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29-Euro-Ticket im Anmarsch? Grüne und Linke rufen nach neuem Modell

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Von: Felix Durach

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Das 9-Euro-Ticket ist ein Erfolgsmodell auf Zeit. Vorschläge, wie der ÖPNV auch nach August bezahlbar bleiben soll, kommen nun vor allem von Linken und Grünen.

Berlin – Ganz Deutschland spricht über das 9-Euro-Ticket. Um die Bevölkerung angesichts explodierender Energiekosten und hoher Inflationsraten zu entlasten, brachte die Ampel-Koalition für den Sommer das 9-Euro-Ticket auf den Weg. Im Juni, Juli und August können Kunden für neun Euro im Monat deutschlandweit ÖPNV und Nahverkehrszüge nutzen. Im Vergleich zu den normalen Bahn-Preisen ein echtes Schnäppchen. Doch das Aktionsticket ist zeitlich begrenzt. Wie könnte es ab September mit dem 9-Euro-Ticket weiter gehen?

Auch wenn die finale Auswertung noch aussteht, lässt sich die Aktion bereits jetzt als Teilerfolg bezeichnen. Das belegt unter anderem eine Umfrage unter den Käufern des Tickets, deren Ergebnisse der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) am Montag veröffentlicht hatte. Demnach gaben rund 20 Prozent der Befragten an, zuvor den ÖPNV fast nie genutzt zu haben.

Ein 9-Euro-Ticket für Juli 2022 wird am Hauptbahnhof Frankfurt hochgehalten, während Zugreisende aus einer Regionalbahn aussteigen.
Das 9-Euro-Ticket lockt einer neuen Umfrage zufolge viele Menschen in Busse und Bahnen, die vorher gar nicht oder nur selten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) unterwegs waren. © Arne Dedert/dpa

9-Euro-Ticket: Erfolgsmodell mit Ablaufdatum – Grünen-Politikerin schlägt Anschlusskonzept vor

Ein Erfolgsmodell mit Ablaufdatum. Denn ab 1. September endet das Angebot. Pendler und Reisende müssen dann wieder auf die gewöhnlichen Ticket-Angebote zurückgreifen. Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus liefern nun jedoch einen ersten Vorschlag, wie man die Verbraucher auch nach dem 9-Euro-Ticker weiter entlasten könnte. Die Verkehrspolitikerin Oda Hassepaß plädierte im Tagesspiegel für die Einführung eines 29-Euro-Tickets ab September.

Die 48-Jährige sieht in der aktuellen Zeit eine ideale Gelegenheit, die Verkehrswende weiter anzukurbeln. „Diesen Moment verstreichen zu lassen und kein Anschlusskonzept für die Menschen zu schaffen, wäre ein massiver Rückschritt“, so die Grünen-Politikerin.

29-Euro-Ticket ab September? Grünen-Politikerin will Momentum nutzen

Bei der Finanzierung des Angebots verweist Hassepaß auf die erwartete Steigerung der Abonnenten-Zahlen. Die Annahme der Verkehrspolitikerin: Stiege die Anzahl der bundesweiten Fahrgäste durch die Preissenkung um 4,2 Millionen Menschen, würden Bahn und Verkehrsverbünde keine Einbußen bei der Fahrgeldeinnahme verzeichnen müssen. Die steigende Zahl an Fahrgästen würde jedoch den Ausbau der Kapazitäten noch dringlicher machen. Dabei setz Hassepaß auf neue Querfinanzierungsmodelle.

Im Berliner Abgeordnetenhaus hatten sich die Linken bereits vor dem 9-Euro-Ticket für die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets ausgesprochen. Dieser kommt dem Vorschlag der Grünen sehr nahe. Die jährlichen Kosten für ein 29-Euro-Ticket würden sich auf 348 Euro belaufen.

Linken-Chefin Wissler plädiert im Bundestag für Einführung des 1-Euro-Ticket ab 2023

Im Deutschen Bundestag hat sich zuletzt die Linke mit einem ähnlichen Antrag über die Verlängerung des 9-Euro-Tickets nach vorne gewagt. Partei-Co-Vorsitzende Janine Wissler forderte im Parlament zunächst eine Verlängerung des 9-Euro-Angebots bis zum Ende des Jahres. Danach müsse eine neue Regelung her. „Angesichts dieses Erfolges würde jeder vernünftige Verkehrsminister darum kämpfen, dass es fortgesetzt wird“, sagte die 41-Jährige in Richtung Verkehrsminister Wissing.

Die Linken-Chefin schlug hierfür die Einführung eines 1-Euro-Tickets vor - also einer Tagesfahrkarte zum Preis von einem Euro. Damit bewegt sich der Vorschlag der Bundes-Linken auf dem gleichen Niveau wie das Modell der Berliner Grünen und Linken. Mittelfristig forderte Wissler sogar die kostenfreie Nutzung von Bus und Bahn im ÖPNV.

Die Vorsitzende der Linken, Janine Wissler, im deutschen Bundestag.
Die Vorsitzende der Linken, Janine Wissler, hat sich im Bundestag für die Einführung eines 1-Euro-Tickets ab 2023 ausgesprochen. © Fabian Sommer/dpa

Verkehrsminister Wissing: 9-Euro-Ticket Anlass für „strukturelle Veränderung“

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte das 9-Euro-Ticket am Wochenende gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung als „fulminanten Erfolg“ bezeichnet. Die Aktion sieht auch der 52-Jährige als Anlass für eine „strukturelle Veränderung“ in der Zukunft. Wie diese aussehen soll, sagte der Verkehrsminister jedoch nicht. Einer dauerhaften Fortsetzung des 9-Euro-Tickets erteilte der FDP-Politiker jedoch eine Absage.

„Allen ist aber auch klar, dass der Bund kein Monatsticket für 9 Euro auf Dauer finanzieren kann. Das wären jährlich rund zehn Milliarden Euro“, sagte der Minister und ergänzte: „Ich kann hier nicht den Haushaltsverhandlungen vorgreifen.“

Entscheidung zu Linken-Initiative im Bundestag vertagt - Kritik aus der CDU

Der Bundestag konnte sich am Freitag zumindest noch nicht auf einen Kompromiss einigen. Die Initiative der Linken wurden zur federführenden Beratung in den Verkehrsausschuss überwiesen. Kritik an dem Antrag gab es vor allem vonseiten der CDU. Als „eine pauschale Ticket-Subventionierung mit der Gießkanne statt zielgerichtete Entlastung von sozial Schwachen“, bezeichnete CDU-Abgeordneter Michael Donth den Vorschlag. (fd mit dpa)

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