein Vorzeige-Ösi.

„Nordwest-Zeitung“ (Oldenburg):

Aufatmen werden viele Politiker in den anderen europäischen Zentralen - vor allem aber in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. In diesen Ländern wird im nächsten Jahr gewählt - ein Sieg des Rechtspopulisten Hofer hätte der AfD um Frauke Petry und Jörg Meuthen, der Front National von Marine Le Pen und der Partei für die Freiheit von Geert Wilders mächtig Auftrieb gegeben. Nun hat sich gezeigt: Politische Populisten sind doch besiegbar. Zurücklehnen sollte sich deshalb aber niemand, denn viele Menschen sind in großer Sorge: die unbewältigte Flüchtlingskrise, die Angst vor wirtschaftlichem Absturz, die ungelöste Finanzkrise - Politiker müssen Antworten liefern. Ansonsten könnte es ein böses Erwachen geben.

"Frankfurter Allgemeine Zeitung":

"Man sollte Van der Bellens Wahlsieg als Entscheidung gegen Hofer verstehen, aber nicht als Rückbesinnung einer ganzen Nation auf die Ideale des linksliberalen 'juste milieu'."

"Tagesspiegel" (Berlin):

"Alexander van der Bellen hat gezeigt, dass Parolen nicht das letzte Wort sein müssen. Der Grüne hat sich behauptet gegen die, die vereinfachen. Und gegen die, die sagen, dass die Menschen, unpolitisch, wie sie geworden seien, anders nicht zu erreichen wären. Doch, sind sie. Gerade die Vervielfältigung der Medien kann auch eine Chance sein; es wird ja nicht bloß das Gerücht transportiert, sondern auch das Argument."

„Märkische Oderzeitung“ (Frankfurt/Oder):

Ist nun alles gut? Mitnichten. Zeigt das knappe Ergebnis doch, dass die österreichische Gesellschaft in zwei Hälften gespalten ist. So wie in den USA, wie in Großbritannien, wie in Polen. Die Politik muss endlich wieder beweisen, dass sie die Probleme der Menschen ernst nimmt. Das Ausklügeln eines Bundespräsidenten im Hinterzimmer - wie hier in Deutschland - ist genau das Gegenteil.

„Mannheimer Morgen“:

Die Erleichterung, dass der Rechte Norbert Hofer nicht in die Hofburg einzieht, ist auch innerhalb der EU groß. Denn obwohl Österreich mit seinen nur achteinhalb Millionen Einwohnern nicht bedeutend ist, so ist doch die Stimmung in dem Staat, der politisch und kulturell zwischen West- und Osteuropa angesiedelt ist, durchaus ein Gradmesser. Die Wahl Van der Bellens nach dem Brexit und der Wahl von Donald Trump zeigt, dass es möglich ist, den Trend Richtung Populismus aufzuhalten. Das könnte auch auf die Wahlen im kommenden Jahr in anderen EU-Ländern ausstrahlen.

„Neue Osnabrücker Zeitung“:

Das ist gerade noch einmal gut gegangen: Nicht der Rechtspopulist Norbert Hofer, sondern der besonnene ehemalige Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hat die Präsidentenwahl in Österreich gewonnen. Erleichterung macht sich breit, zur Entwarnung besteht aber kein Anlass. Der EU bleibt nun zwar vorerst eine weitere Zerreißprobe erspart, denn Van der Bellen ist anders als Hofer ein überzeugter Europäer. Liberal und gemäßigt, ist er auf Ausgleich bedacht - und nicht auf Konfrontation. Die europäischen Probleme bleiben gleichwohl bestehen. Denn auch, wenn Hofer es nicht bis in die Wiener Hofburg geschafft hat, ist sein Abschneiden ein Signal. Die „Freiheitlichen“ haben damit gezeigt: Mit ihnen ist zu rechnen, selbst wenn es um höchste Ämter geht.

"Die Presse" (Wien):

"Van der Bellen wird kein schlechter Bundespräsident werden, er wird in die Fußstapfen Heinz Fischers steigen, vermutlich weniger reisen und sich ausgiebiger mit hiesigen Denkerzirkeln beschäftigen als sein Vorgänger. Aber sonst wird das Amtsverständnis ähnlich sein: zuhören, mahnen, vermitteln und hinter den Kulissen gut zureden. Van der Bellens Schlafwagen statt Hofers Geisterbahn eben."

"Der Standard" (Wien):

"Es war eine Richtungsentscheidung, und sie ist deutlicher als erwartet ausgefallen: Österreichs Wählerinnen und Wähler wollten mehrheitlich keinen Rechtspopulisten als Bundespräsidenten. Damit hat Österreich am Ende eines Jahres, das bereits den Brexit und Donald Trump als US-Präsidenten gebracht hat, einen Kontrapunkt gesetzt. (...) Es wird nun an Van der Bellen liegen, Brücken über die Gräben, die während des Wahlkampfs aufgerissen wurden, zu errichten. Von seinem Naturell her wird er diese Aufgabe erfüllen. Schließlich hat er schon bei den Grünen als Vermittler zwischen verschiedenen Lagern und Anschauungen agiert."

"Schwäbische Zeitung":

"(...)Der Wahlsieg Van der Bellens muss auch nachdenklich stimmen. Gewonnen hat der Kandidat wohl nicht, weil er eine Lichtgestalt ist, die mit klaren, programmatischen Reden der Republik Österreich sagt, wo er dieses Land in Zukunft sieht. Der ehemalige Grünen-Chef wurde, so steht zu befürchten, vor allem gewählt, um ein Zeichen gegen die reaktionäre Politik seines Gegners zu setzen. Van der Bellen wird Visionen entwickeln und auf den politischen Gegner zugehen müssen. Allein mit einer Abgrenzung gegen reaktionäre Politik wird er Österreich nicht einen können. Denn auch wenn das Abstimmungsergebnis eindeutig war, zeigt es auch, dass Österreich ein gespaltenes Land bleibt. Knapp die Hälfte der Wähler hat für den eleganten Demagogen Hofer gestimmt."

"Berliner Zeitung":

"Österreich hat gewählt, aber das Land wird nicht einfach zur politischen Normalität zurückkehren können. Es gibt sie zwischen Salzburg, Klagenfurt, Graz und Wien schlicht nicht mehr. Der sich als smarter Siegertyp inszenierende FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat es bei der Mission, seinem rechtspopulistischen Weltbild ein freundliches Antlitz zu verleihen, sehr weit gebracht. Nicht erst in diesem Präsidentschaftswahlkampf hat Österreich seine politische Mitte verloren."

"Stuttgarter Zeitung":

"Die Erleichterung in Wien ist riesengroß. Zuletzt hatten sich auch sämtliche Diplomaten, die um die aussenpolitische Ausrichtung fürchteten, für Van der Bellen ins Zeug gelegt. Alle Parteien - außer natürlich die FPÖ - hatten sich hinter den ehemaligen Grünen-Chef gestellt. Und am Ende hatte Van der Bellen offenbar genützt, dass Hofer zuletzt so aggressiv und unstaatsmännisch agierte."

"Kölner Stadt-Anzeiger":

"Der Siegeszug rechtspopulistischer Kandidaten und Parteien folgt keinem unabänderlichen Automatismus. An den Erfolg Alexander van der Bellens knüpft sich nun auch die Hoffnung, dass die europäischen Demokratien sich nicht zwangsläufig einer von aggressiven Stimmungen getriebenen Verachtung von Politik und deren Institutionen ergeben müssen. Österreich aber wird nicht einfach zur politischen Normalität zurückkehren können. Es gibt sie schlicht nicht mehr. Nicht erst in diesem Präsidentschaftswahlkampf hat das Land seine politische Mitte verloren. Auf Van der Bellen kommt nun die schwierige Aufgabe zu, der politischen Kultur seines Landes wieder zu mehr Akzeptanz zu verhelfen."

„Landeszeitung“ (Lüneburg):

Die Niederlage des Rechtspopulisten Hofer ist auch ein Sieg der EU. Denn die überraschend klare Wahl des Europa-Freundes Alexander Van der Bellen zeigt, dass Populismus doch nicht unaufhaltsam ist. Vielleicht war die Wahl Trumps jenseits des Atlantiks ein heilsamer Schock auch in Österreich. Ganz sicher aber konnte Van der Bellen mit seinem klaren Pro-Europa-Kurs punkten. Für 65 Prozent seiner Wähler war diese Einstellung das entscheidende Motiv für ihre Entscheidung. Oder, wie es Luxemburgs Außenminister Asselborn ausdrückt: Vernunft, Toleranz und Menschlichkeit sind eben doch keine Fremdwörter bei Wahlen in der EU. Auf Van der Bellen wartet die schwere Aufgabe, die Risse im Land zu kitten. Er muss reaktionäre Kräfte im Land zähmen und Zögerer überzeugen. Er muss einen Weg der Vernunft, einen Weg zur Rückkehr zu politischer Normalität finden.

Das schreiben die österreichischen Zeitungen

„Der Standard“: 

„Mit Van der Bellen ist auch die Verankerung Österreichs in der EU nicht infrage gestellt. Denn Norbert Hofer hat nicht nur Aussagen zu einem möglichen Austrittsreferendum getroffen, sondern ist auch für eine Annäherung Österreichs an die sogenannten Visegrád-Staaten eingetreten, deren Vertreter wie Ungarns Regierungschef Viktor Orbán für einen autoritären Politikstil und eine Einschränkung demokratischer Rechte, wie sie die polnische Regierung vornimmt, stehen.“

„Die Presse“:

„Norbert Hofer erwies sich als fairer Verlierer, er rief seine Fans auf, das Ergebnis zu akzeptieren und Ruhe zu bewahren. Man fragt sich einmal mehr, wie es sein konnte, dass der biedere Burgenländer - Typ: besserer Landespolitiker - zum europäischen Dämon hochstilisiert werden konnte. Wobei er schon einiges selbst dazu beigetragen hat. (...) Norbert Hofer hat aus sich und seiner Partei das Optimum herausgeholt. Letztlich war er im Vergleich zum Konkurrenten mit dem Habitus des Universitätsprofessors zu wenig seriös. Ein Befund, der auf die FPÖ in ihrer Gesamtheit zutrifft.“

„Kurier“:

„Schließlich ist interessant, dass sich Österreich von dem Populismus-Trend vieler anderer Länder abgekoppelt hat. Der Brexit hat gezeigt, dass es einem Land schadet, wenn Politiker eine wunderbare Zukunft versprechen und kurz darauf eingestehen müssen, dass sie mit erlogenen Zahlen und Argumenten aufgetreten sind. Und die ersten Entscheidungen von Donald Trump zeigen, dass er sich um seine Wähler einen feuchten Kehricht schert und nur an seine superreichen Buddies denkt. Außerdem suchen die Menschen Stabilität, die bringt weder der Brexit noch Trump, Van der Bellen hat sie signalisiert. Der Populismus ist damit noch nicht vorbei, aber er wird entzaubert.“

„Kronen Zeitung“:

„Die Strategie der Angst vor jeder Veränderung ging auf. Norbert Hofer war als Gegenkandidat zu unösterreichisch, einfach zu Trump. Alexander Van der Bellen wird in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft jetzt aber Hunderttausenden Hofer-Wählern beweisen müssen, dass er ein Bundespräsident für alle Österreicher sein kann. Seine erste Aufgabe muss sein, diesem starken Lager eine ehrliche Aussöhnung anzubieten. Alles andere wäre katastrophal für unser Land. Wir Österreicher haben nach drei erbitterten Wahlschlachten eine Erholungsphase dringend nötig.“

Das schreiben große Zeitungen in Europa und in den USA

ITALIEN:

„La Repubblica“:

„Van der Bellen Präsident in Österreich. Der Populist Hofer abgestraft“

„Corriere della Sera“:

„Der grüne und fortschrittliche Kandidat Alexander Van der Bellen ist also der Sieger der Präsidentenwahl in Österreich.“

„La Stampa“:

„Österreich: Der Grüne Van der Bellen gewinnt die Stichwahl. Er ist der neue Präsident.“

„Il Giornale“: 

„In Österreich gewinnt Van der Bellen, europafreundlicher Einwanderungsbefürworter.“

FRANKREICH:

„Le Monde“:

„Ein Teil der Wählerschaft ist vielleicht aufgeschreckt, um den internationalen Ruf Österreichs zu schützen.“ ((Online-Ausgabe, „Le Monde“ am Sonntagabend)

„Le Figaro“:

„Auch wenn sein Amt symbolisch ist, der neue Präsident wird die Aufgabe haben, die Risse, die sich innerhalb der traditionellen politischen Parteien aufgetan haben, wieder zu schließen.“ (Sonntagabend)

„Les Echos“:

„Die österreichischen Wähler haben die Vorhersagen Lügen gestraft, die prophezeiten, dass sich nach der radikalen Wahl der Briten für einen Brexit und der Wahl von Donald Trump in den USA die populistische Welle in Europa fortsetzen würde.“ (Sonntagabend)

GROSSBRITANNIEN:

„The Guardian“: 

„Der Seufzer der Erleichterung nach dem Sieg Alexander Van der Bellens in der Wahlwiederholung der österreichschen Präsidentenwahlen war in ganz Europa zu hören.“

„The Times“:

„Österreich lehnt extreme Rechte ab und stimmt für Grün.“

„Daily Mail“:

„Ist Europas Brexit-Revolution vorüber? Schadenfrohe Unterstützer der Linken schwenken Plakate mit „Gott sei Dank“, nachdem der rechte Kandidat die österreichischen Präsidentenwahlen verliert, die der EU einen schweren Schlag versetzen sollte.“

SPANIEN:

„El Pais“:

„Der gestrige Sieg des progressiven Alexander Van der Bellen gegen den weit rechts stehenden Kandidaten Norbert Hofer in den österreichischen Präsidentschaftswahlen ist eine Ruhepause, aber gleichzeitig auch ein ernsthafter Weckruf für Europa, das daraus einige wertvolle Lehren ziehen sollte.“

SLOWAKEI:

„Sme“:

„Die Gefahr des ersten rechtsextremen Präsidenten an der Spitze eines Staates der Europäischen Union haben die Österreicher ausgebügelt, der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer wird nicht Präsident.“ (Sonntagabend, Internetausgabe)

„Dennik N“:

„Er verteidigt die EU, Homosexuelle und Immigranten. Präsident Österreichs wird das Gegenteil eines europäischen Populisten“ (Sonntagabend)

USA:

„Washington Post“:

„Die Niederlage des österreichischen Rechtsaußen-Kandidaten bei den Präsidentenwahlen ist ein unerwarteter Schub für die EU.“

„New York Times“:

„Die Österreicher haben am Sonntag mit ihrer Ablehnung eines rechten Kandidaten für das Präsidentenamt auf einem Kontinent, wo extremistische Politik traditionell zur Katastrophe führt, die Grenzen des Rückenwinds des designierten Präsidenten Donald J. Trump gezeigt.“

dpa/AFP

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