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Integrationsministerin Emilia Müller (CSU) macht sich in einer Münchner Grundschule ein Bild davon, wie das neue Projekt „WerteRaum“ läuft.

Leitkultur light

Neues CSU-Projekt für Kinder mit Migrationshintergrund

Das Integrationsgesetz ist hochumstritten, ebenso die Thesen zur Leitkultur des Innenministers. Nun hat die CSU das Projekt „WerteRaum“ initiiert, das sich an Grundschüler mit Migrationshintergrund und deren Eltern richtet.

München – Tischsets mit aufgedrucktem Besteck liegen auf dem Tisch, auf kleinen Hockern sitzen Drittklässler. „Esst Ihr zuhause alle mit Messer und Gabel?“, fragt Bayerns Integrationsministerin Emilia Müller (CSU). Sie sitzt auch auf einem der Hocker, zwischen den Kindern. Am Mittwoch besuchte sie eine Grundschule in München, um zu sehen, wie das neue Projekt „WerteRaum“ läuft. Es soll Kinder mit Migrationshintergrund heranführen an „unsere Werte“, wie das Ministerium schreibt.

Ein guter Termin also, um vielleicht der Idee von „Leitkultur“ etwas näherzukommen, die die CSU in ihrem Gesetz seit Januar fest-, jedoch nicht beschreibt. Das neue, von Müllers Ministerium geförderte Projekt soll an acht bis zwölf Schulen in Bayern 1400 Grundschüler in Workshops einbinden. Freiwillig und spielerisch soll das Ganze funktionieren.

Leitkultur für die Grundschule

Nun kommt Emilia Müller an diese Grundschule zu einem der ersten Kurse, gerade als die Debatte über die Leitkultur-Thesen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière etwas abgeebbt ist. „Wir sagen unseren Namen. Wir geben uns zur Begrüßung die Hand. (...) Wir sind nicht Burka“, hatte de Maizière Anfang Mai über die „Bild am Sonntag“ in die Bundesrepublik geschickt, als eine von zehn Thesen. Und in Bayern setzte die CSU ihr umstrittenes Integrationsgesetz durch, das auf mindestens so viel Kritik wie de Maizières Thesen stieß. Auf Klage von SPD und Grünen hin muss es der Bayerische Verfassungsgerichtshof überprüfen. Sehr umstritten: Als Präambel am Anfang des Gesetzes steht ein Bekenntnis zur hiesigen „Leitkultur“.

Genau die will jetzt offenbar Ministerin Müller Grundschülern erklären. Üblicherweise machen das Pädagogen, aber jetzt sitzt sie an dem Tisch mit den Kindern. Ihre Frage nach Messer und Gabel erntet Kopfschütteln von einem Jungen. „Wir essen mit Stäbchen oder mit dem Löffel“, sagt er. Seine Familie stammt aus Vietnam. „Wenn ich da bin“, antwortet Müller, „versuche ich immer mit Stäbchen zu essen.“ Wichtig sei, überall die Regeln beachten zu können, die es dort gebe.

Müller: „Wir wollen nicht mehr Fehler machen wie in der Vergangenheit“

„Wir wollen nicht mehr Fehler machen wie in der Vergangenheit“, sagt Müller nach dem Kurs. Die Regierung wolle mit diesem Projekt auch die Familien und gerade die Mütter einbeziehen, indem die Kinder nach der Schule davon erzählen. An der Grundschule, an der an diesem Tag ein Zelt mit verschiedenen Erklärstationen aufgebaut ist, lernen Kinder, von denen zwischen 80 und 90 Prozent Migrationshintergrund haben. Was ihnen besonders gefalle an dem Workshop, fragt die Ministerin in die Runde. „Dass wir uns gut verstehen“, sagt ein Junge. In den Kursen lernen auch Kinder ohne Migrationshintergrund, aber Geld vom Ministerium gab es eben nur für ein Projekt, das sich explizit an Kinder mit Familien aus anderen als der deutschen Kultur richtet.

Klar gebe es manchmal Probleme, weil die Kinder aus unterschiedlichen Kulturen kommen, sagt Konrektor Oliver Fritsche. Deshalb könne so ein Projekt nie schaden. „Man kann von Werten nicht oft genug reden“, sagt er. Das sehe er bei seinen eigenen Kindern. Die haben keinen Migrationshintergrund.

dpa

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